Cyber-Bunker Traben-Trarbach: Herman-Johan X. war schon oft in der Presse

Kostenpflichtiger Inhalt: Cyber-Bunker Traben-Trarbach : Ein dubioses Duo: Herman-Johan X. und der Pinguin

Der Mann, der den Traben-Trarbacher Bunker betrieb, war schon des öfteren wegen seiner zwielichtigen Vergangenheit in den Schlagzeilen. Auch wegen seiner Verbindung zu einem mutmaßlichen Drogenbaron.

Das ganze erinnert an Szenen aus James Bond: Die Kommandozentrale der Bösewichte ist ein hochgradig gesicherter Bunker dessen 500 Räume bis zu fünf Stockwerke tief unter der Erde liegen. Dort scheffeln sie mutmaßlich Geld damit, dass sie Verbrechern aus aller Welt die Leistung ihrer nicht minder gut gesicherten Rechner zur Verfügung stellen, um im Darknet Drogen, Waffen oder Kinderpornos zu verkaufen. Was nach Geheimagenten und goldenen Colts klingt, ist in Traben-Trarbach Realität. Oder eher: Es war.

Denn inzwischen haben die Fahnder den Bunker eingenommen. Rund zehn Tage nach dem Auffliegen des Darknet-Rechenzentrums sind die Ermittler weiter vor Ort beschäftigt. „Die Untersuchungen werden angesichts der Vielzahl an sichergestellten Servern und der daraus resultierenden Datenmenge auch noch einige Zeit andauern“, sagte Oberstaatsanwalt Jörg Angerer von der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Montag. Er gehe davon aus, dass der Ex-Bundeswehr-Bunker in Traben-Trarbach beschlagnahmt werde.

Hauptverdächtiger ist ein inzwischen festgenommener 59 Jahre alter Niederländer, der den Cyberbunker Ende 2013 erworben und nach und nach aufgebaut habe: Herman-Johan X. Und schon damals hätte man erahnen können, dass das, was er in Traben-Trarbach zu treiben gedachte, jemanden wie James Bond interessieren würde.

Denn bereits 2013 berichtete der Trierische Volksfreund, dass es sich bei dem unbekannten Niederländer um den früheren Eigentümer des Unternehmens CyberBunker handeln könne: „CyberBunker ist Anbieter von Speicherplatz im Internet, ein sogenannter Webhoster. Er akzeptiert nach eigenen Angaben jede Art von Kundengeschäft, mit Ausnahme von Kinderpornografie und allem, was mit Terrorismus zu tun hat.“

Ein weites Feld also. 2015 – also rund vier Jahre vor dem Zugriff der Ermittler – geriet Mister X. groß in die irischen Schlagzeilen. Der Grund: Seine intensiven Verbindungen zu einem mutmaßlichen Drogenbaron, Spitzname „The Penguin“, „Der Pinguin“ – wegen seines watschelnden Gangs. Das Boulevardblatt Sunday World hatte Reporterin Nicola Tallant extra an die Mosel geschickt, wo sie den seit 20 Jahren untergetauchten irischen „Godfather of Crime“ (Paten) aufspürte. Und zwar in Begleitung seines Freundes Herman-Johan X. – „ein Niederländer mit zweilichtiger Vergangenheit“.

X. sei ein blasser Mann mit langem blonden Haar, der wie ein Bond-Bösewicht aussehe und in einem Bunker lebe. Nur selten lasse er sein Gesicht im Ort sehen und wenn, dann, um sich mit dem Pinguin zu treffen, den er regelmäßig in seinem Luxusapartment abhole, um zu Business-Meetings in lokale Restaurants zu fahren – weit entfernt von den Drogenmärkten Europas, die den Pinguin zu einem sehr reichen Mann gemacht hätten. Auch von dem 5000 Quadratmeter großen Cyber-Bunker ist ausführlich die Rede. Die Reporterin schrieb 2015, dass (nicht näher definierte) Polizeibeamte die beiden Männer im Verdacht hätten, in dem Bunker „High-End-Kommunikationssysteme“ zu entwickeln, die für internationale Kriminelle hochinteressant sein dürften.

Womit sie womöglich nicht ganz daneben lag. Noch sind alle 200 Server in dem Bunker. Über einen Abtransport der Geräte könne erst entschieden werden, wenn ein vollständiges Bild der Anlage geschaffen wurde, erklärt  Oberstaatsanwalt Angerer. Nach Angaben der Ermittler handelte es sich um den bundesweit ersten Schlag gegen einen „Bulletproof-Hoster“, der das Ziel verfolgte, mit „höchsten Sicherheitsstandards“ kriminelle Kunden vor dem Zugriff staatlicher Organe zu bewahren.

Tief unten im Bunker wurden wohl über Jahre hinweg kriminelle Geschäfte abgewickelt. Foto: Polizei

Sieben der 13 Beschuldigten sitzen nun in Haft. Weitere Verfahren könnten folgen. Und wäre all das ein James Bond-Film, dann würde dem Geheimagenten spätestens jetzt eine hübsche Frau in die Arme fallen.

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