Römer-Express Trier: SWT erwägen Widerspruch nach Entscheidung des LBM

Kostenpflichtiger Inhalt: Touri-Bahn Trier : Der Römer-Express fährt weiter, aber ...

Überraschung im Wettstreit um die Trierer Touri-Bahn: Der bisherige Betreiber erhält die Konzession für weitere acht Jahre. Die Stadtwerke erwägen, Widerspruch einzulegen.

Die aus seiner Sicht frohe Kunde verbreitete Georg von Kowalkowski am späten Mittwochabend als Pressemitteilung per E-Mail: „Wir haben einen Bescheid des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz erhalten, wonach die Liniengenehmigung für die Trierer Stadtrundfahrten mit Wegebahnen für weitere acht Jahre an die Römer-Express GmbH geht.“

Wenn es dabei bleibt, dann könnte von Kowalkowski Anfang Mai seinen Römer-Express in die 27. Saison schicken. Seit 1994 zuckeln die nostalgisch anmutenden Gefährte in den Stadtfarben gelb und rot an Trierer Sehenswürdigkeiten vorbei. Doch der Bescheid des Landesbetriebs Mobilität (LBM) bedeutet noch keine endgültige Entscheidung. Denn die Stadtwerke Trier (SWT), deren Genehmigungsantrag  für einen „Römerstrom-Express“ abgelehnt wurde,  sehen sich benachteiligt und werden wahrscheinlich Widerspruch einlegen.

Warum, erläutert SWT-Pressesprecher Carsten Grasmück auf TV-Anfrage: „Als ein Punkt für die Entscheidung wird angegeben, dass die SWT-Verkehrs-GmbH den Betrieb ab dem 1. Mai 2020 gar nicht aufnehmen könne. Dies ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar.“ Hintergrund: Die Stadtwerke mussten die Beschaffung von elektrobetriebenen Fahrzeugen erst einmal aussetzen, weil der LBM die im September 2019 bereits erteilte Liniengenehmigung im Rahmen einer mündlichen Verhandlung am 3. Dezember vor dem Verwaltungsgericht Trier wieder zurückgenommen hat. „Aus diesem Grund konnte die Betriebsaufnahme mit den neuen Fahrzeugen zum 1. Mai 2020 nicht mehr zugesichert werden“, so Grasmück. „Diesen und weitere Punkte des Bescheids werden wir rechtlich prüfen lassen und gegebenenfalls innerhalb der Monatsfrist Widerspruch erheben.“

Fest steht bisher nur: Das Tauziehen um die Genehmigung der Trierer Touristenbahn ist um ein Kapitel reicher. Ein Vierteljahrhundert lang war der Römer-Express von Diplom-Ingenieur und Diplom-Kaufmann von Kowalkowski konkurrenzlos. Bis zum vergangenen Frühjahr.

Da wollten auch die Stadtwerke ins lukrative Rundfahrten-Geschäft einsteigen und durften sich zunächst als Sieger fühlen. Der  LBM lehnte von Kowalkowskis Antrag auf Wiedergenehmigung ab. Er erachtete den Römer-Express-Antrag als unvollständig und mithin nicht genehmigungsfähig. Damit blieben die Stadtwerke als einziger Bewerber übrig – und erhielten die Konzession.

Die Antwort des Römer-Express-Betreibers und seines Rechtsanwalts Stefan Schatz: eine Doppel-Klage gegen den LBM, die sich zum einen gegen die Antragsablehnung und zum anderen gegen die Konzessionserteilung an die SWT richtete. Denn auch von den Stadtwerken habe zum Stichtag kein genehmigungsfähiger Antrag vorgelegen.

Schließlich traf man sich vor der 1. Kammer des Verwaltungsgerichts. Dort nahm der LBM die Konzessionserteilung zurück – auf Empfehlung des Vorsitzenden Richters Michael Trésoret. Sein Vorschlag zur Güte: „Heben Sie die Bescheide auf und fangen morgen an zu prüfen, wer das bessere verkehrliche Angebot macht.“ Denn nach der vorläufigen rechtlichen Einschätzung der Kammer spreche durchaus einiges dafür, dass die Entscheidung zugunsten der Stadtwerke aus formalen Gründen fehlerhaft sei.

Alles stand wieder auf Anfang – bis zur neuerlichen Entscheidung zugunsten von Kowalkowskis. Der war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. In der am Vorabend verschicken Pressemitteilung hat er aber deutliche Verbesserungen gegenüber dem bisherigen Römer-Express-Angebot angekündigt.

Nach der seit September 2019 eingesetzten elektrischen Wegebahn würden derzeit zwei weitere seiner Fahrzeuge „von Diesel- auf Elektroantrieb umgerüstet, so dass in Trier nur noch Elektrobahnen unterwegs sind“.

Ab dem 1. Mai gelte ein  neuer Fahrplan mit Abfahrt zu jeder vollen und halben Stunde ab Porta Nigra. Die genehmigte Route beinhalte „zwei weitere Haltestellen, die wir bereits 2014 beantragt hatten. Am Amphitheater und an den Kaiserthermen ist im Hop-on-hop-off-Verfahren ein Zu- oder Ausstieg möglich.“

Den immer wieder kritisierten leiernden und oft an unpassender Stelle abgespielten Bandansagen will von Kowalkowski so abhelfen: „Wir installieren ein GPS-gesteuertes, mehrsprachiges Simultan-Ansagesystem auf Funkbasis in unsere Elektrobahnen. Gerne integrieren wir ausgewählte Ansagetexte und Übersetzungen der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) in dieses Audiosystem.“