Panoramaweg Trier-Olewig: Winzer von Nell muss Zaun abbauen

Kostenpflichtiger Inhalt: Winzer muss Zaun abbauen : Panoramaweg Trier-Olewig: Baudezernent schlägt zusätzliche Trasse vor

Winzer Fritz von Nell muss die Absperrung am Olewiger Panoramaweg abbauen. Damit der Streit um die Trasse oberhalb des Tiergartentals langfristig beigelegt werden kann, bringt Triers Baudezernent einen „Königsweg“ ins Spiel.

Wenn man durch Argumente und Fakten zu einer anderen Meinung komme, dann müsse man dazu auch stehen: So begründete Triers Baudezernent Andreas Ludwig bei der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend seinen Sinneswandel. Noch vor vier Wochen hatte sein Dezernat schriftlich erklärt, dass Winzer Fritz von Nell das Recht habe, den Panoramaweg, der oberhalb des Olewiger Tiergartentals über sein Grundstück führt, für die Öffentlichkeit zu sperren. Nachdem Dezernent Ludwig nochmal mit den Olewigern, die unter anderem mit einer Petition gegen diese Sperrung kämpfen, gesprochen und sich selbst vor Ort ein Bild gemacht hat, stehe für ihn allerdings fest: Der Hafer, den der Winzer auf dem Weg ausgesät hat, ist keine schützenswerte landwirtschaftliche Nutzung. Und auch die Strohballen, die von Nell auf dem Zugang zu dem Panoramaweg abgestellt hat, seien keine Landwirtschaft, „sondern offensichtlich eine Barriere“, erklärte Ludwig in der Sitzung.

Die behördliche Anordnung, dass der Weg – von dem man eine spektakuläre Aussicht auf Trier und weit über die Stadtgrenzen hinaus hat – freigegeben werden muss, sei per Post zu von Nell unterwegs (siehe Info). Zur Ausschusssitzung am Dienstagabend war der Winzer eingeladen worden, um persönlich Stellung beziehen zu können. „Herr von Nell ist allerdings verhindert und lässt sich entschuldigen“, erklärte Ludwig die Abwesenheit des Olewigers.

Dass mit der behördlichen Anordnung nun alles geregelt ist und der Winzer ohne Widerstand den Absperrzaun abbaut und den Weg zugänglich macht, bezweifelt Dezernent Ludwig allerdings: „Ich fürchte, die Sache ist damit nicht beendet. Aber wenn es einen Rechtsstreit geben sollte, sind wir überzeugt, dass unsere Rechtsauffassung Bestand haben wird.“

Nicht nur mit einem Bauzaun, auch mit aufgereihten Strohballen hat Winzer Fritz von Nell versucht, Spaziergänger vom Betreten des Panoramawegs oberhalb des Tiergartentals abzuhalten. Mittlerweile steht der Zaun offen, abgebaut - wie von der Stadtverwaltung verlangt - ist er allerdings noch nicht. Foto: Christiane Wolff

Ludwig brachte bei der Sitzung allerdings noch eine Alternative ins Spiel. Mit dem Dienstleistungszentrum ländlicher Raum, das federführend für die Umgestaltung des Geländes im Rahmen der Flurbereinigung zuständig ist, habe er über die Möglichkeit gesprochen, einen zusätzlichen, öffentlichen Weg parallel zum Panoramaweg anzulegen. Diese zusätzliche Trasse müsste dann auf der Kuppe geführt werden, die zwischen dem jetzigen Panoramaweg und der kleinen Asphaltstraße, die in etwa 30 Metern Abstand verläuft, gebaut werden. „Wenn das mit einfachen Mitteln umzusetzen wäre, hätte man von diesem öffentlichen Weg dann die gleiche gute Aussicht wie vom Privatgelände von von Nell – es könnte quasi ein Königsweg sein, um den Konflikt dauerhaft beizulegen“, erklärte Ludwig.

Herbert Jakobs, der in der Sitzung für die Olewiger Bürgerinitative sprach, hielt dagegen: „Ein solcher zusätzlicher Weg würde nicht nur Geld kosten, er wäre auch nur halb so lang wie der jetzige Panoramaweg.“ Denn die Kuppe, auf der der „Königsweg“ verlaufen würde, ende vor Privat- beziehungsweise bebauten Grundstücken, während der weiter unten gelegene Panoramaweg noch mehrere Hundert Meter weiter führe. „Es wäre nicht richtig, einen solchen kurzen Weg mit dem Geld der Trierer Bürger zu bauen, nur weil Herr von Nell es nicht einsieht, dass er gesetzlich dazu verpflichtet ist, den Panoramaweg der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, sagte Jakobs.

Ausschussmitglied Matthias Melchisedech (CDU) wollte von der Stadtverwaltung wissen, wer die Verkehrssicherungspflicht für den Panoramaweg auf dem privaten Grundstück der Winzerfamilie trägt. „Private Wege betritt jeder grundsätzlich auf eigene Gefahr“, erklärte ein Mitarbeiter aus Ludwigs Dezernat.

Lorenz Fischer, langjähriges Mitglied des Olewiger Ortsbeirats und ebenfalls Mitglied der BI, erklärte dazu: „Wir haben ja schon jahrelang versucht, uns mit Herrn von Nell zu einigen und wir sind auch weiterhin gesprächsbereit, um eine gute Lösung zu finden. Zum Beispiel könnte man sich darauf festlegen, dass während der Traubenlese für drei Wochen der Weg nicht von Spaziergängern genutzt wird, damit Herr von Nell ungestört in den Weinbergen arbeiten kann“, schlug Fischer vor. Auch in Sachen Haftungsausschluss gebe es Möglichkeiten: „Über drei Jahre hatte ich für Herrn von Nell eine Haftpflichtversicherung für den Panoramaweg abgeschlossen, was mich pro Jahr 43 Euro gekostet hat – eine überschaubare Summe also.“

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