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Marco van den Berg und Katarina Barley über ihre Liebe

Kostenpflichtiger Inhalt: Leute : „Und es hat bing gemacht“ – Katarina Barley und Marco van den Berg sprechen über ihre Beziehung

Von einer Karnevalssitzung mit Folgen, Sehnsuchtsattacken, Gerhard Schröder und einem Philosophen:  Die Schweicher EU-Parlaments-Vizepräsidentin Katarina Barley und der frühere Trierer Basketballcoach Marco van den Berg über ihre Beziehung.

 Nicht auszudenken, wenn seine Spieler ihn damals in diesem Moment gesehen hätten. Wie er dort unter diesem Seitenfester des Kulturzentrums in Mehring stand. Sich reckte, sich streckte, sich am Fenstersims hochzog, nur um irgendwie einen Blick in den Saal auf Katarina Barley zu erhaschen. Seine Spieler, die Profis von Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier, sie hätten sich vor Lachen wahrscheinlich die Bäuche gehalten. Ihr Cheftrainer, der Mann, der für Disziplin, für Härte, für den unbedingten Siegeswillen steht, der schlich da wie ein kleiner Junge vor diesem Fenster auf und ab.

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„Friedrich Nietzsche sagte einst: ,Die Wüste wächst und wächst…‘, aber bei Katarina und mir ist das anders. Bei uns gilt: Die Liebe wächst und wächst.“ (Marco van den Berg)

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Sie haben vor dem Interviewtermin via WhatsApp schon ausgerichtet: Wird ein paar Minuten später, viel Verkehr, schwierig einen Parkplatz zu finden, so schrieben es Marco van den Berg und Katarina Barley. Ganz normaler Samstagvormittag eben kurz vor Silvester in Trier.

Bleibt ein wenig Zeit für einen Blick zurück: „Ja, es stimmt, wir sind ein Paar“ – eineinhalb Jahre ist es her, dass Katarina Barley dies dem Trierischen Volksfreund bestätigte. Die Spatzen, sie hatten es in den Wochen zuvor schon von den Trierer Dächern gepfiffen: Barley, die frühere Bundesjustiz- und -familienministerin und derzeitige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, und Marco van den Berg, der ehemalige Cheftrainer von Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier. Die zwei, so pfiffen die Spatzen, die seien ein Paar. Während der Niederländer damals offiziell noch nichts zu diesem Thema sagen wollte, bestätigte Barley die Liaison Ende Juli 2018 – allerdings mit dem Zusatz: „Ich bitte um Verständnis, dass alles Weitere privat ist.“

Eineinhalb Jahre später, rund um den Jahreswechsel 2019/2020, verbringen beide ein paar Tage in Barleys Wahlheimatort Schweich. Auf dem Programm stehen: mit der Familie ausspannen, Freunde treffen, am Trierer Silvesterlauf teilnehmen – und ein Interview mit dem Volksfreund. Denn 17 Monate nach dem „Love, Love, Love“-Artikel über den Beginn ihrer Liebe sind beide nun bereit, mehr von ihrem gemeinsamen Leben zu erzählen.

Zum Gespräch in einem Café in der Trierer Innenstadt kommen beide Hand in Hand. „Sorry für die Verspätung“, sind van den Bergs erste Worte.

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„In Sachen Privates preisgeben, war Marco von Beginn an anders als ich. Er sagte: ,Von mir kann jeder alles wissen’. Das ist bei mir anders. Ich halte meine Kinder größtenteils aus der Öffentlichkeit raus. Beim letzten Bundespresseball war mein jüngerer Sohn mal dabei. Auch mit meinen Ex-Partnern war ich da zurückhaltender. Mit Marco ist das anders. Es passt einfach.“ (Katarina Barley)
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Katarina Barley und Marco van Berg mit Ex-Fußballstar Günther Netzer. Foto: privat

Dass er und Katarina Barley heute ein Paar sind, erzählt Marco van den Berg, nachdem er sich einen Tee bestellt hat, das hätten sie einem gemeinsamen Freund zu verdanken. „Er hat uns zusammengeführt“, berichtet der 54-Jährige. Bereits seit Längerem habe dieser den Plan gehabt, die beiden einander vorzustellen. Und bei der Kappensitzung des KV Trier-Ruwer sei es ihm schließlich auch gelungen.

