1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Bitburg - zwei Arztpraxen vor dem Ende - Was sollen Patienten tun?

Medizin : Zwei Hausarzt-Praxen in Bitburg vor dem Aus – Versorgung für 3000 Patienten gefährdet

Die Ärztegenossenschaft Medicus betreibt Allgemeinmedizin-Praxen in Bitburg und Binsfeld. Deren Fortbestand steht auf dem Spiel. Erneut gibt es Streit mit der kassenärztlichen Vereinigung. Und es geht um 150.000 Euro.

Die Lage ist ernst. Auf dem Land droht die medizinische Versorgung wegzubrechen. Selbst in der Kreisstadt Bitburg sind aktuell mehr als ein Dutzend Hausarztstellen unbesetzt. Und die große Abgangswelle steht noch bevor.

Im Eifelkreis wird sich bis 2027 nach Prognose der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz mehr als die Hälfte der heute noch rund 50 praktizierenden Hausärzte in den Ruhestand verabschieden. Mit jeder Praxis, die schließt, verschärft sich die Situation.

Einer, der sich seit Jahren dagegen stemmt, ist der Bitburger Allgemeinmediziner Michael Jager. Er hat die Ärztegenossenschaft Medicus gegründet, die 2018 nachzähem Ringen von der kassenärztlichen Vereinigung zugelassen wurde. Heute betreibt die Medicus eG zwei Praxen für Allgemeinmedizin – eine in Bitburg, eine Binsfeld. Zusammen werden an den beiden Standorten mehr als 3000 Patienten behandelt.

Der Blick nach Binsfeld zeigt, wie das Prinzip der Medicus eG funktioniert: Mediziner, die zwar für die Eifel zu gewinnen sind, nicht aber als Landarzt im Rund-um-die-Uhr-Betrieb arbeiten wollen, steigen als Angestellte der Genossenschaft tage- und stundenweise in eine Praxis ein, ohne dabei unternehmerische Verantwortung tragen zu müssen.

So ist gelungen, die Praxis in Binsfeld, die Uwe Reinert aufgebaut hat, nach dessen Wechsel in den Ruhestand weiterzuführen, wenn auch mit eingeschränkten Sprechzeiten. Für die Menschen vor Ort ist das allemal besser, als wenn die Tür ganz zu bliebe.

Nach diesem Prinzip soll auch der Generationenwechsel in der Bitburger Praxis glücken. Denn Jager, auch Vorstand der Medicus eG, will sich mit 69 Jahren so langsam in den Ruhestand verabschieden. Es sah auch ganz so aus, als könnte dies gelingen – bis es erneut nach dem nervenaufreibenden Zulassungsverfahren zu Ärger mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) kam.

Behörde hat die Zulassung verweigert

Im Kern geht es dabei um eine Regressabsicherung, wegen der die Behörde auch die Zulassung verweigert hatte – und 2018 erst nach großem öffentlichen und auch politischen Druck nachgab (der TV berichtete). Zu Regressforderungen könnte es beispielsweise kommen, wenn ein Arzt zu viele teure Heilmittel wie Massagen verschreibt.

Wegen Streitigkeiten um diese Regressabsicherung wiederum hat die KV die Honorare des in Binsfeld praktizierenden Teams für drei Quartale einbehalten, sagt Jager, nach dessen Angaben deshalb rund 150.000 Euro in der Kasse fehlen: „Da ginge jeder andere Betrieb dran kaputt.“

Was den Medicus-Vorstand, der längst auch einen Anwalt eingeschaltet hat, daran so empört, ist, dass die Genossenschaft „zu jeder Zeit in vollem Umfang“ genau eine solche Regressabsicherung bereitgestellt habe. Und zwar für jeden der jeweiligen Kassensitze – also für Binsfeld ebenso wie für Bitburg. Das ergibt aus Sicht von Jager auch mehr Sinn als die Regressabsicherung auf einzelne Ärzte abzustellen, denn diese können ja wechseln.

Nach Rechtsauffassung des Medicus-Anwalts müsste die Kassenärztliche Vereinigung die Honorare zahlen. Das läge im Ermessensspielraum der Behörde, sagt Jager. Immerhin ist die Sicherung der medizinischen Versorgung ja Hauptaufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung.

Aus dem Schriftwechsel zwischen der Medicus eG und der KV aber geht hervor, dass man die Honorarzahlung „zugunsten der Gemeinschaft aller Mitglieder“ verweigert. Für Jager „eine Fehlentscheidung“. Schlimmer aber noch: Für die einbehaltenen Honorare habe die KV keine Rückstellungen gebildet. „Jetzt argumentieren sie, dass eine Auszahlung die Gemeinschaft aller Mitglieder belaste und eben deshalb verwehrt werde“, sagt Jager, der für dieses Verhalten kein Verständnis hat. Er sagt: „Auf unserer Seite entsteht der Eindruck, dass die KV ihre Fehler nicht korrigiert, um der Medicus eG bewusst die wirtschaftliche Basis zu entziehen.“

Fast aussichtslose Lage für die Medicus eG

Für die Medicus eG ein fast aussichtslose Lage. „Wenn wir nicht das Vertrauen unserer Bank hätten, wären wir längst über die Wupper gegangen“, sagt Jager. Angesichts des Ernstes der Lage hat er auch Landtagsabgeordnete um Hilfe gebeten. So habe das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium versucht, ein vermittelndes Gespräch zustande zu bringen. „Doch das“, sagt Jager, „wurde vonseiten des Vorstands der KV abgelehnt.“ Wen überrascht’s?

Jager könnte frustriert aufgeben, doch einen Scherbenhaufen will er nicht hinterlassen: „Ich trage schließlich Verantwortung. Da kann ich doch nicht einfach die Tür zu machen und sagen: Das war’s dann.“ Der Allgemeinmediziner kämpft weiter für die Medicus eG und sucht einen Nachfolger. Um den anfangs zu unterstützen, wäre Jager auch bereit, noch weiter als ursprünglich geplant, an Bord zu bleiben. Sein Ziel: zwei gut laufende Praxen zu übergeben. Dazu gehört auch, dass die KV das Drama um die einbehaltenen Honorarleistungen beendet, das Geld zahlt und damit die wirtschaftliche Basis der Eifeler Ärztegenossenschaft sichert.