Relikte des Weltkriegs in Saarburg: Bunker im Gewerbegebiet und Minen auf dem Exerzierplatz

Kostenpflichtiger Inhalt: Relikte des Zweiten Weltkriegs : Bunker und Minen bei Bauarbeiten in Saarburg gefunden

Bei Bauarbeiten sind in Saarburg gleich zwei Relikte des Zweiten Weltkriegs aufgetaucht: ein Bunker im Gewerbegebiet Irscher Straße und Minen auf dem Exerzierplatz im Kasernengelände.

Der Zweite Weltkrieg ist seit fast 75 Jahren beendet. Doch immer wieder werden Bomben bei Bauarbeiten gefunden, die der Kampfmittelräumdienst dann mit mehr oder minder großen Evakuierungsaktionen verbunden beseitigt. Auch in Saarburg sind Bauarbeiter nun auf Kriegsrelikte gestoßen. Allerdings musste nicht im großen Stil zu Evakuierungen aufgerufen werden, weshalb vermutlich wenige Menschen davon mitbekommen haben. In der vergangenen Stadtratssitzung waren die Überbleibsel Thema.

Der Bunker Zum einen ging es um einen Bunker. Der ist im Gewerbegebiet Irscher Straße II gefunden worden. Wegen ihm musste eine Straße umgeplant werden. Die Trasse, die einmal parallel zur B 51 Richtung Trier verlaufen sollte, wird nun mit dem vorgeschriebenen Schutzabstand in einem leichten Bogen um das Bauwerk herumgeführt (siehe Grafik). Wie Nathalie Hartl, Pressesprecherin der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, auf Anfrage mitteilte, wusste die Verwaltung zwar, dass sich in dieser Gegend ein Bunker befindet, aber sie kannte weder seine genaue Lage noch seine Größe. Oberirdisch ist von dem Schutzbau nämlich nichts außer einem kleinen Hügel zu sehen. Hartl: „Die von außen sichtbaren Schießscharten sind gesprengt worden. Unterirdisch ist das Bauwerk angesichts der enormen Wandstärke noch vorhanden.“

Die Decken- und Wanddicke betrage mindestens 1,5 Meter. Durch Schürfungen mit einem Bagger sei untersucht worden, wo die Wände der Ruine verlaufen. Demnach ist der standardisierte Bau rund 25 Meter breit und 17 Meter lang. Laut Hartl ist der Bunker Teil der Westwallbefestigung, die die Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs errichtet hat. Es handele es sich um ein sogenanntes B-Werk, wie es zum Beispiel im Merziger Stadtteil Besseringen besichtigt werden kann.

Lage des Bunkers im Gewerbegebiet Irscher Straße. Foto: TV/VG Saarburg-Kell

Zu dem 630 Kilometer langen militärischen Westwall, mit dem das Nazi-Regime seine Westgrenze schützen wollte, gehörten laut Wikipedia einst mehr als 18 000 Bunker sowie Stollen, Gräben und Panzersperren. Es verlief von Kleve an der niederländischen Grenze in Richtung Süden durch Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Baden-Württemberg bis an die Schweizer Grenze. In Rheinland-Pfalz stehen sämtliche Anlagen des Westwalls unter Denkmalschutz. So auch der Bunker bei Saarburg. Er kann deshalb nicht entfernt werden und soll von Erde bedeckt erhalten werden.

In Saarburg wurde ein solches B-Werk 2016 bereits im Baugebiet Cité Sud gefunden. Damit die Überreste des Bauwerks in der Erde ruhen können, hatte der Saarburger Stadtrat auch dort den Bebauungsplan angepasst. Neben den beiden genannten Bunkern sind der Verwaltung drei weitere bekannt: ein Bunker in der Waldesruh, ein Bunker im Kammerforst und ein weiterer im Industriegebiet Irscher Straße II.

Die Minen Beim zweiten Kriegsrelikt, das in der Stadtratssitzung Thema war,  handelt es sich um Minen auf dem ehemaligen Gelände der Kaserne de Lattre. Im Zusammenhang mit der Kanalerschließung zwischen Edeka und dem geplanten Grünzug auf dem ehemaligen Kasernengelände kam die Frage: „Was ist mit den Munitionsfunden auf dem Exerzierplatz?“ Stadtbürgermeister Jürgen Dixius informierte, dass dort ein Stahlhelm und drei amerikanische Minen gefunden worden seien – allerdings ohne Zünder. Er erinnerte daran, dass die Amerikaner 1945 drei Monate lang in der Kaserne gewesen seien, bevor sie diese an das französische Militär übergeben hätten.

Laut Kampfmittelräumdienst waren die Minen „nicht funktionsfähig“. Dennoch musste in der Folge das Gelände intensiv abgesucht werden  – es hätten ja noch gefährlichere Relikte zu Tage treten können. Mit Hilfe eines Suchgeräts wurde der Boden bis zu 5 Meter Tiefe geprüft. Dixius sagte: „Das Problem war: In den 50er Jahren wurde das Abbruchmaterial in der Regel zusammen mit dem Eisen wieder eingebaut.“ Teilweise habe das Suchgerät alle zwei Meter gepiept. Dann habe das Metall weggeräumt werden müssen. Für das Prozedere, das sich zwei bis drei Wochen hingezogen habe, habe ein Mann mit einer Schippe bereitstehen müssen. Zudem seien ein Bagger und ein Laster im Einsatz gewesen. Die Folge: Das kostet. Zahlen nannte Dixius noch keine. Ingenieur Jürgen Krämer erklärte: „Das Vorgehen war alternativlos. Der Kampfmittelräumdienst hätte das Gelände sonst nicht freigegeben.“