1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Nach Grenzöffnung wieder mehr Kunden im Nachbarland erwartet

Kostenpflichtiger Inhalt: Trier : Wenn Brücken wieder verbinden

Luxemburger durften nicht in Deutschland einkaufen, Deutsche sollten nicht in Luxemburg tanken. Ab sofort ist das wieder möglich. Die Händler stehen bereit.

Selbst an normalen Wochentagen wird es manchmal eng in den Straßen der Trierer Fußgängerzone. Doch was ist derzeit normal? Die Einkaufsstraßen bieten derzeit nicht nur im Oberzentrum genügend Platz, um den notwendigen Abstand zu wahren. Wird sich das nun ändern, da es keine Grenzkontrollen mehr gibt? Die Meinungen gehen auseinander.

Jennifer Schaefer von der City-Initiative Trier erwartet „eine gesteigerte Frequenz, zumal auch das Wetter entsprechend mitspielen wird. Viele Luxemburger freuen sich sehr darauf, wieder nach Trier einkaufen zu kommen.“ Die Trierer haben sich zudem etwas einfallen lassen. Die Initiative hat Fähnchen in den Farben Luxemburgs an Mitgliedsbetriebe verteilt, um so Kunden aus dem Nachbarland Willkommen zu heißen. Stadt und Stadtwerke haben zudem kostenlose Parktickets zur Verfügung gestellt. Für Parkhäuser und für Parkplätze an den Straßen. Diese sollen an die Kunden verteilt werden. Egal ob aus Deutschland oder aus einem anderen Land.Ebenfalls neu im Angebot: Mit dem SWT City-WLAN kann man bisher eine Stunde am Tag kostenlos surfen. Dieser Service wird nun ausgeweitet, so dass an den kommenden sieben Samstagen der Service komplett kostenfrei ist.

Stephan Holbach vom Verein Stadtmarketing Konz reagiert hingegen zurückhaltend. Er geht davon aus, dass es einige Zeit dauern wird, bis die Luxemburger wieder im gewohnten Umfang über die Grenze kommen. „Es hat sich bei vielen Menschen ein anderes Einkaufsverhalten eingestellt“, sagt er. Die Kunden würden gezielter nach Dingen suchen und weniger bummeln. Holbach ist sich sicher, dass sich das wieder ändern wird. Auch die Verstimmung vieler Luxemburger über die einseitige Grenzschließung könnte ein Grund sein, erst einmal nicht nach Deutschland zu kommen.

Bei Möbel-Martin in Konz sind Luxemburger nach Unternehmensangaben wichtige Kunden. „Wir rechnen damit, dass sich die Zahl der Kunden aus Luxemburg schrittweise erhöht“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage.  Die Einhaltung der Abstandsregeln bei rund  27000 Quadratmeter Verkaufsfläche sei kein Problem. Um dies zu gewährleisten, werde die  Kundenanzahl via elektronischem Frequenzzähler mit Anzeigemonitor überwacht. Jeder Kunde, der das Einrichtungshaus betritt, könne auf dem Bildschirm sehen, wie viel Quadratmeter Platz ihm aktuell zur Verfügung steht. „Wir haben uns eine Grenze bei 50 Quadratmeter pro Person statt der vorgeschriebenen 20 Quadratmeter pro Person gesetzt“, heißt es aus der Zentrale in Saarbrücken. Wenn eine Person weniger als 50 Quadratmeter Fläche zur Verfügung habe, dann werde der Kundenstrom reglementiert. „Das ist bisher an keinem Standort vorgekommen“, sagt die Sprecherin.

In Saarburg freut man sich nach Auskunft der Vorsitzenden des Gewerbeverbands, Janine Russo, darauf, dass die Luxemburger wieder kommen. Ein stückweit setzt sie auf die Kunden aus dem Großherzogtum, da es derzeit eher ruhig in den Geschäften zugehe.

Mehr als nur ruhig ist es an Tankstellen in Luxemburg zugegangen. Nach Auskunft der luxemburgischen Tankstellenvereinigung ging der Verkauf von Treibstoff zeitweise um 90 Prozent zurück. Laut „Groupement pétrolier luxembourgeois“ wird wegen der Corona-Pandemie ein Verlust von bis zu 330 Millionen Euro an Steuereinnahmen befürchtet (der TV berichtete).

Tanken in Luxemburg, einkaufen in Deutschland. Ab sofort ist das ohne Kontrollen möglich – aber selbstverständlich mit mehr Platz als auf unserem Bild, das vor der Corona-Pandemie entstanden ist. Foto: TV/Roland Morgen

Mit dem Ende der Zwangspause im Baubereich hat sich die Lage etwas entspannt. Doch die Umsätze haben noch nicht die alten Umfänge erreicht. Auf TV-Anfrage wollte sich kein Vertreter von Tankstellen in Wasserbillig äußern. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sich trotz eines möglichen Ansturms in den kommenden Tagen die Geschäfte auf niedrigerem Niveau einpendeln. Allein deshalb, da viele Arbeitnehmer im Homeoffice sind.