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CDU 2021: Verlierer und Gewinner in Bund, RLP und Region Trier

Analyse : Ein rabenschwarzes Jahr für die Schwarzen - Politische Verlierer und Gewinner 2021 in Bund, Land und Region Trier

Für die CDU hätte 2021 kaum schlechter laufen können: Erst verloren die Christdemokraten einmal mehr die rheinland-pfälzische Landtagswahl. Dann wurde die SPD auch noch überraschend stärkste Partei bei der Bundestagswahl. Und auf kommunaler Ebene gab es für die CDU zwar ein, zwei personelle Lichtblicke, aber letztendlich auch etliche lange Gesichter.

Am sogenannten Black Friday (Schwarzer Freitag), dem längst auch in Deutschland eingeführten Start der Weihnachtseinkaufsaison mit großzügigen Preisnachlässen,  beteiligte sich in diesem Jahr auch die Union. 50 Prozent Rabatt gab’s zumindest am Tag der Veröffentlichung des Angebots auf die CDU-Politiker Julia Klöckner, Philipp Amthor, Armin Laschet oder Jens Spahn. Wie viele Interessenten es danach gab, ist nicht bekannt. Und ernst gemeint war das vom Internet-Satireportal Postillon veröffentlichte Black-Friday-Angebot am Ende auch nicht.

Doch so ganz von der Hand zu weisen ist der angebliche CDU-Ausverkauf auch nicht. Für die Union war das zu Ende gehende Jahr 2021 ein rabenschwarzes – und das auf allen politischen Ebenen. Bei der Bundestagswahl im September büßte die CDU um Spitzenkandidat Armin Laschet stolze 7,9 Prozentpunkte ein. In der Folge musste die Partei nicht nur das Bundeskanzleramt räumen, sondern suchte per Mitgliederbefragung auch einen neuen Vorsitzenden für den erst 2021 als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer inthronisierten Laschet. In der Partei ist nur erst einmal Wundenlecken angesagt und Regeneration auf den ungewohnten Oppositionsbänken im Bundestag.

Schwache Ergebnisse für die CDU in Rheinland-Pfalz

Da sitzt mit Julia Klöckner auch die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin und scheidende rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende. Der Bad Kreuznacher Christdemokratin war es bei der Wahl im September nicht einmal gelungen, den eigenen Wahlkreis zu gewinnen.

Dabei hatte Klöckner zu diesem Zeitpunkt schon eine Wahlschlappe hinter sich. Bei der Landtagswahl im März stürzte ihre Landes-CDU gegenüber dem schon schlechten Ergebnis fünf Jahre zuvor noch einmal gut vier Prozentpunkte ab. Die Partei um Spitzenkandidat Christian Baldauf fuhr damit ein historisch schlechtes Ergebnis ein, während sich die SPD mit deutlichem Vorsprung behaupten konnte. Für die Trierer CDU schon längst Gewohnheit: Die Partei ist seit zehn Jahren nicht mehr mit einem eigenen Kandidaten im Mainzer Landtag vertreten.

Bundestagswahl: CDU verliert den Wahlkreis Trier

Seit der Bundestagswahl hat die CDU im Wahlkreis Trier auch  keinen Bundestagsabgeordneten mehr. Amtsinhaber Andreas Steier verlor sein Direktmandat an SPD-Herausforderin Verena Hubertz. Verena wer? Die politisch bis dahin nicht groß in Erscheinung getretene 33-jährige Unternehmerin aus Trier zählt zweifelsfrei zu den Wahlgewinnerinnen im Jahr 2021. Hubertz schaffte nicht nur auf Anhieb den Sprung in den Bundestag, sie machte dort auch gleich auf sich aufmerksam: Für ihre Partei nahm die Newcomerin an den Koalitionsverhandlungen teil und wurde stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Medial ist die Triererin ohnehin dauerpräsent.

Zu den politischen Wahlgewinnern zählt zweifelsfrei auch der ehemalige Eifelkreis-Landrat Joachim Streit. Mit seinen Mitstreitern von den Freien Wählern schaffte der 56-jährige Listenführer den Sprung in den Landtag – und ist dort inzwischen für viele der eigentliche oppositionelle Herausforderer von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. 

Apropos Malu Dreyer: Wenn die Trierer Genosssin als Spitzenkandidatin bei einer Landtagswahl antritt, scheint ihrer Partei der Wahlsieg sicher zu sein. Dass die 60-Jährige in fünf Jahren noch einmal antritt, gilt als eher unwahrscheinlich. Darauf dürfte die Landes-CDU hoffen, auch wenn  längst noch nicht ausgemacht ist, wer die seit 30 Jahren in der Opposition hockenden Christdemokraten dann als Nummer eins in den Wahlkampf führen wird.

Ein Lichtblick für die CDU aus Bernkastel-Wittlich

Dabei gibt es auch bei den regionalen CDUlern durchaus Dinge, die die Anhänger hoffen lassen dürfen. Der erst 37-jährige Bernkastel-Wittlicher CDU-Vorsitzende Dennis Junk eroberte bei seiner Landtagswahl-Premiere mit einem Top-Ergebnis das Direktmandat. Damit dürfte sich der selbstbewusste Junk schon mal für höhere Weihen empfohlen haben.

Landrat Schartz abgewählt - SPD-Herausforderer übernimmt das Amt

Für einen anderen gestandenen Christdemokraten war das Wahljahr 2021 ein denkbar schlechtes. Günther Schartz, amtierender CDU-Landesvize, verlor die Trier-Saarburger Landratswahl gegen seinen SPD-Herausforderer Stefan Metzdorf in der Stichwahl. Für den 59-jährigen Schartz waren daran vor allem die Medien schuld, die in einer Art Kampagne immer wieder über seine Nebentätigkeiten berichtet hätten. Die waren gut dotiert, kosteten den Trier-Saarburger Landrat aber letztlich womöglich den Job.

Apropos Kosten: Bei der inzwischen beendeten Black-Friday-Aktion der Internet-Satireplattform Postillon gab’s beim Kauf von zwei Unionspolitikern sogar noch einen Sonderrabatt: „Dann entfallen die Kosten für Anreise und Galadinner.“