Mal Hochburg mal Ruine: Die wechselvolle Geschichte des Klosters Himmerod

Mal Hochburg mal Ruine: Die wechselvolle Geschichte des Klosters Himmerod

Im Mittelalter war das Kloster Himmerod einer der größten Grundbesitzer in der Region und lange Zeit religiöses, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Eifel. Immer wieder mussten die Mönche Krisen meistern.

Großlittgen. "Das ist wahrhaft der Schoß der seligen Jungfrau Maria!" soll Bernhard von Clairvaux ausgerufen haben, als er Himmerod von einer Anhöhe im Salmtal aus zum ersten Mal sah. Wegen seiner Abgeschiedenheit, der "Einsamkeit des öden Tales", wie Abt Bruno Fromme schreibt, war dieser Ort gewählt worden - denn dort sollte Gott besonders nah sein.
Bernhard von Clairvaux hatte 1134 eine Gruppe von Mönchen in dieses erste Zisterzienserkloster im Bistum Trier ausgesendet. Sie mussten Wald, Gestrüpp, versumpfte Talwiesen und die Salm bändigen, um Landwirtschaft und Handwerk zu ermöglichen. Als Dach über dem Kopf dienten ihnen zunächst Notbauten, 1136 zogen sie in die erste hölzerne Klosteranlage um. Laienbrüder führten Bauernhöfe um das Kloster herum. Und noch heute gehen einige der besten Mosellagen auf Althimmeroder Weinbaukulturen zurück.
Einweihung im Jahr 1134


1178 weihte Erzbischof Arnold von Trier den steinernen romanischen Kirchenbau ein. "Mit Begeisterung suchten junge Männer aus Ritterstand und Adel das Kloster auf", schreibt Fromme über diese Zeit. Ihr Landbesitz ging in das schnell wachsende Eigentum des Klosters über. Der Ansturm war so groß, dass Mönche in Heisterbach bei Bonn ein Tochterkloster und von dort aus eine Tochter in Marienstatt im Westerwald gründeten. Himmerod selbst ist eine Tochter des Klosters Clairvaux bei Dijon. Clairvaux stammt direkt von Citaux ab, dem Gründungskloster der Zisterzienser.
Immer wieder versorgte Himmerod während Hungersnöten die Armen, auch mit Medikamenten. Während der Renaissance entwickelte sich eine enge Verbindung zwischen der Universität Trier und Himmerod, da viele Mönche dort studierten. Himmerod war ein Ort der Wissenschaft, die Bibliothek verfügte damals über 2000 Bände. Die Geistlichen widmeten sich Theologie und Philosophie, klassischen Sprachen und Literatur. 1751 wurde die neue Klosterkirche als größte rheinische Barockkirche eingeweiht. Doch mit der Säkularisation im 19. Jahrhundert vereinnahmte die napoleonische Verwaltung die kirchlichen Güter. Fromme: "Die Mönche von Himmerod sangen am 26. Juli 1802 zum letzten Mal in der Barockkirche das Salve Regina, dann legten sie das Ordenskleid ab und verließen ihre klösterliche Heimat." Himmerod verfiel, Privatleute nutzen es als Steinbruch.
Sieben deutsche Zisterziensermönche aus einem bosnischen Kloster kaufen 1919 das Gut Himmerod mit Altenhof für 500 000 Reichsmark. Marienstatt wurde 1922 Mutterabtei. 1934 konfiszierten die Nationalsozialisten das Vermögen des Himmeroder Bauvereins. Im Krieg wurde Himmerod zum Lazarett für Hunderte von Verwundeten und Flüchtlinge. Die wieder aufgebaute Kirche erhielt schließlich 1960 ihre Weihe.
Die Zahl der Mönche sank im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich, auch weil der weltoffenere Geist der Dominikaner und Franziskaner viele Anhänger fand. Laut einem Bruderschaftsbuch lebten im 12. Jahrhundert 290 Brüder in Himmerod, im 14. Jahrhundert 220, im 15. Jahrhundert noch 170. 1750 waren es 40 Mönche und ein Bruder, 1800 noch 25 Mönche und ein Bruder. In den ersten Jahrhunderten traten viele Adelige und Geistliche dem Konvent bei, ab dem 14. Jahrhundert waren es fast ausschließlich einfache Bürger und Bauern. Der Zisterzienserorden entstand im Kloster Cîtaux, 25 Kilometer südlich von Dijon. 1098 gründete dort Robert von Molesme ein Kloster mit dem Ziel, den ältesten westlichen Orden, den Benediktinerorden, zu reformieren. Hintergrund: Die ursprünglichen Ideale der Benediktiner, die von der eigenen Hände Arbeit in einfachen Verhältnissen leben sollten, waren besonders im reichen Kloster Cluny abhanden gekommen. Robert von Molesme wollte diese Ideale wiederbeleben. Aus der Reformbewegung entstand ein Orden. In den Hochzeiten lebten in Europa 1400 Männer- und Frauenklöster nach den Gewohnheiten des Cîteaux - von der eigenen Hände Arbeit. mai