Weinfest der Mittelmosel: Richtig Stimmung trotz halbem Feuerwerk

Kostenpflichtiger Inhalt: Brauchtum : Weinfest der Mittelmosel: Richtig Stimmung trotz halbem Feuerwerk

Das gab es noch nie in der 71 Jahre währenden Historie des Weinfestes der Mittelmosel. Ein Gewittersturm führte am Samstag zum Ausfall einer Zündmaschine. Nur vom Bernkasteler Moselufer stiegen Raketen auf. An der Burg Landshut blieb es dunkel. Der Feierlaune tat das keinen Abbruch.

Alles ist gerichtet für den Höhepunkt des Weinfestes der Mittelmosel ­am wahrscheinlich heißesten Samstag in der 71-jährigen Geschichte der größten Veranstaltung der Region. Die Brücke, die Anlagen am Moselufer, die Weinberge: Alles ist seit Stunden voller Menschen, die erwartungsvoll zur Mosel und zur Burg Landshut blicken.

Doch gegen 20.35 Uhr, 25 Minuten vor Beginn des Feuerwerks, ziehen dunkle Wolken heran. Es beginnt wie aus Eimern zu schütten, es blitzt, donnert und stürmt. Die Besucher suchen nach Unterständen und trockenen Plätzen, die zuvor gefüllte Brücke ist auf einmal menschenleer. Die Wiesen in den Moselauen, auf denen sich Tausende mit Decken, Picknickkörben, Tischen und Stühlen niedergelassen haben, sind schlagartig verwaist. Der Spuk dauert gut zehn Minuten. Alles klar also für das Feuerwerk!

Zigtausende Besucher kehren auf ihre Plätze zurück.

Pünktlich um 21 Uhr geht auf der Burg Landshut das Licht aus. Vom Bernkasteler Moselufer, dem zweiten Abschussort, steigen die ersten Raketen in den dunklen Himmel. Etwa elf Minuten lang geht das ­mit kleinen zeitlichen Unterbrechungen, die wenig Gutes erahnen lassen. Normaler­weise wird etwa 25 Minuten gezündet ­im Wechsel vom Ufer und von der Burg, beziehungsweise seit einigen Jahren zusätzlich von Plätzen links und rechts der Burg. Und am Schluss hätten die Besucher eigentlich wieder ein Finale furioso  von beiden Orten erwarten sollen.

Doch an der Burg tut sich nichts. Erste Vermutungen machen die Runde. Ist irgendetwas nass geworden, oder es gibt wegen des vorangegangenen Gewitters keinen Funkkontakt zum Moselufer, wo Feuerwerker Helmut Reuter sitzt und das Laptop bedient? Die Zuschauer nehmen es gelassen. Es gibt sogar Beifall, als das letzte Leuchtbild am Himmel verglüht.

Zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. Ein Fahrzeug fährt hoch in Richtung Burg und hält an verschiedenen Orten. Dort steigen wenig später Raketen auf, die Reuter manuell gezündet hat.

Doch es sind nur einzelne Bilder. „Einzelne Musikinstrumente aber kein Orchester“, zieht Künstlerin Mana Binz (Lieser) einen Vergleich. „Es gibt keine Choreografie“, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Nach einem Telefonat mit dem Feuerwerker, entscheidet das Stadtoberhaupt, den Rettungsversuch abzubrechen. Reuter habe bestätigt, dass es vermutlich wegen des Gewitters keinen Funkkontakt zur Zündmaschine an der Burg gegeben habe. Port sagt auch, dass in der Nähe der Burg während des Gewitters ein Blitz eingeschlagen ist.

Das Stadtoberhaupt ist enttäuscht aber auch froh. Froh deshalb, weil nach ersten Berichten niemand zu Schaden kam. Zelte und Stände hätten dem Wetter getrotzt. Es wird natürlich diskutiert. „Hätte ich vorher gewusst, dass von der Höhe nicht gezündet werden kann, hätte ich das Feuerwerk abgesagt. Vielleicht hätten wir es am Sonntag nachholen können“, sagt Port. Er geht davon aus, dass die Stadt die Feuerwerkskosten, mehr als 20 000 Euro, nicht bezahlen muss. Der TV hat am Sonntag mehrfach versucht Helmut Reuter zu erreichen. Vergebens. Auch die Bitte um Rückruf verhallte ohne Reaktion.

