Silvesterlauf: Warum Rekordsieger Moses Kipsiro so eng mit Trier verbunden ist

Kostenpflichtiger Inhalt: Silvesterlauf : Rekordsieger Kipsiro reist für Silvesterlauf 6000 Kilometer – von Trier nach Trier

Moses Kipsiro aus Uganda feiert anlässlich des 30. Jubiläums sein Comeback beim Trierer Silvesterlauf. Erstmals nach fünf Jahren kehrt er in die Stadt zurück, die für den 33-Jährigen eine ganz besondere Bedeutung hat.

Wenn Moses Kipsiro vor die Tür geht, sieht er vor sich das weitläufige Berggebiet des Mount Elgon, ein erloschener Vulkan an der Grenze zwischen seinem Heimatland Uganda und Kenia. Und das bei aktuell angenehmen Temperaturen von 25 Grad. In wenigen Wochen muss der 33-jährige Leichtathlet auf die Zähne beißen – dann geht’s für ihn ins kalte Deutschland. Kipsiro plant einen Start beim 30. Trierer Silvesterlauf – nach fünf Jahren Abstinenz kehrt er an die Mosel zurück.

In Trier erlebte Kipsiro im Jahr 2005 erstmals in seinem Leben den Winter. 2006 holte ihn Jan Fitschen vom Flughafen ab: „Er hat entsetzt auf das Wetter draußen geschaut. Auch bei 30 Grad im Auto hat er die dicke Daunenjacke nicht ausgezogen“, erinnert sich der Ex-Europameister.

Bei den Läufen durch die Trierer Innenstadt hatte sich Kipsiro dann stets akklimatisiert. Es wurde eine Erfolgsgeschichte. Fünf Mal ging er zwischen 2005 und 2014 beim Silvesterlauf an den Start – fünfmal gewann er den Wettbewerb der Asse.

Kein Wunder, dass Kipsiro die Stadt Trier in sein Herz geschlossen hat – trotz des fiesen deutschen Winters. „Ich liebe diese alte Stadt. Ich vergesse nie, wie ich 2005 das erste Mal dort war“, sagt der WM-Dritte von 2007 über 5000 Meter, als der TV ihn nach Anlaufschwierigkeiten dieser Tage im Osten Ugandas erreichte.

Foto: TV

Seine Vorfreude auf die Rückkehr ist groß: „Es wird großartig sein, zurückzukommen. Ich werde hoffentlich viel Spaß haben.“

Kipsiro lebt unweit der Grenze nach Kenia. Er pendelt dort zwischen den Orten Kapchorwa, wo er hauptsächlich trainiert, und Bukwa, wo er mit seiner Familie und ein paar Athleten auf einer Farm lebt. Sie ist umgerechnet etwa fünfeinhalb Fußballfelder groß, angebaut werden dort vornehmlich Mais und Bohnen. Kipsiro hat die Farm aus Liebe zur ältesten Stadt Deutschlands „Trier“ getauft.

Also geht’s für den Crosslauf-Vizeweltmeister von 2009 am 29. Dezember für eine Woche von Trier nach Trier – Luftlinie 6000 Kilometer. Mit dabei: Seine Frau Binna Chebet, die erstmals nach Europa reisen wird und mit der er seit zehn Jahren verheiratet ist. „Sie ist schon sehr aufgeregt“, berichtet Kipsiro.

Kann es für ihn zum sechsten Sieg reichen, wenn es wie erhofft mit einem Start klappt? Kipsiro mischt nicht mehr in der Spitze der Welt-Leichtathletik mit. Der dreimalige Commonwealth-Sieger über 5000 Meter beziehungsweise 10 000 Meter in den Jahren 2010 und 2014 war in der Vergangenheit von mehreren Verletzungen geplagt, seit 2015 legt er den Fokus auf den Marathon.

„Ich bin in den letzten zwei Jahren kein 5000-Meter-Rennen mehr gelaufen. Ich weiß gar nicht, wie schnell ich auf dieser Distanz derzeit wäre“, sagt Kipsiro, der seine Top-Zeit in Trier im acht Kilometer langen Asse-Lauf noch im Kopf hat. 22:27 Minuten brauchte er bei seinem Sieg im Jahr 2006. „Auch nur in die Nähe dieser Zeit zu kommen, dürfte für mich sehr hart werden. Mit fehlt die Geschwindigkeit“, sagt Kipsiro, der auch über den Tellerrand hi­nausschaut. Etwa 2014, als er sich mit dem ugandischen Leichtathletikverband anlegte, weil er Partei für mehrere Läuferinnen ergriffen hatte, die einem Trainer des nationalen Verbandes sexuelle Belästigung vorwarfen.

Unter Athletenkollegen wird Kipsiro gerne als „Priester“ bezeichnet. „Sie kennen mich seit meiner Kindheit als religiösen Menschen und wissen, dass ich die Wahrheit sage“, liefert Kipsiro als Erklärung.

Aktuell muss er sich aber um irdische Dinge kümmern. Neue warme Klamotten müssen her, um für den deutschen Winter gewappnet zu sein.

30 Jahre Silvesterlauf in Trier: Am 31. Dezember wird groß gefeiert. In einer Serie blicken wir in den nächsten Wochen zurück und liefern täglich Anekdoten aus der Historie des Silvesterlaufs, der als das „deutsche São Paulo“ bezeichnet wird.

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