Van den Berg erinnert sich: „Unser Kumpel hatte uns beide eingeladen, zur Sitzung zu kommen.“ Er – damals in seiner dritten Saison als Cheftrainer für die Gladiators Trier aktiv – habe die Einladung „natürlich“ angenommen und sei hingefahren.  „Den Platz neben mir hatte unser Kumpel für Katarina reserviert. Er sagte allen, die sich neben mich setzen wollten, es sei mit Katarinas Sicherheitspersonal abgesprochen, dass sie unbedingt neben mir sitzen müsse“, erzählt der Niederländer lachend.

Und als die damalige Familienministerin schließlich im Saal eintraf, nahm sie dann auch wie geplant neben dem Basketballcoach Platz. „Es hat bei mir direkt bing gemacht“, gesteht van den Berg. „Wir haben die ganze Zeit miteinander gesprochen und nichts von der Sitzung mitbekommen. Ich glaube die Ruwerer Karnevalisten sind uns heute noch böse deswegen.“

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„Eine Fernbeziehung ist anstrengend. Es wäre schön, wenn Katarina und ich in Zukunft ohne Distanz zusammenleben könnten. Egal ob in Brüssel, Amsterdam, Schweich oder sonst wo.“ (Marco van den Berg)

Die Kanzlerin, so sagt Marco van den Berg, sie sei „sehr bodenständig und ehrlich“. Foto: privat

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Brüssel, Amsterdam, Schweich: Das sind die Koordinaten der Fernbeziehung Marco van den Bergs und Katarina Barleys. Während sie die meiste Zeit der Woche über in Brüssel lebt, wo auch ihr jüngster Sohn zur Schule geht, arbeitet er in Amsterdam. Dort leitet er die Nachwuchsakademie des niederländischen Basketballverbands.

Ihre Wochenenden planen die beiden lange im Voraus. „Aber es gelingt uns, fast jedes Wochenende zusammen zu sein“, erzählt van den Berg. Wenn’s sein Job ermögliche, dann mache er sich auch unter der Woche mal auf den Weg in die belgische Hauptstadt zu seiner Partnerin. „Das sind genau 208 Kilometer von meinem Arbeitsplatz – oder zwei Stunden und zehn Minuten, wie die Dame im Navigationsgerät immer sagt.“ Es sei aber auch schon vorgekommen, dass er vier Stunden bis zur Stadtgrenze von Brüssel gebraucht habe. „Dann dachte ich, ,endlich geschafft’ – doch dann hat’s noch mal beinahe eine Stunde gedauert, bis ich endlich bei Katarina ankam.“ „Und am nächsten Morgen bist du dann direkt wieder zurück nach Amsterdam“, ergänzt die 51-Jährige.

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Die Karnevalssitzung in Trier-Ruwer neigte sich dem Ende entgegen, als es am Tisch der beiden ans Eingemachte ging. Die gebürtige Kölnerin – sie stammt aus dem linksrheinischen Stadtteil Weiß, machte in Rodenkirchen Abitur – liebt den Karneval, versucht in jeder Session in ihrer Heimatstadt vorbeizuschauen. Barley weiß, worauf es ankommt in der fünften Jahreszeit – gut für ihren Sitznachbarn damals in Ruwer, denn Marco van den Berg hatte mit Karneval bis dahin nichts am Hut.

