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Die Hintergründe zum Großbrand auf dem ART-Gelände im Trierer Hafen (Fotos/Video)

Kostenpflichtiger Inhalt: Feuer : Die Hintergründe zum Großbrand auf dem ART-Gelände im Trierer Hafen (Fotos/Video)

Auf dem Gelände des Abfallzweckverbands Region Trier im Ehranger Hafen sind am Mittwoch rund 600 Tonnen Recyclingmaterial in Flammen aufgegangen. Verletzt wurde niemand. Die ART GmbH spricht von Selbstentzündung.

Vor dem hellblauen Frühlingshimmel wirken die Rußwolken gleich doppelt bedrohlich. Etliche Kilometer weit sind die riesigen schwarzen Rauchsäulen zu sehen. Aus Konz, der Fidei und bis in den Hochwald stellen Menschen Dutzende Fotos der Schwaden ins Internet. Bis nach Bitburg sei der Qualm zu sehen, schreiben Kommentatoren bei Facebook.

Durch die umliegenden Ort­schaften des Ehranger Hafengeländes fahren Autos mit Sprechanlagen: „Bitte schließen Sie Fenster und Türen, schalten Sie Lüftungsanlagen aus und bleiben Sie drinnen!“, schallt aus den Lautsprechern. Auch der Katastrophenwarndienst meldet den Großbrand über alle Kanäle: „Schalten Sie Rundfunk und Fernsehen an. Informieren Sie sich über alle verfügbaren Medien“, heißt es dabei.

Schlimme Folgen hat der spektakuläre Industriebrand allerdings nicht. „Die amtlichen Warnungen und Aufforderungen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, waren reine Vorsichtsmaßnahmen“, betont Ernst Mettlach, Pressesprecher der Trierer Berufsfeuerwehr. Auch ein Rettungswagen gehöre zum Standardprogramm bei solchen Großbränden. „Verletzt wurde bei dem Brand niemand“, sagt Mettlach. Wie groß der Sachschaden ist, steht noch nicht fest.

Ausgebrochen war das Feuer gegen 13.30 Uhr auf dem so genannten Vorlager des Geländes der ART GmbH (siehe Info). Dort stapelt der Abfallverwerter unter freiem Himmel gepresste Ballen mit Wertstoffen, die von dort zur Wiederverwertung in Recyclingbetrieben transportiert werden. Die Recyclingstoffe stammen zum Großteil aus den Gelben Säcken der Privathaushalte. Die große Maschine, die das Material nach Stoffklassen sortiert, sei von dem Feuer, das sich auf einer Fläche von rund 30 mal 50 Metern ausbreitete, nicht erfasst worden. Auch die Werks- und Lagerhallen hätten keinen Schaden erlitten, teilte die ART GmbH mit.

Nach „jetzigem Kenntnisstand“ habe sich das Material selbst entzündet, erklärte die ART GmbH. Bei den Ballen habe es sich außerdem um ungefährliche „(Verpackungs-) abfälle aus Aluminium, Polypropylen und Polyethylen sowie Sortierreste“ gehandelt. „Abfälle aus PVC werden in der Anlage der ART GmbH nicht verarbeitet“, sagte GmbH-Geschäftsführer Ernst Weires. PVC oder Polyvinylchlorid ist ein thermoplastisches Polymer, bei dessen Verbrennung das Giftgas Phosgen freigesetzt wird.

Die Feuerwehr setzte Messwagen ein, um zu überprüfen, ob tatsächlich keine giftigen Stoffe durch den Brand entstanden sind. „Die Messungen wurden nicht nur in Trier, sondern im gesamten Landkreis durchgeführt“, erklärt Feuerwehr-Sprecher Mettlach. Giftstoffe seien dabei nicht festgestellt worden. „Die Aufforderung, Fenster und Türen zu schließen und drinnen zu bleiben, ist trotzdem aufrecht erhalten worden – schon alleine wegen der Geruchsbelästigung und dem Ruß“, erklärte Mettlach.

Großbrand beim Zweckverband ART im Trierer Hafen

Auch die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord schickte als für Recyclingbetriebe und Umweltthemen zuständige Landesbehörde Mitarbeiter zu dem Großbrand. Unter anderem, um zu überwachen, dass das Löschwasser ordnungsgemäß abgeleitet wird, erklärte Behördensprecherin Sandra Hansen-Spurzem auf TV-Nachfrage.

Dass die Wertstoff-Ballen sich tatsächlich selbst entzündet haben, wollte Mettlach am Mittwoch noch nicht bestätigen. Schließlich dauerten die Löscharbeiten bis zum Abend. „Erst danach kann die Polizei die Ermittlungen zur Brandursache in vollem Umfang aufnehmen“, sagte Mettlach.

Im Einsatz waren bei dem Großbrand rund 100 Feuerwehrleute, neben der Trierer Berufsfeuerwehr waren die Freiwilligen Wehren aus Euren, Zewen, Biewer, Pfalzel, Eh­rang, Kürenz und Olewig vor Ort.

Im benachbarten Stadtteil Trier-Pfalzel habe sich die Aufregung in Grenzen gehalten, berichtete Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel: „Es ist zurzeit ja ohnehin niemand auf der Straße wegen der Ausgangsbeschränkungen durch die Corona-Krise.“