Wie sich der CDU-Abgeordnete Michael Billen vom Mainzer Landtag verabschiedet

Kostenpflichtiger Inhalt: Mandatsrückgabe nach 24 Jahren : Wie sich der CDU-Abgeordnete Michael Billen vom Mainzer Landtag verabschiedet

Quer durch alle Parteien wird der Rückzug des CDU-Politikers Michael Billen bedauert. Er selbst kommentiert das Ganze in gewohnter Manier.

Mit seiner Rückzugsankündigung hat der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen für die regionalpolitische Schlagzeile des Wochenendes gesorgt. Fast auf den Tag genau 24 Jahre nach seiner ersten Sitzung will sich der 64-Jährige am 18. Mai aus dem Mainzer Landtag verabschieden. „Es war eine schöne Zeit, und es hat mir Spaß gemacht, 24 Jahre für die Eifel im Landtag Lobbyarbeit zu machen“, zog Billen am Sonntag schon mal ein kleines vorzeitiges Fazit.

Der Kaschenbacher Landwirt hatte sich mit dem traditionellen Neujahrsempfang der Eifelkreis-CDU für die Ankündigung eine besondere Gelegenheit ausgesucht: Wegen der Gastrednerin Annegret Kramp-Karrenbauer platzte der Saal im Bitburger Hotel Eifelbräu an diesem Nachmittag aus allen Nähten. Nur eine kleine Schar Getreuer wusste im Vorfeld Bescheid. Billens designierter Nachfolger Michael Ludwig wurde kurz vor dem Jahreswechsel über die Rückzugspläne des Kaschenbachers informiert.

Beim Neujahrsempfang seiner Kreis-CDU ließ sich der Kaschenbacher Landwirt bis kurz vor Ende Zeit, um vor dem gemeinsamen Singen der Hymne das Bömbchen platzen zu lassen. Erst drückte er AKK noch werbewirksam eine Holzkiste selbstgemachten Bill-Gins in die Hand („Ist gut gegen Malaria“), stieß mit AKK noch ebenso werbewirksam mit einem Glas Bit an und  danke allen Helfern für die Organisation des Neujahrsempfangs, bevor Billen „die erste Überraschung des Jahres“ ankündigte.

Einen Raunen ging durch den Saal, nachdem der 64-Jährige von seinen bevorstehenden „letzten Arbeitstag in Mainz“ berichtet hatte, auch wenn viele Anwesende insgeheim erwartet haben dürften, dass ihr langjähriger und zuletzt gesundheitlich etwas angeschlagener Vordermann irgendwann mal einem Jüngeren das Feld überlassen dürfte.

Der Zeitpunkt war günstig: In ganz Rheinland-Pfalz laufen jetzt langsam die Nominierungsverfahren für die Landtagswahl im kommenden Jahr an.  Mehrere von Billens altgedienten Kollegen haben bereits erklärt, nicht erneut zu kandidieren. Hätte Billen weitergemacht, wäre auch unter den Christdemokraten im Eifelkreis das Murren lauter geworden. Zudem hat der Kaschenbacher bei der Landtagswahl 2016 das Direktmandat erstmals verloren– an seinen 30 Jahre jüngeren SPD-Kontrahenten Nico Steinbach. Die Gefahr, dass sich dies 2021 wiederholen könnte, wollte der Eifel-Rebell wohl nicht eingehen.

Für den angekündigten Teil-Rückzug eines politischen Urgesteins gab es am Montag dann auch viel Lob von allen Seiten. CDU-Landesvorsitzende, mit der Billen in der Vergangenheit so manchen innerparteilichen Strauß ausgefochten hatte, lobte den Parlamentarier als „authentischen Typ mit Ecken und Kanten“. Mit ihm verliere der Landtag einen streitbaren, bodenständigen und heimatverbundenen Politiker. „Dass er seinen Abgang selbst wählt zu diesem Zeitpunkt und dass er Platz für Jüngere macht, verdient Respekt“, sagte Klöckner.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Marco Weber sagt, er werde die parlamentarischen Debatten mit Michael Billen vermissen. Ähnlich äußert sich auch die Grüne Jutta Blatzheim-Roegler: Billen habe stimmgewaltig wesentlich dazu beigetragen, dass viele Plenarsitzungen nicht langweilig geworden seien.

Der SPD-Politiker Nico Steinbach wünscht seinem Wahlkreis-Kontrahenten eine gute Gesundheit und einen weiteren konstruktiven Wettbewerb in der Kommunalpolitik. Und AfD-Landeschef Michael Frisch verweist neben der „hohen fachlichen Kompetenz“ Billens auf die geradlinige und mitunter hemdsärmelige Art „einer besonderen Persönlichkeit, wie man sie heute in den Parlamenten nur noch selten findet“.

Wer den so Gelobten am Montag selbst nach den Reaktionen auf seine Rückzugsankündigung fragte, bekam eine typische Billen-Antwort: Die meisten hätten’s wirklich bedauert, aber ein paar Scheinheilige seien auch darunter gewesen.

Dass ihm die Ankündigung während des Neujahrsempfangs am Vortag nicht mit der gewohnten Leichtigkeit über die Lippen ging, war dem 64-Jährigen anzumerken: Billens Stimme stockte ein wenig,  die Augen wurden feucht.Fast im gleichen Augenblick hatte sich der von der FAZ einst als Billen the kid bezeichnete Eifeler aber schon wieder gefangen: „Danach habe ich viel Bier getrunken und bin ins Bett.“