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Zwei Eifelerinnen wollen Milchkönigin werden

Misswahl für die Milch : Zwei Eifelerinnen kandidieren für die Wahl zur rheinland-pfälzischen Milchkönigin

Morgen wählt eine Jury die rheinland-pfälzische Milchkönigin. Zwei der drei Kandidatinnen kommen aus der Eifel. Die beiden Frauen haben viel gemeinsam: Beide studieren, beide packen auf einem Hof mit an. Aber es gibt auch Unterschiede.

Eine junge Frau grinst in die Kamera. Sie trägt Tracht, ein Krönchen sitzt im Haar. Ach, ist es schon wieder so weit, wird wieder eine Weinkönigin gewählt? Aber Moment: Da grasen ja Kühe im Hintergrund. Wo sind die rankenden Reben? Und statt Weingläsern hält die brunette Dame dann auch noch vier Humpen ins Bild, zwei in jeder Hand - wie eine Kellnerin beim Oktoberfest. Die Krüge sind randvoll mit Milch. Und dann macht es Klick:

 Katharina Weber kandidiert für die Wahl zur Milchkönigin
Katharina Weber kandidiert für die Wahl zur Milchkönigin Foto: TV/Privat

Die Rheinlandpfälzer suchen wieder eine Milchkönigin. Mit dem Foto macht die Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, kurz: Milag, Werbung. Und die ist nötig. Denn bei manchem ist die Wahl des Milch-Adels womöglich in Vergessenheit geraten. Schließlich liegt das jüngste Votum eine Weile zurück. Die amtierende Königin Carina Hirschen blieb auf Anfrage der Milag, drei Jahre lang im Amt. Der Grund: Wegen der schlechten Milchpreise 2016 wollte man offenbar keine Experimente bei der Thronfolge eingehen. Jetzt soll die Moselanerin Hirschen aber doch die Krone an eine Nachfolgerin abgeben.

Eine Jury soll morgen in Trier die die vierte rheinland-pfälzische Milchkönigin kühren, äh küren. Sie soll dann zwei Jahre lang regieren, sprich auf rund 50 Terminen im Jahr Milch- und Milchwirtschaft repräsentieren. Bezahlt wird sie dafür auf Mini-Job-Basis. Die Chancen, dass hier eine Eifelerin bald das Zepter schwingt, stehen alles andere als schlecht. Denn zwei der drei Bewerberinnen, die es in die letzte Runde des Auswahlverfahrens geschafft haben, kommen aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm.

Da wäre Verena Sohns aus der Verbandsgemeinde (VG) Prüm und Katharina Weber aus der VG Bitburger Land. Die Dritte im Bunde ist Eva Fischer aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis. Fischer ist 25 und Polizeikommissarin. Für eine Kandidatin zur Milchkönigin ist das eher ungewöhnlich. Die Lebensläufe von Sohns und Weber hingegen ähneln sich schon. Beide sind jung, beide studieren Agrarwirtschaft in Bingen, beide packen an den Wochenenden auf dem elterlichen Hof an und beide trinken gerne Milch. Worin unterscheiden sich die beiden dann überhaupt?

Die Tierliebe: Kühe sind definitiv die Lieblingstiere von Katharina Weber. Gut, dass auf dem väterlichen Hof in Pickließem 180 Rinder leben. Aber machen so viele Kühe nicht auch Mühe? Im Gegenteil, die 20-Jährige kümmert sich gerne um das liebe Vieh, wenn sie am Wochenende aus Bingen nach Hause kommt. Sie melkt sie, streichelt sie, und fütter sie – und das alles in der Freizeit.

Manchen von ihnen hat sie Namen gegeben. Die älteste Kuh auf dem Hof heißt jetzt wie ihre Großmutter: Mechthild. Die Kuh-Oma lebt schon seit 14 Jahren im Stall der Webers und gibt noch immer Milch. Ihren Liebling hat die junge Frau aber Esel genannt. Der ist - anders als es der Name vermuten lässt - auch ein Rindvieh – nur eben ein graues. „Das Kalb war von Anfang an auf mich fixiert“, erzählt sie, so sei es geblieben.

Wenn sie von all dem erzählt, klingt es nach ländlichem Idyll, nach Ferien auf dem Bauernhof. Genau so ein „unrealistisches Bild“ von der Landwirtschaft will sie als Milchkönigin aber nicht vermitteln, wie sie sagt. Die Kritik, die die Bauern oft treffe, hält sie aber für überzogen. Es sei nicht wahr, dass die Tiere zwangsgeschwängert würden, angebunden auf zu wenig Platz hausen müssten. Bei den meisten Landwirten gehe es ganz anders zu, sagt Weber. Klar gebe es schwarze Schafe. Die bildeten aber die Ausnahme. Mit solchen Vorurteilen will sie als Milchkönigin aufräumen. Aber warum hat sie sich beworben? Weil ihr ganzes Leben sich um Landwirtschaft drehe. Auf die Wahl aufmerksam gemacht hatte sie die amtierende Königin Carina Hirschen. Die kennt Weber von der Uni.

Die Ehrgeizige: Auch Verena Sohns hat Hirschen im Studium kennengelernt. Sie sind Kommilitoninnen im ersten Semester. Zuvor hat sie eine Ausbildung als Landwirtin absolviert, arbeitete auf dem elterlichen Hof in Brühlborn bei Weinsheim, aber auch in anderen Betrieben. Dort lernte sie einiges: Zum Beispiel Melken von Hand, Melken am Karussel, Melken mit Melkroboter.

Wichtig sei es ihr gewesen, über den Teller- oder besser: den Milchkannenrand hinauszuschauen. Und das ist es auch, was sie an der Königswürde reizt: „Da kann ich Leute kennenlernen, mich weiterentwickeln.“ Dafür sei sie bereit zu arbeiten: „Ich bin mir für nichts zu fein“ - auch nicht auf dem elterlichen Hof, wo sie am Wochenende aushilft. Wie Weber kümmert sich am Liebsten um die Tiere. Namen gibt sie ihnen keine. Trotzdem ist für sie nicht jede Kuh gleich: „Zu manchen hat man schon eine besondere Beziehung.“

Sie liebe aber nicht nur die Tiere, sondern auch die Milch. Und das, obwohl sie eine Laktose-Unverträglichkeit hat. „Wenn mein Körper Probleme macht, lass’ ich sie ein paar Tage weg“, sagt sie. Lange halte sie es aber nie ohne Milch aus.

Wer von den beiden es auf den Thron geschafft hat, lesen Sie am Montag, 27. November, im TV.

Kommentar

Nur muht!

Die schönsten Trauben wachsen an Rhein und Mosel. Die Eifel hat zwar Berge, aber keine auf denen Wein angebaut wird. Und wo kein Wein, da auch keine Weinkönigin. Zum Weinen wäre das. Wenn es nicht die Wahl zur Milchkönigin gäbe.

Es muss schließlich nicht immer Riesling sein. Auch ein Milchshake kann eine Gaumenfreude sein. Und noch wichtiger: Eifeler Mütter haben auch schöne Töchter, die sich damit bestens auskennen. Was für eine Schmach, dass uns bei der vergangenen Wahl ausgerechnet eine Winzertocher von der Mosel die Krone eingeheimst hat. Nach Carina Hirschen gehört auf diesen Thron eine Eifelerin! Also strengt euch an! Nur muht!

c.altmayer@volksfreund.de