1989-2919: Weimar und Trier feiern Jubiläum der "echten" Partnerschaft

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Weimar und Trier feiern Partnerschaftsjubiläum. Für die Zukunft liegt die Hoffnung auf jüngeren Generationen.

„Volles Haus, das bedeutet hier: 800 Menschen“, erklärt Sebastian Kircheis, Pfarrer der Herderkirche in Weimar.  Beim Bürgergespräch am 8. Dezember 1989 hätten alle von „überfülltem Haus“ gesprochen: „Das müssen dann um die 1000 Menschen gewesen sein.“

Bei der Jubiläumsfeier genau 30 Jahre später ist der Andrang überschaubar, rund 120-köpfig die Runde und damit größer, als angenommen. Immer wieder müssen weitere Stühle herbeigeschafft werden, ehe es endlich losgehen kann. Thema damals wie heute: die Städtepartnerschaft   zwischen Trier und Weimar und ihre Perspektiven. Auch die Protagonisten von damals sind mit von der Partie: Die Ex-Stadtoberhäupter Helmut Schröer (77; Trier) und Volkhardt Germer (75), von Elke Mohnhaupt-Schmidt, der Vorsitzenden der Trier-Gesellschaft Weimar als „Väter der echten Städtepartnerschaft“ bezeichnet. Tatsächlich ermöglichte erst der Fall der Mauer am 9. November 1989 den Neustart der zwei Jahre zuvor besiegelten, aber von DDR-Seite auf Eis gelegten Verbindung. Schröer und Germer hätten die Chancen genutzt und die Wege geebnet.

Die Liaison der Römer- und der Klassikerstadt galt einst als Musterbeispiel dafür, wie sich deutsche Einheit auf kommunaler und bürgerschaftlicher Ebene abspielt und Realität wird. Und drei Jahrzehnte später? „Wir sind zwei der ganze wenigen Städte, die ihre deutsch-deutschen Partnerschaften weiter pflegen“, betont Schröer. Tatsächlich ist die Weimar-Gesellschaft Trier mit der Vorsizenden Elisabeth Ruschel und Vize Erwin Löwenbrück mit fast 50 ihrer 190 Mitglieder angereist, was bei Weimars OB Peter Kleine und Triers Bürgermeisterin Elvira Garbes großen Eindruck hinterlässt. Ja, die Partnerschaft lebe. Aber wie sieht ihre Zukunft aus? Was ist da zu erwarten? Weimar kündigt ein Bauhaus-Schmankerl an: Die Rauminstallation Gropius-Zimmer-Pavillon geht auf Tour durch die Partnerstädte. Start ist am Freitag in Siena/Italien, im Sommer 2020 soll sie in Trier zu sehen sein. Dann wolle auch er zum Antrittsbesuch kommen, sagt der 47-jährige Kleine, seit 1. Juli 2018 Weimars Rathauschef.

In der Bibliothek der Bauhaus-Uni Weimar ist schon jetzt eine Ausstellung  aus Trier zu sehen: „Hans Proppe (1875-1951): Visionär, Gestalter und Lebensreformer“, konzipiert vom Stadtmuseum Simeonstift.“ Weiterer „Export“ von der Mosel an die Ilm: Im kommenden Jahr sollen laut Elvira Garbes zwei Verwaltungsanwärter entsandt werden.

Es ist eine würdige, bewegende Feierstunde in der Herderkirche. Für den musikalischen Rahmen sorgen Peter Epp (Gitarre) und Paula Dolinkschek (Gesang) mit passenden Liedern: „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen und „Wind of Change“ (Scorpions). Und alle sind sich einig, dass es nun gelingen muss, jüngere Generationen für die Partnerschaft zu begeistern, damit diese auch in Zukunft mit Leben gefüllt werden kann. Eine Möglichkeit zeigt Laura Weimer (22) auf. „Wir möchten gerne mit einer Trierer Partnerschule am Projekt ,Schulbrücke’ der Deutschen Nationalstiftung teilnehmen“, erklärt die Absolventin des Goethe-Gymnasiums. Wer der Partner sein könne? Unklar. Alt-OB Schröer, der immer noch gerne Strippen zieht und Verbindungen schafft, verspricht, bei der Suche mitzuhelfen.

Dass die Städtepartnerschaft auch weiterhin einen Sinn und Zweck habe, ja unverzichtbar sei, steht für den Weimarer Ehrenbürger (seit 2007) „völlig außer Frage. Sie ist Teil unserer Geschichte, davon verabschieden wir uns nicht.“ Einmal so richtig in Fahrt gekommen, legt Schröer nach: „Wir sind noch lange nicht am Ende. Es fängt gerade erst so richtig an.“ Damit nimmt er eine Vorlage von OB Kleine auf, der sich zuvor kritisch mit der AfD und ihrer „menschenverachtenden Sprache“ auseinandergesetzt hat. Auch deshalb sei es wichtig,  „das Menschliche und das Miteinander zu betonen und Freundschaften zu schließen und zu halten.“

Das Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater ist Mittelpunkt der Weimarer Eislaufbahn. Ende 1989 prangte an den Dichterfürsten ein großes „Wir bleiben hier!“-Schild. Foto: Roland Morgen

Dass Weimar und Trier Vorbild sein können, zeigt sich auch hinterher beim geselligen Teil: Thüringische  Spezialitäten und Riesling von den Bischöflichen Weingütern: Das passt!