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Veldenzer gründen Solidargemeinschaft : Im Weinberg klar Schiff machen

FOTO: Hans-Peter Linz
Veldenz. Immer öfter sorgen Brachflächen in den Weinbergen für Ärger. Sie gelten als Brutstätten für Schädlinge. Mit einem Solidarprojekt wollen die Veldenzer diesen sogenannten Drieschen zu Leibe rücken – und erhalten Unterstützung vom Bauern- und Winzerverband. Hans-Peter Linz

Ein Dieselmotor jault auf, man hört ein lautes Rascheln und Knacken - langsam kommt hinter einem mächtigen Brombeerbusch ein Kettenfahrzeug in Sicht, das sich durch das Unterholz frisst und schließlich auch den Brombeeren den Garaus macht. Denn an seiner Front hat das Gerät einen Häckselvorsatz, der Sträucher, Hecken und kleinere Gewächse mit Getöse zu Kleinholz verarbeitet. Mit dieser Mulchraupe sollen in den nächsten Tagen in den Weinbergen um Veldenz die sogenannten Drieschen, ungenutzte Brachflächen im Weinberg, wieder hergerichtet werden. Dazu ist es nötig, sie von Bewachsung zu befreien. Vor allem Brombeerhecken, Ginster und weitere Strauchpflanzen wachsen dort - und führen zu einer Vermehrung von Schädlingen, die die Reben angreifen. "In den Brombeeren lebt zum Beispiel die Kirschessigfliege, die wiederum Rebstöcke angreifen kann", erklärt Rainer Kruft, Winzer aus Veldenz.

Wegen mangelnder Nachfrage werden viele Flächen nicht mehr bewirtschaftet, erklärt Kruft. Deshalb verwildern diese Kulturflächen immer mehr und verlieren an Wert. Kruft und weitere Anlieger haben deshalb die "Solidargemeinschaft zur Erhaltung der Weinkulturlandschaft im Veldenzer Tal" gegründet. Die Gemeinde hat dafür ein Sonderkonto eingerichtet. Auf dieses Sonderkonto können Pflegepaten und weitere Interessierte aus der Bürgerschaft eine Spende in freiwilliger Höhe einzahlen. Mit dem Geld werden die Eigentümer bei der Rekultivierung und nachhaltigen Pflege der Flächen unterstützt.

Unterstützung erhalten die Veldenzer vom Bauern - und Winzerverband, der in einem Sonderprogramm die Entbuschung von Steillagen fördert. Für die Solidargemeinschaft ist es aber wichtig, dass die Entbuschung nachhaltig bleibt, um auf lange Sicht die Qualität der Kulturlandschaft zu verbessern - deshalb wurde der Solidarfonds gegründet. Der Spendenaufruf richtet sich deshalb auch an touristische Betriebe, die von der Mosellandschaft profitieren.
Wie Angela Holly-Keelan vom Bauern- und Winzerverband in Koblenz mitteilt, kann in ganz Rheinland-Pfalz grundsätzlich ein Zuschuss bis zu 4200 Euro pro Hektar einmalig gewährt werden. Holly-Keelan: "Das reicht manchmal, manchmal aber auch nicht. Denn das sogenannte Entbuschen kann bis zu einem Euro pro Quadratmeter kosten. Das können dann bis zu 10?000 Euro pro Hektar sein. Manchmal reicht es, mit der Mulchraupe durch die Brachfläche zu fahren. Manchmal muss aber auch Handarbeit geleistet werden, wenn zum Beispiel noch Trockenmauern in der Fläche stehen."

Das Projekt wird vom Bundesprogramm "Biologische Vielfalt" unterstützt. "Wir haben verschiedene Maßnahmen in Rheinland-Pfalz bei denen es um biologische Vielfalt und die In-Wert-Setzung der Weinberge geht", sagt Holly-Keelan. Mit der Bearbeitung der Brachflächen könne der Wert der umliegenden Weinberge gesteigert werden. Weitere Projekte sind die Ansiedlung von Wildpflanzen und Wildkräutern innerhalb der Weinbergzeilen. "Das sieht optisch nett aus und ist für Fauna und Flora gut," sagt die Agrarwissenschaftlerin.
Als nächstes Projekt hat sie eine ganz neuartige Methode ins Auge gefasst: Nächstes Jahr sollen in Traben-Trarbach Ziegen in Brachflächen am Weinberg angesiedelt werden.

Wer spenden will, kann sich mit dem Verkehrsbüro in Veldenz oder direkt mit Rainer Kruft, Veldenz, in Verbindung setzen.
Extra

Bis eine Brachfläche oder Driesche bearbeitet werden kann, sind mehrere Schritte notwendig. Dabei müssen die Besitzverhältnisse geklärt werden und ein Begehungsrecht erworben werden. Erst dann kann die Fläche gerodet werden. "Leider werden immer mehr Flächen aufgegeben. Deshalb sind viele Absprachen nötig, um das Betretungsrecht zu erhalten", sagt Angela Holly-Keelan vom Bauern- und Winzerverband. Deshalb stellt der Verband im Rahmen des "Moselprojekts" Starthilfen zur Verfügung. Langfristig müssen solche Flächen mindestens einmal im Jahr gepflegt werden. hpl
meinung
hans-peter linz

Mit einem Sonderfonds Brachen zu rekultivieren ist ein prima Engagement der Veldenzer. Der Zuschuss des Bauern- und Winzerverbands kann dabei allerdings nur eine Starthilfe sein. Denn diese Flächen müssen nachhaltig gepflegt werden. Davon profitieren letzten Endes alle, auch der Tourismus. Es wäre wünschenswert, wenn sich daher viele Menschen an dem Projekt beteiligen und auch spenden.
hp.linz@volksfreund.de