Nach Brand in Echternach: Grenzfluss Sauer ist verschmutzt

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Der Großbrand bei einer Echternacher Firma am Dienstag hat Konsequenzen: Weil Löschwasser in die Sauer gelangte, wurde der Fluss verunreinigt. Betroffen sind davon auch der Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Kreis Trier-Saarburg. Beim Unternehmen rechnet man derweil mit einem Schaden in Millionenhöhe.

Ein Schaumteppich treibt am Mittwoch auf der Sauer. Weiße Blasen schwimmen auf dem Grenzfluss aus Luxemburg in Richtung Eifel. Es sind Lösemittel, Phenolharz und verschiedene Öle, die das Wasser verunreinigen. Und somit Stoffe, die für Flora und Fauna des Gewässers grundsätzlich nicht zuträglich sind.

Die Chemikalien stammen aus dem Industriegebiet oberhalb des luxemburgischen Städtchens Echternach. Dort stand am Dienstag eine Produktionshalle des Flugzeugteileherstellers „Euro Composites“ in Flammen (der TV berichtete). Bei einem Großeinsatz versprühten rund 120 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Großherzogtum und den Landkreisen Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg dort etliche Liter Löschmittel.

Während des Einsatzes lief dann ein Teil dieses Schaums, vermischt mit den in Brand geratenen Industriechemikalien, in die Sauer. Und bescherte den Einsatzkräften am Mittwoch so weitere Einsatzstunden. Bereits am Dienstag waren die Helfer bis etwa 21.30 Uhr auf den Beinen gewesen. Am Folgetag vermeldet Willi Schlöder, stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur für den Eifelkreis, gegen 14.30 Uhr ein Ende der Alarmierung: „Derzeit ist keiner meiner Kollegen draußen.“

„Wir haben mit unseren Feuerwehrbooten auf Höhe von Minden (Bitburg- Prüm) eine Ölsperre errichtet“ erklärt Schlöder weiter. Die wolle man erst am Freitag wieder abbauen. Es wurden weiterhin Stoffe eingesetzt, die Schadstoffe binden sollen. Laut dem Tageblatt wurden auch auf Höhe des luxemburgischen Ortes Steinheim Schwimmsperren installiert.

Durch Luxemburg und die Eifel fließt die Sauer weiter Richtung Trierer Land. Dort habe man aber bewusst keine Barrieren eingerichtet, sagt Christoph Winckler, Kreisfeuerwehrinspekteur für den Landkreis Trier-Saarburg. Denn nach zwei Sperren sei dort nicht mehr viel angekommen.

Die Experten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord geben ebenfalls Entwarnung: Ein Leuchtbakterientest habe keine Giftigkeit gezeigt. Ein Fischsterben vor diesem Hintergrund: unwahrscheinlich.

Laut dem Trierer Kreisfeuerwehrinspekteur stünden aber noch Ergebnisse anderer Analysen aus. So wollten die Stadtwerke Trier gezogene Wasserproben auch auf sogenannte Perfluorierte Tenside untersuchen, krebserregende Stoffe, die auch in Löschmitteln vorkommen. Insgesamt, sagt Winckler, sei also noch zu wenig bekannt über Konzentration und Zusammensetzung der Stoffe, die in der Sauer treiben. Erst wenn die Ergebnisse vorlägen, könne vollends Entwarnung gegeben werden.

Solange empfehlen die Kreisverwaltungen Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm sowie die Feuerwehren, auf den Verzehr von Fisch aus der Sauer zu verzichten. Es könne noch eine Weile dauern, sagt Schlöder, bis die Schadstoffe im Gewässer nicht mehr nachweisbar seien: „Die fließen jetzt flussabwärts und verdünnen sich.“

Was jetzt schon klar ist: Die Luft ist rein. Das haben am Dienstag Messungen in der Südeifel und im Trierer Land ergeben. Alle Tests auf Schadstoffe seien negativ ausgefallen, erklären Schlöder und Winckler. Die Befürchtungen der Einsatzkräfte haben sich damit nicht bestätigt. Die Rauchwolke, die am Dienstag Richtung Deutschland waberte, hatte offenbar keine toxischen Chemikalien im Gepäck.

Während die Feuerwehr den Umweltschaden bekämpft, hat die Unternehmensführung von „Euro Composites“ ganz andere Sorgen. Nach wie vor dürfe die ausgebrannte Produktionshalle nicht betreten werden, sagt Firmensprecher Horst Willkomm. Die Werksfeuerwehr bekämpfe noch immer Brandnester auf dem Gelände, und auch die Statiker warnten derzeit davor, zu weit ins Innere des Gebäudes vorzudringen. Denn offenbar besteht Einsturzgefahr.

Die Brandursache und auch das Ausmaß des Schadens seien daher noch nicht bekannt. Was und ob überhaupt etwas in der Halle explodiert ist, sei nicht ausermittelt. Willkomm sagt nur so viel: „Zwischen einer und zehn Millionen Euro Schaden ist alles möglich.“ Mehr als die Hälfte der Produktion könne zwar weiterlaufen. Es komme aber zu „erheblichen Einschränkungen“.

„Wir dachten, wir könnten am Tag eins nach der Katastrophe mehr sagen“, erklärt Willkomm: „Aber gefühlt sind wir immer noch bei Tag 0.“ Weitere Informationen will er im Laufe der Woche rausgeben.

Foto: Florian Blaes

Mehr Fotos vom Brand und von der verunreinigten Sauer gibt es online auf:

Hier geht es zur Bilderstrecke: Verunreinigungen der Sauer nach Echternacher Großbrand

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