Verkauf von Schulgebäude an Trierer Klinik geplatzt

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : Warum der Verkauf der Robert-Schuman-Realschule an das Trierer Mutterhaus geplatzt ist

Der Verkauf der früheren Robert-Schuman-Realschule ist geplatzt. Nun stellt sich die Fragen nach den Konsequenzen.

Die Stadt Trier wollte das Gebäude der Robert-Schuman-Schule loswerden. Der Erlös aus dem Verkauf sollte bei der Finanzierung von Schulbauprojekten helfen. Das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen hat nun jedoch nach Auskunft von Bürgermeisterin Elvira Garbes kein Interesse mehr am Kauf des Gebäudes in der Kaiserstraße. Damit ist die Zukunft des Gebäudes offen, das der Oberbürgermeister im April als Klotz am Bein bezeichnet hatte. Wie geht es nun weiter?

Das Klinikum wollte dort die Krankenpflegeschule (Standorte bisher: Feldstraße und ehemaliges Elisabeth-Krankenhaus) mit ihren insgesamt 200 Auszubildenden im rund 130 Jahre alten Gebäude zusammenfassen (der TV berichtete).

Auf TV-Anfrage sagt Helga Bohnet, Pressesprecherin des Mutterhauses, dass sich gezeigt habe, „dass die Baukosten deutlich über den ursprünglich avisierten Kosten liegen“. Die ursprünglich diskutierten Investitionskosten seien nach Überprüfung durch ein vom Klinikum Mutterhaus beauftragtes Ingenieurbüro für Baustatik deutlich nach oben korrigiert worden. „Auch nach einer erfolgten Generalsanierung ist laut Gutachten nicht mit trockenen Kellerräumen zu rechnen.“ Dies bedeute, dass bei den weiteren Planungen die Kellerräume als Technikzentrale oder anders genutzte hochwertige Räume nicht zur Verfügung stehen.

Bürgermeisterin Garbes hatte im Rahmen der jüngsten Sitzung des Dezernatsausschusses 2 des Trierer Stadtrats mitgeteilt, dass der Zustand der Bausubstanz Grund für den Rückzug der Interessenten gewesen sei. Keine Auskunft von der Bürgermeisterin gab es zu der Frage, welche Konsequenzen diese neue Entwicklung hat. Derzeit nutzen täglich rund 130 Oberstufenschüler des Humboldt-Gymnasiums (HGT) bis zu sieben Räume des 1891 errichteten und unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Doch das soll keine Dauereinrichtung bleiben. Das betont auch Schulleiter Carsten Stiller. Er geht weiter davon aus, dass wie geplant ein Anbau an das bestehende Gebäude verwirklicht wird (siehe Grafik).

Der aktuelle Zustand sei unbefriedigend. Durch die Aufteilung auf zwei Standorte ginge Unterrichtsqualität verloren, das Wechseln zwischen den Gebäuden brauche Zeit und das anstehende Digitalisierungskonzept sei darauf ausgelegt, dass das HGT an einem Standort untergebracht sei. Er fasst zusammen: „Ausdrücklich möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass für uns der Stadtratsbeschluss zum Neubau Gültigkeit hat, der aus Wirtschaftlichkeitserwägungen getroffen wurde, unabhängig von der Frage, was mit dem Robert-Schuman-Gebäude passiert.“

Der Trierer Stadtrat hatte sich für die Erweiterung des Gymnasiums ausgesprochen, weil sie laut Verwaltung auf Dauer wirtschaftlicher ist. Die Generalsanierung der früheren Realschule in der Kaiserstraße sollte rund 6,7 Millionen Euro kosten, der Neubau rund 7,8 Millionen. Die Sanierung würden damit rund 83 Prozent der Neubaukosten erreichen – und damit die gesetzlich festgelegte, sogenannte „Schwelle der Unwirtschaftlichkeit einer Bestandssanierung“ überschreiten, die bei 80 Prozent liegt.

Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Wie es nun mit der früheren Realschule weitergeht, ist offen. Dazu sagt Michael Schmitz, Sprecher der Stadtverwaltung: „Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ob es auf den Markt kommt oder nicht, das ist noch nicht entschieden.“ Derzeit laufe ein Architektenwettbewerb zur barrierefreien Erschließung und Erweiterung des HGT. „Baudezernent Andreas Ludwig will selbstverständlich diesen Wettbewerb auch abschließen, denn nach dem Wettbewerb kann man eine qualifizierte Kostenschätzung für das Projekt machen.“ Ende Dezember falle die Jury-Entscheidung.