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"Ich kämpfe um die Klinik in Neuerburg"

Neuerburg. Der erste Schock ist überwunden. Jetzt heißt es, Kräfte bündeln und Lösungen suchen: Die Verbandsgemeinde reagiert auf die geplante Schließung des Neuerburger Krankenhauses (Eifelkreis Bitburg-Prüm) mit der Wiederbelebung der Initiative Unser Krankenhaus, die sich bereits 2004 erfolgreich für die Rettung der Klinik eingesetzt hatte. Mandy Radics

Neuerburg. "Gibt es auch mal gute Nachrichten? Man könnte glatt meinen, die Eifel soll abgeschafft werden. Und das Jahr ist noch keinen ganzen Monat alt", meint eine Facebooknutzerin. Das ist nur einer von zahlreichen Kommentaren, der nicht nur die Empörung über die Schließung des Neuerburger Krankenhauses (der TV berichtete) zeigt, sondern auch die Ängste der Menschen im Eifelkreis. Nämlich die vor der fehlenden medizinischen Grundversorgung auf dem Land.
Deshalb haben die Neuerburger bereits 2004 um den Erhalt der St.-Josef-Klinik gekämpft. Auch damals stand die Einrichtung in den roten Zahlen, sollte in ein Pflegeheim für Patienten im Wachkoma umgewandelt werden. "Das ist wie ein Déjà-vu", sagt Norbert Schneider, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg, der erst kurz vor der Blitz-Pressekonferenz am Donnerstag von der geplanten Schließung zum 30. Juni hörte. Noch am selben Abend tagte der Ältestenrat der VG.
Der erste Schritt wird laut Schneider sein: "Wir werden die Initiative Unser Krankenhaus wieder ins Leben rufen." Die hatte seinerzeit unter dem damaligen Fördervereinsvorsitzenden des Krankenhauses, Alfred Borrelbach, engagiert an der Rettung des Hauses gearbeitet. Der VG-Rat hatte eine Resolution zum Erhalt der Klinik beschlossen, mehr als 7000 Unterschriften wurden gesammelt und dem Gesundheitsministerium des Landes überreicht. Der Einsatz der Neuerburger wurde belohnt. Der Betrieb im Krankenhaus lief weiter. Wie 2004 soll die Initiative die Kräfte bündeln, so Schneider. Stadt, VG und Förderverein arbeiten zusammen. Er habe am Freitag bereits mit Stadtbürgermeisterin Anna Kling gesprochen.
Der Förderverein tagte ebenfalls am Freitag. Das bestätigt dessen Vorsitzender Wilhelm Ahlert, der die Nachricht von der geplanten Schließung zwar mit Fassung aufgenommen hat, "aber ich war sehr über das rasche Ende erschrocken". Seiner Ansicht nach sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten schon länger bekannt. "Die Leerstände haben uns gestört", sagt Ahlert. Und die habe es bereits seit einiger Zeit gegeben. Zum einen haben im Erdgeschoss einige Zimmer leergestanden. Auch der erste Stock im Schwesternwohnheim nebenan sei ungenutzt gewesen. Viel passiert sei nach seinen Hinweisen an die Geschäftsleitung jedoch nicht.
Für Schneider geht es jetzt darum, die Klinikleitung zu unterstützen, nicht zu blockieren. Ahlert: "Ich stehe zu unserem Krankenhaus, es muss sich aber betriebswirtschaftlich auch rentieren. Da bin ich realistisch."
Auf die Frage, ob es ähnliche Aktionen geben könne wie 2004, sagt Schneider: "Vorstellen kann ich mir viel. Es hängt davon ab, wie die Fakten aussehen, ob die Klinikleitung wirklich nicht anders kann." Die Initiative sei dafür da, dass man sozusagen mit einer Zunge sprechen könne. Für Schneider ist klar: "Ich kämpfe für unsere Klinik, um die medizinische Grundversorgung in unserem Raum zu erhalten."Extra

Im Klinikverbund Marienhaus Klinikum Eifel sind drei Häuser vereint: die Einrichtungen in Neuerburg, Gerolstein und Bitburg. Das Neuerburger St.-Josef-Krankenhaus ist mit 48 Betten das kleinste Krankenhaus in Rheinland-Pfalz und eines der ältesten dazu. Dort arbeiten 110 Mitarbeiter. Das Gebäude gehört der Stadt Neuerburg. Sie hat es dem Klinikverbund überlassen, solange der Krankenhausbetrieb währt. Die Klinik soll zum 30. Juni geschlossen werden, weil sie jährlich einen Fehlbetrag von mehr als einer Million Euro einfährt (Umsatz: 4,5 Millionen Euro). MRA