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Gesundheit : Kleine Kliniken hängen am Tropf

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Im Saarland schließen Krankenhäuser, was auch in der Region für bange Blicke sorgt. Experten in Rheinland-Pfalz vermissen Investitionen.

Wie sehr die Krankenhauslandschaft in Bewegung ist, zeigt sich derzeit im Saarland. Gleich zwei Klinikträger haben innerhalb weniger Tage bekanntgegeben, Häuser im Nachbarland zu schließen. Die Marienhaus-Gruppe, zu der auch die Kliniken in Bitburg, Gerolstein und Hermeskeil gehören, will im Laufe des kommenden Jahres ihren Standort in Ottweiler dichtmachen. Gestern teilte die cusanus trägergesellschaft trier (ctt) mit, ihre Klinik im saarländischen Lebach im Sommer zu schließen. Zur ctt gehört auch das Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich. Vor zwei Jahren hatte Marienhaus bereits ihr Krankenhaus in Wadern geschlossen. Im Saarland wird nun darüber diskutiert, dort eine neue Klinik, die sogenannte Nordsaarland-Klinik zu bauen. Einen Investor gibt es dafür noch nicht. Heribert Frieling, Sprecher der Marienhaus-Gruppe, macht aber unmissverständlich klar, dass, falls diese Klinik realisiert werde, die beiden Krankenhäuser des Trägers in Losheim und in Hermeskeil geschlossen werden müssten. Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) geht auch davon aus, dass dann das Krankenhaus in Birkenfeld keine Zukunft mehr haben wird.

Dass bei dem Bau einer neuen Klinik im Nordsaarland das Hermeskeiler Krankenhaus schließen müsse, hänge damit zusammen, dass es zu wenig Personal für zwei Kliniken auf so engem Raum gebe, sagt ­Frieling. Hermeskeil und Wadern liegen gerade mal knapp 20 Kilometer auseinander. Marienhaus-Chef Heinz-Jürgen Scheid machte gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“ den Bund für Krankenhausschließungen verantwortlich.  Mit Mindestmengen für Operationen und Behandlungen oder Vorgaben für Anzahl und Qualifikation von Ärzten und Pflegekräften werde es vor allem kleinen Häusern extrem schwer gemacht.  Die Politik wolle ganz bewusst die Zahl der Krankenhäuser reduzieren, zitiert die „Saarbrücker Zeitung“ die Marienhaus-Führung.

Auch die Krankenkassen sehen einen Bedarf, die Krankenhauslandschaft zu ändern. Eine „Neuaufstellung der Krankenhausstrukturen“ sei wichtig, um die zur Verfügung stehenden Mittel „so zielgerichtet wie möglich zu investieren“, sagt Jörn Simon, Landeschef der Techniker Krankenkasse. Was unter einer solchen neuen Struktur zu verstehen ist, erklärt Martin Schneider, Leiter des Landesverbandes der Ersatzkassen. Jedes vierte Krankenhausbett im Land stehe leer  und viele Träger klagten über Defizite. „Es geht daher zukünftig darum, unwirtschaftliche und nicht bedarfsnotwendige Kliniken zu schließen oder in Gesundheitszentren umzuwandeln.“ Die Kassen bieten dem Land an, sich künftig bei der Investitionsförderung zu beteiligen. „im Tausch gegen ein Mitentscheidungsrecht bei der Krankenhausplanung“, wie es Dunja Kleis, Landeschefin der Barmer fordert. Genau wie Simon und Schneider fordert auch sie deutlich mehr Geld vom Land für die Kliniken.

Eine schallende Ohrfeige verpasst die Landeskrankenhausgesellschaft dem Mainzer Gesundheitsministerium für das neue Investitionsprogramm. Dieses biete „keine Perspektive für eine nachhaltige Verbesserung der baulichen Strukturen in den Mitgliedskrankenhäusern“, sagt Geschäftsführer Andreas Wermter. Er verweist auf Baukosten, die seit dem Jahr 2001 um gut 50 Prozent gestiegen seien. 66 Millionen Euro fließen in diesem Jahr an reinen Investitionen in rheinland-pfälzische Kliniken – die Krankenhausgesellschaft verlangt mindestens das Doppelte. Mehr als zehn Millionen Euro gehen in diesem Jahr an Kliniken in der Region: Fünf Millionen Euro schüttet das Land an Bitburg aus, um den Operationstrakt zu erneuern. Vier Millionen Euro bekommt das St. Joseph-Krankenhaus in Prüm, um die OP-Abteilung zu modernisieren.  Die gleiche Summe fließt ans Trierer Brüderkrankenhaus, um den Anbau und die Sanierung der Intensivstation zu verwirklichen.

Ministerin Bätzing-Lichtenthäler wehrte sich gegen Kritik, das Land investiere zu wenig. Kein einziger Klinik-Antrag sei abgelehnt worden. „In den vergangenen Monaten sind viele Kliniken in eine Schieflage geraten, obwohl umfängliche Investitionsmittel des Landes in sie geflossen sind“, sagte die SPD-Politikerin, die den Bund aufforderte, kleinen Kliniken aus dem Tief zu helfen. Sicherstellungszuschläge, wie das Land sie mancher kleinen Klinik bewillige, könnten nicht alleine die Rettung sein, monierte Bätzing-Lichtenthäler, die von einem schwierigen Strukturwandel sprach.

Daran gibt der CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Gensch auch dem SPD-geführten Gesundheitsministerium in Mainz die Schuld, das die Unterfinanzierung der Kliniken verfestige. Gensch: „Die Ministerin hat keine Antwort darauf gegeben, wie sie die Notlage der Krankenhäuser beenden will.“