Thorsten Wollscheid will Vorsitzender der CDU Trier werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Kommunalpolitik : Jüngster CDU-Stadtrat will Trierer Parteichef werden

Thorsten Wollscheid (32) kandidiert bei der Wahl am 27. September. Ein möglicher Konkurrent winkt hingegen ab.

Die Überraschungs-Botschaft kam per E-Mail: „Nach 16 Jahren Mitgliedschaft in der CDU, davon acht Jahre im Vorstand, habe ich mich entschieden, Verantwortung zu übernehmen und mich für das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung zu stellen“, schreibt Thorsten Wollscheid an die Funktionsträger der CDU Trier. Er ist der erste, der vor dem Kreisparteitag am 27. September seinen Hut in den Ring wirft.

Wollscheid – eine für Trierer CDU-Verhältnisse spannende Personalie. Mit 32 Jahren ist er nicht nur der Jüngste in der Stadtratsfraktion seiner Partei, bei einer Wahl wäre er auch deren jüngster Vorsitzender. Ein Youngster an der Spitze der Union, die bei der jüngsten Kommunalwahl erheblich Federn lassen musste. Sieben Sitze verloren, nur noch 13 Mandate im 56-köpfigen Stadtrat. Und erstmals nur noch die Nummer zwei – hinter den Grünen.

Genau da liege seine Motivation: „So wie wir aufgetreten sind, sehen wir ziemlich alt aus“, sagt er im Gespräch mit dem TV. „Die Gesellschaft hat sich gewandelt, also muss eine Volkspartei sich mitwandeln.“

Dazu wolle er auf lokaler Ebene beitragen, sprich; „Verantwortung übernehmen“. Eine Entscheidung, die erst einmal reifen musste. Seit der Ankündigung von Parteichef Maximilian Monzel (47) Ende Mai, nicht zur Wiederwahl anzutreten, habe er sich Gedanken gemacht. Und schließlich in Absprache mit seiner Frau Isabell Reiser-Wollscheid (33) beschlossen: „Ich trete an.“

Wollscheid, kurz vor dem Bachelor-Abschluss stehender Wirtschaftsmathematik-Student an der Uni Trier (aus familiären Gründen hatte er das Studium für mehrere Jahre unterbrochen), traut sich den Job nicht nur vom zeitlichen Aufwand her zu: „Ich bin der Überzeugung, dass ich die verschiedenen Strömungen unserer Partei einen und zur notwendigen Erneuerung beitragen kann.“

Die CDU Trier brauche „einen Neuanfang. Homepage, Social Media, Pressearbeit, Mitgliederkommunikation müssen neu aufgestellt werden“, erklärt der aus der Südstadt stammende Wahl-Mariahofer. Und: „Wir müssen geeignete Formen finden, bei denen unsere 850 Trierer Parteimitglieder mitbestimmen und konkrete politische Arbeit machen können, statt Thesenpapiere für die Schublade zu schreiben.“

An mangelnder Bekanntheit sollte eine Wahl nicht scheitern: „Ich bin mein halbes Leben lang in der Union. Wer aktiv bei uns mitmacht, der müsste mich schon mal gesehen haben.“ So hat er als Partei-Vize elf der 19 CDU-Aufstellungsversammlungen für die Ortsbeiräte geleitet.

Wollscheid, nebenher Fußball-Schiedsrichter und am Sonntag wieder bei einem C-Liga-Spiel im Einsatz, ist der bislang einzige Kandidat. Weitere können sich noch bis zum Parteitag melden. Der in der Gerüchteküche hoch gehandelte Thomas Albrecht winkt auf TV-Anfrage ab: „Ich habe keine Ambitionen und ohnehin schon Jobs genug“, sagt der 63-jährige Oberstaatsanwalt, der im Frühjahr den Landesvorsitz im Deutschen Richterbund übernommen hat. Im Mai hatte Albrecht noch signalisiert, seiner Partei zur Verfügung zu stehen, „in welcher Position auch immer sie es wünscht“.

Der Noch-Vorsitzende Maximilian Monzel begrüßt Wollscheids Kandidatur: „Ich finde das gut und freue mich, dass Thorsten bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Er weiß, welcher Aufwand damit einhergeht, denn er hat mich in meiner Amtszeit stark unterstützt.“

Beim umstrittenen Baugebiet Mariahof gehört der Mariahofer Wollscheid allerdings zu den drei Abweichlern in der CDU-Fraktion, die für den Stopp der dort geplanten Baulandentwicklung stimmten und sich damit gegen den eigenen Fraktionsvorsitzenden Udo Köhler und Parteichef Monzel stellten.

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