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Klare Kante gegen Rechts und Tausende Teilnehmer bei Rosenmontagszug in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht : Premieren und eine ungewöhnliche Koalition bei Rosenmontagszug in Trier (Fotos/Video)

Da war Schmackes drin: Warum sich der Trierer Rosenmontagszug 2020 von den meisten seiner Vorgänger unterschieden hat.

Rosenmontagszug in Trier – the same procedure as every year? Diesmal garantiert nicht. Der 2020er präsentiert sich auf ganz eigene Weise anders als seine Vorgänger. Was auch an den meteorologischen Rahmenbedingungen liegt.

Das Mistwetter, das in den vergangenen Tagen so vielen Narren einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, ist rechtzeitig zum Umzugsstart vorbei. Kein Regen mehr und keine Windböen – da kann so richtig Freude aufkommen. Und von Anfang an präsentiert sich der größte Umzug der Region (Schirmherr: Triers Kulturdezernent Thomas Schmitt) ungewöhnlich originell.

Erstmals mit von der Partie ist die Karlsterner Hexenzunft 1996 aus Karlsruhe. Auch wenn das Motto der Truppe mit diabolischen Masken „Jedem zur Freud, niemand zum Leid“ lautet, schiebt manch besorgte junge Mutter am Straßenrand den Kinderwagen schnell beiseite, bevor der Nachwuchs einen Schreikrampf erleidet. Originell geht’s weiter: Die von der Grünen-Stadtratsfraktionschefin Anja Reinermann-Matatko (kurz: ARM) angeführte Gruppe #weilwirtrierlieben ist bei ihrer ersten Zugteilnahme per Velos unterwegs und verteilt Karotten und Äpfel statt Bonbons.

Weitere Premiere: Auch das Kleine Volkstheater ist mit von der Umzugspartie und rührt publikumswirksam die Werbetrommel für seine nächsten Aufführungen in der Halle am Römersprudel. Derzeit ohne Halle, weil von der Stadt wegen Statik-Mängeln gesperrt, ist die KG Trier-Süd.

Rosenmontagszug in Trier: 1600 Teilnehmer in 93 Gruppen

Das allein erklärt den behelmten Bauabeiter-Auftritt der Trier-Süder Narren noch nicht so ganz. Die Aufklärung liefern Präsident Michael Steffen und Geschäftsführer Ullrich Krugmann: „Wir machen unsere Halle wieder fit. An Aschermittwoch geht’s los, und 2021 feiern wir dort ‚50 Jahre Festhalle am Bach’!“ Man darf gespannt sein!“

Die KG Trier-Süd, die wegen der Hallenmaläse in dieser Session auf Sitzungen verzichten musste, zeigt beim Umzug Flagge. Mit rund 120 Teilnehmern ist sie auf der fünf Kilometer langen Zugstrecke von St. Matthias (Trier-Süd) bis zum Verteiler Nord unterwegs. Kleines Schmankerl am Rande: Auf dem Präsidiums- und Elferratswagen kommt es zu einer wahrlich einmaligen Koalition. Die Bundestagsabgeordneten Andreas Steier (CDU) und Katrin Werner (Linke) werfen in trauter Eintracht Süßigkeiten ins Publikum. Schwarz-knallrote Grüße nach Thüringen!

Überhaupt ist der Trierer Rosenmontagszug so politisch wie selten. Auf dem Hauptmarkt lassen DJane Sonja Storz und Thomas Schwinden (erstmals und sehr erfolgreich als Umzugs-Moderator im Einsatz) die Narrenschar mit Statements gegen Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit jubeln. So schön kann Karneval sein.

Mit insgesamt mehr als 1800 aktiven Narren ist der Rosenmontagszug 2020 der teilnehmerstärkste seit Jahren. Und der bestbewachte überhaupt. Neben einer großen Anzahl von Beamten des Präsidiums sind auch Dutzende Bundespolizisten im Einsatz. „Rheinland-Pfalz hat von dem Angebot des Bundesinnenministers Gebrauch gemacht, die Polizeipräsenz kurzfristig zu erhöhen“, erklärt Präsidiums-Pressesprecher Karl-Peter Jochem.

Bei der Nach-dem-Umzug-Party in der Arena wurden wieder herausragende Teilnehmer geehrt: Die Pferdepension Naumeshof Morscheid (schönster Wagen), Blaues Wasser (schönste Fußgruppe), Die Saupäns (originellste Gruppe); einen Sonderpreis erhielt die Karlsterner Hexenzunft 1996.