Gut zwei Jahre später beim Interview im Trierer Café erinnert er sich: „Sie hat mir die wichtigsten Dinge erklärt: Wann man aufstehen muss, dass es ,Helau’ heißt. Außerdem sagte sie: ,Falls du wirklich Interesse am Karneval hast, dann musst du mal mitkommen zur ATK-Gala in Trier’.“

Van den Berg war hin und weg. Natürlich wollte er mal zur ATK-Gala, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer hatte, dass es sich dabei um die große Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval von 1955 handelt. „Ich sagte: ,Klar, das klingt gut, ich bin dabei’.“

Also nahm Barley einen Zettel und schrieb ihre Handynummer darauf. Als die Veranstaltung am späten Nachmittag zu Ende ging, setzte sich der Basketballcoach ins Auto und machte sich auf den Weg in seinen damaligen Wohnort Naurath im Hochwald. Doch etwas fehlte: der Zettel mit Barleys Handynummer! Das Stück Papier war plötzlich weg, wie van den Berg während der Fahrt erschrocken feststellen musste. „Oh Mann, war ich ein Idiot“, entfährt es dem 54-Jährigen, als er sich daran zurückerinnert. „Das war echt dumm von mir, ich habe mich so geärgert.“ Er schüttelt den Kopf.

„Willst du die Geschichte denn nicht zu Ende erzählen?“, entgegnet Barley lachend. „Ja, klar, doch: Also weil ich wusste, dass Katarina danach auf eine Veranstaltung nach Mehring gefahren ist, meldete ich mich bei einem Freund aus dem Ort. Ich fragte ihn, ob er zur Veranstaltung in der Alten Schule gehe, und Katarina dort eventuell meine Nummer geben könnte.“ Doch der Freund verneinte. Er gehe dort nicht hin, das sei ihm zu steif. „Also bin ich selber nach Mehring zur Alten Schule. Ich habe geparkt und dachte mir: ,Wie machst du das denn jetzt? Du kannst doch nicht einfach reingehen und zu ihr sagen: Hallo, hier ist übrigens meine Nummer’.“

Also lief der frühere niederländische Nationaltrainer außen an der Halle entlang. An einem Fenster hielt er an und spinkste wie eingangs beschrieben von außen hinein. Was er sah, bereitete ihm keine Freude: „Sie saß in der ersten Reihe, es wirkte alles sehr formell – da habe ich mich nicht getraut hineinzulaufen und bin wieder gefahren. Mensch, was habe ich mich geärgert.“

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Rund um Silvester haben Katarina Barley und Marco van den Berg einen Abstecher in die Heimat gemacht. Auf diesem Bild befinden sie sich vor der Porta Nigra. Foto: marek fritzen

„Marco hat diesen eingebauten Shit-Detektor, eine Menschenkenntnis auf den ersten Blick. Manchmal mag ich dem nicht trauen, weil ich denke, man kann nicht auf den ersten Blick wissen, wie jemand ist. Aber es ist schon beeindruckend, da es sich später meistens als wahr herausstellt.“ (Katarina Barley)

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Der Zettel mit der Handynummer blieb verschwunden – was war zu tun? Marco van den Berg machte sich auf in Barleys Schweicher Büro. Doch vor Ort gaben sie ihre Nummer nicht heraus. Als van den Berg weg war, meldete sich einer ihrer Mitarbeiter bei Barley. Sie erinnert sich: „Er erzählte, dass Marco da gewesen sei und nach meiner Nummer gefragt habe. Daraufhin habe ich dann einfach mal in der Gladiators-Geschäftsstelle angerufen und meine Nummer durchgegeben.“

Van den Berg beginnt zu lachen, als er Barleys Worte hört. „Die Jungs und Mädels aus der Geschäftsstelle kamen ganz aufgeregt zu mir und sagten: ,Marco, du glaubst nicht, wer da gerade angerufen hat – Katarina Barley, sie wollte dir ihre Nummer geben.’“

