In Trier dürfen auch schwere LKW durch die Fußgängerzone fahren. Andere Städte regeln das anders.

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Lastwagen raus aus der Fußgängerzone?

Die Trierer Fußgängerzone wimmelt bereits von Menschen, da rangiert der Fahrer eines LKW mit Anhänger in der Brotstraße. Sehr gefährlich, meint ein TV-Leser und fragt: Wie kann es ein, dass so große Gefährte überhaupt dort fahren dürfen?

Sie sind riesig, stinken, machen Lärm, verstopfen die Fußgängerzone und die Straßen der Trierer Innenstadt: Große Lastwagen haben nicht den besten Ruf. Mal mit, mal ohne Anhänger werden sie vor allem von Fußgängern argwöhnisch oder genervt beäugt, die in ihnen ein Gefahrenpotenzial sehen.

Bestürzt beobachtet ein TV-Leser aus Fell an einem Freitag um 10.53 Uhr – sieben Minuten vor Ablauf der Lieferzeit –, wie ein Lastwagen mit Anhänger rückwärts ohne separate Absicherung aus der Grabenstraße in Richtung Brotstraße fährt. Unglaublich findet er das und fragt: „Wie kann es sein, dass solche große Gespanne in die Fußgängerzone einfahren, egal um welche Uhrzeit? Und wie kann es sein, dass dies auch noch ohne Absicherung erfolgen kann?“ In viele Städte dürften so große Lastwagen gar nicht erst hineinfahren, da werde am Stadtrand auf Sprinter umgeladen.

Stimmt! Im nordrhein-westfälischen Gladbeck etwa dürfen Lastwagen mit einem Gesamtgewicht über zwölf Tonnen sowie Lastwagen mit Anhängern generell nicht in die Fußgängerzone fahren, auch in den Ladezeiten nicht.

Ein Modell für Trier? Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier, sagt dazu: „Lastwagen dürfen in die Fußgängerzone einfahren, aber natürlich zu den üblichen Lieferzeiten. Geschäfte müssen für ihre Zulieferer ja erreichbar sein. Außerdem gibt es ja mitunter private oder öffentliche Baustellen, auch in der Fußgängerzone, die ebenfalls per LKW erreichbar sein müssen. Dafür gibt es Handwerker-Einfahrt-Erlaubnisse, die im Einzelfall beantragt werden müssen.“ Zu dem konkreten Fall in der Brotstraße kann Schmitz zwar nichts sagen, er betont aber, dass generell alle Verkehrsteilnehmer in der Fußgängerzone besonders rücksichtsvoll agieren sollten. „Fußgänger genießen in der Innenstadt zu allen Tageszeiten – also auch zu den Lieferzeiten – Vorrang vor allen Verkehrsteilnehmern. Sollten Rangiermanöver von Lastwagen in der Fußgängerzone nötig sein, sollte eigentlich ein Einweiser vor Ort sein.“

Fehlende Rücksichtnahme im Verkehr ist ein Dauerthema, mit dem sich Polizeibeamte bestens auskennen. Gerade in der Vorweihnachtszeit nimmt der Lieferverkehr stark zu. Kontrolliert die Polizei in diesen Wochen besonders intensiv, und ist die Tendenz zu Verstößen allgemein steigend?

Karl-Peter Jochem, stellvertretender Leiter der Pressestelle der Polizei Trier, sagt: „Es gibt Verkehrskontrollen, aber unregelmäßig. Wenn jemand etwa gegen die Lieferzeiten verstößt, wird die Verwarnung an Ort und Stelle ausgesprochen.“ Eine Statistik, etwa wie viele Verstöße die Beamten im Monat aufnehmen oder ob die Zahl der Verstöße zugenommen hat, gebe es allerdings nicht.

Um das zu ändern, müsste die Stadt Trier die Regeln für den Lieferverkehr neu definieren. Doch das sei derzeit nicht angedacht, sagt Michael Schmitz. „Eine entsprechende Änderung der bisherigen Zeiten müsste vom Stadtrat beschlossen werden.“

Mit dem Problem des zunehmenden Lieferverkehrs beschäftigen sich viele Großstädte und finden dafür unterschiedliche Lösungen. Eine davon ist das Modell City Hub, ein Logistikzentrum im Stadtbereich, von dem aus die Waren per Lastenfahrrad oder Niedrig-Emissionsfahrzeug verteilt werden. So bringt etwa die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung dieser Hubs für Krefeld, Neuss und Mönchengladbach auf den Weg.

Fußgängerzone Trier. Foto: TV/Wilbert, Bianca
Sind die Regeln für Triers Fußgängerzone stikt genug? Foto: TV/Verona Kerl

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Wie sollte der Lieferverkehr in der Fußgängerzone organisiert werden? Mailen Sie uns: echo@volksfreund.de. Bitte Namen und Ihre Adresse nicht vergessen.

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