Aber es gibt natürlich ein Weinfest neben dem Feuerwerk. Am Freitagabend läuft die Stadt fast über. Am Samstag, dem dritten Veranstaltungstag, geht der Betrieb schon um die Mittagszeit los. Auf der 300 Meter langen Weinstraße werden die ersten Gläser gefüllt. Auf den Plätzen und in den Gassen sorgen Musikgruppen aus ganz Deutschland und den Niederlanden für Stimmung.

Viele Kapellen gehören quasi zum Stammpersonal. Die Lary Cook Brass Band aus den Niederlanden wirbelt zum zehnten Mal über die Weinstraße. Und wenn die Zuhörer nicht von selbst tanzen, schnappen sich Bandmitglieder Partner. Einige Musiker der Blaskapelle Illerblosn (Allgäu), die sind auch schon lange dabei,  mischen sich mit ihren Instrumenten unter die Besucher. Für viele Kapellen ist es ein besonderes Erlebnis am Sonntagnachmittag vor Zehntausenden von Zuschauern beim Festzug durch die Stadt zu laufen. Fast 90 Gruppen sind dieses Jahr dabei, ­ darunter viele Festwagen, Fußgruppen und Musikkapellen aus den Moselorten, die auf der Weinstraße vertreten sind. Es ist wie eine große Familie.

Zu dieser gehört seit Jahren eine Gruppe aus Arnsberg (Sauerland). Sie hat ihr Stammquartier an einem Tisch vor dem Ratskeller am Marktplatz. Dass der Ratskeller wegen Sanierung derzeit geschlossen ist, hat Annette Grüter und ihre Nachbarinnen nicht abgehalten. Sie sitzen vor dem Hotel Binz, das seit einigen Monaten von Salvatore Brugellis geführt wird. Und sie freuen sich schon auf 2020, wenn sie wieder vor dem Ratskeller Platz nehmen dürfen, der dann auch von Brugellis betrieben wird. Am Beispiel der Sauerländerinnen wird klar, welcher Wirtschaftsfaktor das Weinfest ist. 1800 Euro haben sie in ihrer gut gefüllten Kasse. „Die und noch etwas mehr werden hier ausgegeben“, sagt Grüter.

Illerblosn-Moderator Manni Ruf prägt den Satz, der die Moselaner froh machen dürfte: „Wo ich geh und steh, tun mir meine Knochen weh. Doch wenn ich Wein von der Mosel sauf, hören die Schmerzen von selber auf.“

Schmerzen dürften dagegen einige Besucher haben, die in Auseinandersetzungen verwickelt waren. Klaus Herrmann, Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues, berichtet von drei größeren Schlägereien am frühen Sonntagmorgen, ­ eine auf dem Rummelplatz, zwei auf der Weinstraße. Einige der Beteiligten seien ins Krankenhaus gebracht worden. Näheres wusste Herrmann am Sonntag noch nicht.

Impressionen vom Sonntag: Beim Festumzug durch Bernkastel-Kues gibt es einiges zu sehen. Moselblümchen lernen das Fliegen. Foto: Rudolf Höser
Das Feuerwerk am Samstagabend fiel kürzer und schmaler aus als gewohnt. Offenbar hat ein starker Regenguss, der wenige Minuten zuvor in Bernkastel-Kues niederging, Teile der Zündeinrichtung des Feuerwerks unbrauchbar gemacht. Foto: Rudolf Höser
Auf dem Weinfest mischen sich Musiker verschiedener Blaskapellen unters Publikum und bieten ein Ständchen. Foto: TV/Clemens Beckmann
Impressionen Weinfest Mittelmosel. Foto: TV/Clemens Beckmann
Spontane Tänze auf der Weinstraße: Ein Garant für gute Stimmung. Foto: TV/Clemens Beckmann
Das Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues erfreut sich bei Besuchern aus nah und fern großer Beliebtheit. Foto: Rudolf Höser

Das Weinfest der Mittelmosel geht am Montag in die Schlussrunde. Die Weinstraße öffnet um 12 Uhr. Auch der Rummelplatz und der Handwerkermarkt am Kueser Moselufer sind für einen weiteren Ansturm gewappnet. Rummelplatz und Handwerkermarkt sind auch am Dienstagnachmittag noch einmal auf.

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