Katharina Steinruck nach Silvesterlauf-Sieg: „Unwirklich, aber geil“

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Katharina Steinruck gewinnt als 13. Deutsche den Frauen-Elitelauf. Vor dem Olympia-Marathon will die Tochter von Katrin Dörre-Heinig und Wolfgang Heinig in Osaka 42,195 Kilometer laufen.

Katharina Steinruck ist aus dem Schatten ihrer erfolgreichen Mutter getreten. Eigentlich schon längst. Auch schon bevor sie vor knapp einem Jahr Robert Steinruck geheiratet hatte und noch Heinig hieß. Aber der Vergleich mit der Olympia-Dritten von 1988, Katrin Dörre-Heinig, verfolgte die Tochter von Kindesbeinen an. Natürlich stolz auf ihre Mutter als die erfolgreichste deutsche Marathonläuferin überhaupt, die heute Bundestrainerin für die längste olympiasche Laufstrecke ist, war das für Katharina Steinruck aber auch ermüdend.

Jetzt hat sie etwas geschafft, was Katrin Dörre-Heinig verwehrt blieb: der Sieg beim Trierer Silvesterlauf. „Es war irgendwie unwirklich als Erste durchs Ziel zu laufen. Aber auch geil“, erzählt Steinruck. Die 30-Jährige ist schon oft in Trier gelaufen. Schon als Jugendliche. „Ich war schon mal nicht unter den besten Zehn. Dann mal Sechste, mal Vierte, aber ich stand noch nie auf dem Podest.“

Die Felder im Sparkassen-Elitelauf der Frauen über fünf Kilometer seien immer so stark besetzt, dass es einfach schwer ist, in die Spitze reinzulaufen. Doch vorgenommen hatte sich Steinruck nach einer traumhaften Saison 2019 schon. Auf allen Langstrecken lief die kurz vor der Wiedervereinigung in Leipzig geborene Leichtathletin persönliche Bestzeiten: 32:39 Minuten über zehn Kilometer, 1:12:23 Stunden über 21,1 Kilometer und 2:27:26 Stunden auf der vollen Marathondistanz. Mit dieser Ende Oktober in Frankfurt erzielten Zeit erfüllte Steinruck die internationale Norm für die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Jahr (2:29:30 Stunden). Dass sie die 42,195 Kilometer gut verkraftet hat, bewies sie kurz vor Weihnachten beim Adventslauf in Zell an der Mosel, als sie auf der schweren Fünf-Kilometer-Strecke in 16:39 Minuten siegte.

Steinrucks Devise beim Silvesterlauf: Mitlaufen und sehen, was passiert. „Man weiß nie, wie sind die anderen drauf und was bei den Afrikanerinnen machbar ist“, erklärt sie. Aber diesmal drückte keine Läuferin von Anfang an unbarmherzig aufs Tempo. „Die erste Runde war relativ gemütlich“, sagt Steinruck. Als sie auf der Zielgeraden den Kontakt zu Vorjahresgewinnerin Elena Burkard halten konnte, wusste sie: „Ich kann spurten!“

Eine Marathonläuferin, die Mittelstrecklerinnen wie Elena Burkard ein Endspurt Paroli bieten kann? „Das liegt an den Genen. Mein Vater war ja Sprinter“, erklärt Steinruck lachend die sportliche Vita von Wolfgang Heinig. Dieser lief 100 Meter in 10,8 Sekunden lief und war DDR-Meister mit der 4 x 100-Meter-Staffel. Für die Tochter gehörten Sprints auch zur Marathonvorbereitung. „Ich trainiere in den Grundlagen genauso Reaktion, Starts und Abläufe. Das gehört zum normalen Training dazu. Auch ein Marathon kann ja im Endspurt entschieden weren. Da möchte ich diejenige sein, die spurten kann“, sagt Steinruck.

Impressionen vom Silvesterlauf 2019

Das könnte schon Ende Januar sein. Im japanischen Osaka will sie ihren nächsten Marathon bestreiten. Damit tritt Katharina Steinruck wieder in die Fußstapfen ihrer Mutter. Katrin Dörre-Heinig konnte das renommierte Frauenrennen bei den marathonverrückten Asiaten viermal (1984, 1991, 1996, 1997) gewinnen. So oft wie keine andere Läuferin.