Einbruch ins Trierer Landesmuseum: Täter wollen Schatz stehlen, scheitern aber am Glaskubus

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Einbruch ins Landesmuseum Trier: Verhinderte Goldräuber fliehen in den Palastgarten

Die Einbrecher kommen in der Nacht – und scheitern trotz brachialer Gewalt. Das unbekannte Duo ist flüchtig. Das Museum ist ab Mittwoch wieder geöffnet.

Als die Alarmanlage des Museums, die direkt mit dem Trierer Polizeipräsidium verbunden ist, in der Nacht zum Dienstag gegen 3.45 Uhr anschlägt, löst das einen Großeinsatz aus: „Alle verfügbaren Kräfte eilten so schnell wie möglich los“, berichtet Polizeipressesprecher Uwe Konz. Von der Polizeiinspektion an den Kaiserthermen sind es nur wenige Hundert Meter bis zum Rheinischen Landesmuseum in der Weimarer Allee. Die ersten Polizisten seien deshalb bereits nach wenigen Minuten vor Ort gewesen.

Den Einbrechern, die über ein Baugerüst und ein ausgehebeltes Fenster in den Museumsbau eingedrungen sind, bleibt trotzdem genug Zeit, die Tür zum so genannten Münzkabinett aufzubrechen. Dort schlagen sie mit brachialer Gewalt auf den Glaskubus ein, in dem sich ein Teil des wertvollen römischen Trierer Goldschatzes befindet. Die Münzsammlung war 1993 auf dem Gelände des Klinikums Mutterhaus in der Feldstraße gefunden worden. Mit mehr als 2600 Münzen und einem Gesamtgewicht von rund 18,5 Kilogramm ist es die größte römische Münzsammlung der Welt.

Der Plan der Räuber geht schief: Es gelingt ihnen nicht, den Glaskubus zu zertrümmern. „Sie scheiterten an dessen Sicherheitsausstattung“, teilt die Polizei mit.

Auch andere Beute haben die Täter nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht gemacht.

Einbruch ins Landesmuseum: Interview mit Polizeipressesprecher Uwe Konz

Die Polizei, die auch mit Hunden vor Ort war, hatte das Gebäude nach der nächtlichen Alarmierung von außen gesichert und umstellt. Die Einsatzkräfte verschafften sich Zugang ins Museum, um dort nach den Tätern zu suchen – erfolglos. Die Unbekannten – die Ermittler gehen von einem Duo aus – flüchteten laut Polizeibericht offenbar durch einen Notausgang in den angrenzenden Palastgarten. Das Museum verfügt für Notfälle über mehrere solcher Fluchtausgänge, die von innen zu öffnen sind. Der Palastgarten sei ebenfalls in der Nacht kontrolliert worden, sagt Polizeisprecher Konz – die Täter konnten allerdings nicht  ausfindig gemacht werden.

Von offensichtlichen Schäden an anderen Kunstgegenständen ist bislang nichts bekannt. Der Sachschaden, den die Täter durch das gewaltsame Eindringen und die Beschädigung des Schatzkubus verursacht haben, beläuft sich nach Schätzungen der Ermittler allerdings auf mehrere Tausend Euro.

Ein Spurensicherungsteam der Kriminalpolizei ist am Dienstagvormittag noch vor Ort. „Für die klassische Ermittlungsarbeit, zum Beispiel Fingerabdrücke nehmen. Vielleicht haben wir auch Glück und finden Schuhabdrücke, Wasser und Dreck könnten bei dem regnerischen Wetter zu solchen Spuren geführt haben“, erläutert Polizeisprecher Konz. Auch rund um das Museum sind über den Tag noch Polizisten unterwegs. Sie suchen Grünstreifen und Parkplätze danach ab, ob die Täter möglicherweise Dinge verloren oder weggeworfen haben.

Der „Tatort Landesmuseum“ bieb am Dienstag wegen der Spurensicherung und Schadensaufnahme geschlossen. Zahlreiche Touristen und auch Reisegruppen, die den regnerischen Tag nutzen wollen, um sich die umfangreichen Ausstellungen anzuschauen, machen enttäuscht kehrt. „Wenn die Sache am Morgen schon bekannt war, hätte man die angemeldeten Gruppen ja durchaus telefonisch informieren können“, meint ein Reiseleiter, der mit 24 Leuten aus Mainz angereist ist.

Für ein Paar aus der Nähe von Köln ist es der zweite Kriminalfall, mit dem sie bei ihrem Kurzurlaub an der Mosel konfrontiert werden: „Gestern waren wir in Traben-Trarbach, wo kürzlich einer der größten Fälle von Internetkriminalität aufgeflogen ist. Und heute stehen wir vorm geschlossenen Landesmuseum, weil eingebrochen wurde. Dabei dachten wir, wir machen in einer beschaulichen Gegend Urlaub“, sagt der ältere Mann – mit einem Augenzwinkern.

Die Polizei hat eine Sonderkommission zum Museumseinbruch eingerichtet und bittet Zeugen um Hinweise unter Telefon 0651/9779-2290.

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