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Infrastruktur
Wohin bloß mit all den Trierer Millionen?

 Um die Platzprobleme des Trierer Humboldt-Gymnasiums zu lösen, plant die Stadt einen Anbau auf dem Augustinerhof.
Um die Platzprobleme des Trierer Humboldt-Gymnasiums zu lösen, plant die Stadt einen Anbau auf dem Augustinerhof. FOTO: TV / Schramm, Johannes
Trier. Um Zuschüsse des Bundes für Investitionen in Schulbauten voll ausschöpfen zu können, plant die Stadt Trier kurzfristig neue Projekte – unter anderem einen millionenschweren Anbau ans Humboldt-Gymnasium. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

13,65 Millionen Euro: So viel Geld steht für Trier in einem Fördertopf des Bundes bereit für die Sanierung und den Bau von Schulen. 8,5 Millionen Euro davon sollten nach Plänen von Stadtvorstand und Stadtrat in den Neubau der Wolfsberghalle fließen. Doch daraus wird nichts. In der geplanten Dimension – die Stadt will für den Bau des Sporttempels 10,5 Millionen Euro ausgeben – sei die Halle viel zu groß, um als Schulturnhalle voll gefördert werden zu können, hatte das Mainzer Bildungsministerium, zuständig für die Verteilung der Schulbaumillionen an die Kommunen, entschieden. Selbst für eine große Schulsporthalle seien maximal 2,9 Millionen Euro Förderung möglich, teilte das Bildungsministerium auf TV-Anfrage mit.

2,9 statt 8,5 Millionen Euro – dazwischen liegen 5,6 Millionen aus dem Zuschusstopf, die nun anders verwendet werden können. Verfallen lassen will die Stadt die finanzielle Unterstützung schließlich nicht.

Die Wolfsberghalle ist allerdings nicht das einzige Projekt, bei dem neu kalkuliert werden muss. Denn auch für die Sanierung der Egbert-Grundschule im Gartenfeld hat die Stadt einen wesentlich höheren Zuschuss eingeplant (2,6 Millionen Euro), als tatsächlich fließen wird (1,6 Millionen). Unter anderem, weil die Holzpavillons, die seit Jahren auf dem Schulhof stehen, nie behördlich genehmigt wurden und ihr Ersatz daher nach den gesetzlichen Vorgaben nicht förderfähig ist, fällt der Zuschuss um eine Million geringer aus, als von der Stadt geplant.

5,6 Millionen Euro Zuschuss, die für die Wolfsberghalle eingeplant waren, aber nicht fließen, und eine Million Euro aus der Egbert-Fehlkalkulation: Insgesamt können 6,6 Millionen Euro aus dem Zuschusstopf neu verplant werden. Die Zeit drängt dabei: Laut Vorgaben des Zuschussprogramms müssen die geförderten Projekte spätestens Ende 2022 fertig gebaut sein.

Die Trierer Stadtverwaltung wartet mit einer großen Überraschung auf: Das Humboldt-Gymnasium Trier (HGT) soll um einen neuen, großen Anbau erweitert werden, der sich auf den angrenzenden Augustinerhof erstrecken soll.

Platzprobleme hat das HGT schon lange. Seit Jahren sind Klassen ausgelagert in die ehemalige Robert-Schuman-Realschule in der Kaiserstraße. Bislang war allerdings geplant – und vom Stadtrat beschlossen –, den alten Schulbau im Alleenring für den auf zwei Standorte verteilten (dislozierten) Schulbetrieb zu sanieren. Laut einem gemeinsamen Papier von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Schuldezernentin Elvira Garbes und Baudezernent Andreas Ludwig sei ein neuer Anbau ans HGT allerdings wirtschaftlicher als die auf gut 6,5 Millionen Euro geschätzte Sanierung der ansonsten leerstehenden Ex-Realschule. Außerdem könne das Schulgebäude in der Kaiserstraße nach dem Rückzug der HGT-Klassen an den Augustinerhof verkauft werden.

Weil der HGT-Schulhof ohnehin schon äußerst knapp bemessen ist, darf dieser durch einen Anbau an das markante gelbe Schulgebäude nicht weiter eingeschränkt werden. Der Anbau soll sich daher auf die Parkfläche des Augustinerhofs erstrecken, die an Werktagen tagsüber für Mitarbeiter der Stadtverwaltung reserviert ist, abends allerdings für alle freigegeben ist. Ein ausreichend großer Anbau an das HGT-Gebäude in massiver Bauweise würde laut Stadtverwaltung rund 7,8 Millionen Euro kosten. Würde der Anbau als Holztafelbau errichtet, würden sich die Baukosten laut Stadtverwaltung auf gut 4,9 Millionen Euro belaufen. Die „grundsätzliche Fördermöglichkeit“ nach den Richtlinien der Schulbauförderung und aus den Mitteln des Schulbautopfes des Bundes sei mit der Schulbehörde, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), bereits abgesprochen, heißt es in dem Papier des Stadtvorstandes.

Aber selbst wenn der HGT-Bau kommt und die Zuschüsse dafür fließen, ist noch Geld übrig aus dem großen Fördertopf.

Davon soll die alte Sporthalle der Grundschule Matthias in Trier-Süd durch einen Neubau ersetzt werden. Die Stadt rechnet dafür mit Baukosten von rund zwei Millionen Euro und einem Zuschuss von gut 1,1 Millionen Euro.

Letztes nachnominiertes Projekt: Die alte Turnhalle, die gemeinsam vom Auguste-Viktoria- und vom Max-Planck-Gymnasium genutzt wird, soll saniert werden. Die Fassade ist so marode, dass sie in den nächsten Wochen durch Verdübelungen gesichert werden soll, erläutert die Stadtverwaltung.

Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 17. April zustimmen, den Anbau des Humboldt-Gymnasiums, den Neubau der Matthias-Turnhalle und die Sanierung der alten AVG/MPG-Halle nachträglich für Zuschüsse aus dem Schulbauprogramm des Bundes anzumelden.