Prozess am Verwaltungsgericht Trier: Eifelkreis will Schäfer zum scheren zwingen

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Muss ein Schäfer seine Schafe vor dem Sommer scheren? Ein Eifeler zieht vor Gericht, weil er sich weigert, einer Anordnung des Eifelkreises Bitburg-Prüm zu folgen.

Solche Videos gibt es im Verwaltungsgericht Trier nicht alle Tage zu sehen. Fluffig wollige Schafe drängen sich auf einer großen Weide im Schatten, den der umgebende Wald spendet. Halbtotale: Ein Schaf liegt auf dem Boden und hechelt. Nahaufnahme: Allerlei Ästchen und Blätter haben sich im dichten Fell eines Tieres verfangen. Ende.

Die Veterinärin des Eifelkreises Bitburg-Prüm hat die Videos im heißen Sommer des Jahres 2018 auf einer Weide im Irsental gedreht. Es war nicht das erste Mal, dass sie zu einer Kontrolle in diese idyllische Gegend im Westen des Eifelkreises ausrückte. Seit 2010 war der Schäfer immer wieder aufgefallen, weil er einen Teil seiner rund 100 Schafe nicht geschoren hatte. Und damit ist er nach Auskunft von Veterinäramtsleiter Rudolf Heck nicht alleine: Immer mehr Leute hielten sich hobbymäßig ein paar Schafe, um den Rasen kurz zu halten. Und immer wieder werde das Veterinäramt gerufen, weil diese Schafe selbst bei brütender Sommerhitze in dicker Wolle auf der Weide stünden. So hofft die Behörde nun auf ein Grundsatzurteil mit Signalwirkung, um Tierleid zu verhindern.

Der klagende Schäfer hingegen hofft, sich nicht an die Anordnung halten zu müssen, die die Kreisverwaltung erlassen hat. Diese schreibt dem Eifeler vor, seine Schafe zwischen Mitte Mai und Mitte Juni zu scheren, spätestens jedoch mit zwei Wochen Verzug. Hält er sich nicht daran, drohen ihm 500 Euro Strafe.

Es ist eine Gerichtsverhandlung, die zur Lektion in Schafpflege wird. So fasst ein Berichterstatter zusammen, was die Essenz aus rund einem Dutzend Sachverständigengutachten zum Thema Schafschur ist. Demnach müssen Tiere, die ihr Vlies nicht von alleine verlieren, einmal jährlich geschoren werden. Bestehe doch die Gefahr, dass die Schafe über die Haut keine Hitze mehr abgeben können, wenn ihre Wolle zu lang wird und verfilzt. Dann bleibe ihnen bloß noch übrig, sich auf den Boden zu legen, wo es etwas kühler ist und zu hecheln. Der perfekte Zeitpunkt für eine Schur ist den Expertenaussagen zufolge zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Zum einen, weil dann nicht mehr mit großer Kälte zu rechnen ist. Zum anderen, weil bis zum Hochsommer genügend Wolle nachwachsen kann, die das Tier vor Sonnenbrand schützt und bis zum Winter genug, um gegen Kälte zu helfen.

Zwar hat der Schäfer nach eigenem Bekunden generell gar nichts dagegen, Schafe zu scheren. Allerdings will er sich das nicht für die ganze Herde vorschreiben lassen. Auf den Einzelfall komme es an. Nicht jedes Tier benötige eine Schur. Bei seinen Tieren handele es sich um Kreuzungen aus Texelschafen und Heidschnucken, die ihre Wolle je nach Veranlagung und Wetter selbst verlören. Solle dieser Wechsel nicht stattfinden, dann werde das Tier von ihm geschoren. Eine Aussage, bei der angesichts der wolligen Schafe aus den Videos mancher im Saal skeptisch schaut. Darauf angesprochen entgegnet der Eifeler, bei den im Film zu sehenden Tieren sei eine Schur nicht notwendig gewesen. Wolle isoliere ja auch gegen Hitze. Deshalb lägen seine Schafe sogar in der Sonne.

Ob man sich denn nicht auf einen Zeitraum für die Schur einigen könne, will Richterin Sylvia Kohl wissen. „Sie sind von der Verwaltung“, entgegnet der Schäfer. „Nein“, sagt die Richterin, „ich bin Richterin“.  „Aber sie vertreten die Verwaltung“, entgegnet der Schäfer. „Nein“, sagt die Richterin, „ich vertrete das Volk.“ Er habe ihr doch einen Beitrag über die fünf Freiheiten der Tiere geschickt, sagt der Schäfer. Das sei die beste Tierhaltung. „Können wir uns auf einen Zeitraum einigen?“, fragt die Richterin. „Nein, das will ich nicht“, entgegnet der Schäfer. Es solle ihm vorbehalten sein zu beschließen, wann seine Schafe geschoren werden. So wird nun binnen 14 Tagen ein Urteil im Namen des Volkes fallen.

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