Schon kurz darauf telefonierten beide. Sie vereinbarten, sich auf der ATK-Gala in Trier zu treffen. „Ich bin dann extra los, und habe mir einen neuen Anzug gekauft“, erzählt der Basketballcoach. Doch der Abend verlief enttäuschend. „Es blieb nicht viel Zeit, sich zu unterhalten. Wir haben nur ganz wenige Sätze gewechselt.“ Und in den Tagen danach? Da wurde es zunächst auch nicht besser. Denn: „Sie hat mir“, so berichtet van den Berg im Interview, „sie hat mir erst mal die kalte Schulter gezeigt“. Beinahe habe er die Hoffnung daraufhin bereits aufgegeben, als sie sich dann plötzlich doch noch gemeldet habe. „Wir haben uns zum Joggen auf der Mehringer Finnenbahn verabredet – und von da an nahm das alles seinen Lauf“, berichtet der Niederländer strahlend.

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„Die jetzige Zeit braucht tapfere Politiker, die sich zutrauen, für etwas zu stehen und nicht nur den kurzfristigen Erfolg im Blick haben.“ (Marco van den Berg)

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Einer der ersten größeren öffentlichen Auftritte von Katarina Barley und Marco van den Berg, das war das Treffen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Saarbrücken im Juni 2018. „Ein sehr schöner Tag“, erinnert sich van den Berg mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Ich war der einzige Mann unter so vielen Frauen.“ Seitdem ist das Paar bei vielen öffentlichen Auftritten zu sehen. Ob beim Sportpresseball in Frankfurt, bei der Prinzenproklamation des Kölner Dreigestirns oder bei Empfängen in Brüssel. Auch  während des EU-Wahlkampfs 2019 hat van den Berg seine Lebenspartnerin häufig begleitet. Barley gesteht: „Solch ein Wahlkampf ist so anstrengend und fordernd, manchmal auch belastend. Wenn man dann den Menschen dabei hat, der einen liebt, und der einen am besten kennt, und noch dazu so jemanden wie Marco mit diesem Coaching-Hintergrund, dann ist das riesig.“

Diese Welt, so sagt daraufhin van den Berg, die sei durchaus interessant. Auch wenn ihm bei Bällen und Empfängen nicht immer alles gefalle, es in Gesprächen nur selten in die Tiefe gehe: „In dieser Welt ist halt viel Fake, und Fake mag ich nicht so. Es sind viele Mitläufer dabei, solche Personen, die sich irgendwo reinschieben und sich dann aufblasen. Aber das ist auch ein interessantes soziales Phänomen.“ Daher genieße er die öffentlichen Auftritte mit seiner Partnerin und treffe dort immer wieder auch auf interessante Menschen.

Auf Gerhard Schröder zum Beispiel. Bei einem Empfang habe sich der Ex-Kanzler mit Barleys Sohn über Ferraris unterhalten. „Das fand ich lustig“, gesteht van den Berg. Oder auf Volker Bouffier, den hessischen Ministerpräsidenten, und dessen Frau, mit denen es viel über Basketball zu besprechen gebe, „denn die haben beide für Gießen gespielt, das wusste ich vorher gar nicht“. Und auch Angela Merkel habe er schon getroffen. „Sie ist sehr bodenständig, sehr in sich gelandet, sehr schnell und auch ehrlich“, findet der 54-Jährige.

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„Bei Sehnsuchtsattacken schaue ich  mir manchmal alte Gladiators-Videos an. In einem Video tauchen Marco und ich gemeinsam auf.“ (Katarina Barley)

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Im vergangenen Jahr verbrachten die Politikerin und der Basketballtrainer erstmals einen Patchwork-Urlaub mit Barleys jüngstem Sohn und van den Bergs zwölfjähriger Tochter. Alle zwei Wochen verbringt das Paar ein Wochenende im Haus des Niederländers in Amsterdam.

Ach ja übrigens: Die „Bunte“, so erzählt Katarina Barley noch, sie habe schon angefragt, um sich die Exklusivrechte für eine mögliche Hochzeit zu sichern. „Wir haben aber abgelehnt.“ Mehr gebe es zu diesem Thema momentan ohnehin auch nicht zu sagen, betonen beide. Nur so viel: Die Liebe, sie wächst und wächst und wächst ...