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Falkenauel im romantischen Irsental

Eltern sollen einst dieses Holzkreuz aufgestellt haben als Dank, dass ihre Kinder vor Schlangenbissen bewahrt wurden. Deswegen wird es „Schlangenkreuz“ genannt.TV-Foto: Alois Mayer
Eltern sollen einst dieses Holzkreuz aufgestellt haben als Dank, dass ihre Kinder vor Schlangenbissen bewahrt wurden. Deswegen wird es „Schlangenkreuz“ genannt.TV-Foto: Alois Mayer
Still, ruhig und sehr einsam im wild romantischen Tal der Irsen liegt Falkenauel. Vor etwa 200 Jahren entstand diese Siedlung, die heute ein Ortsteil von Daleiden ist. Von unserem Mitarbeiter Alois Mayer

Falkenauel. Ein Mann mit dem Namen Heinrich Heinen soll dort, wo heute Daleidens Ortsteil Falkenauel auf der Landkarte verzeichnet ist, das erste Häuschen erbaut haben. Nach und nach entstanden um dieses erste, sicher kleine und schlichte Haus, das anfangs Hütte genannt wurde, weitere bäuerliche Anwesen, so dass diese Neugründung bereits um 1840 als Dorf bezeichnet wurde.

Dorfgeschichte



Der Name Falkenauel weist auf eine Siedlung nahe am Wasser oder in feuchten Niederungen hin, wo zahlreiche Falken, Habichte und Bussarde zu finden sind. Der Altkreis Prüm kennt mehrere Orte, die in ihrem Namen die althochdeutsche Silbe "au" tragen, wie Auw bei Prüm, Mauel oder Dornauelsmühle.

Mag Falkenauel auch noch so verträumt gelegen sein, für Landwirte oder Bauwillige ist der Ort weniger ideal. Weit ist es bis zum nächsten Geschäft, zum Arzt, zu Schulen, Kirchen oder Behörden. Ohne eigenes Fahrzeug fühlt man sich doch sehr gebunden, und die Wiesen, Äcker und Felder sind in ihrer Bodenbeschaffenheit und Größe kaum geeignet, die Existenz von Vollerwerbslandwirten zu sichern.

Dennoch fanden sich Spuren dereinstiger Besiedlung rund um Falkenauel, allerdings auf den Höhen Richtung Daleiden zu. Pfarrer Michael Bormann (geboren 1795 in Hollnich, gestorben 1860 in Daleiden) hat die Gegend forschend durchstreift und manches Römische entdeckt. "Auf dem über dem Flüsschen Irsen gelegenen ,Burgberg' sind Reste römischer Bauwerke und mit ,heidnischen' Darstellungen verzierte Steine beobachtet worden", notierte der Prümer Landrat Bärsch und schrieb dem Landesmuseum in Trier am 10. Juni 1834: "Ich sende eine bleierne Röhre mit der Inschrift CASSIUS NOCTURNUS ME FECIT. Diese Röhre wurde mit einer Menge von Ziegeln römischen Ursprungs zwischen Daleiden und Falkenauel gefunden."

Bizarre Feldformationen



Falkenauel und vor allem das herrliche Tal der munter dahinfließenden Irsen erfreuen umso mehr jeden Wanderer oder Erholungssuchenden. Seine gut erschlossenen Wege mit bizarren Felsformationen und duftenden Blumen, sein Reichtum an Getier und Faltern, die ihm sogar das Prädikat "Tal der 1000 Schmetterlinge" verliehen, lassen alles erlebnisreich werden. Und wen Hunger oder Durst plagen, der kann sich ja im Restaurant Zur Karlshausener Mühle verwöhnen lassen.

Beim Bummel entlang der wenigen Häuser ist auch ein schlichtes Holzkreuz zu entdecken. Gepflegt und mit Blumen geschmückt steht es am Wegesrand. Es trägt den seltsamen Namen "Schlangenkreuz".

Wie es dazu kam, weiß die Überlieferung: Der Schulweg für etliche Kinder aus Falkenauel, die teils in weit abgelegenen Einzelgehöften wohnten, führte auf einem Pfad am Irsenbach entlang. Dieser führte einst im Herbst mächtiges Hochwasser.

Als die Kinder nun auf ihrem Schulweg an einem großen Tümpel vorbeikamen, entdeckten sie, dass es in ihm von Schlangen nur so wimmelte: Nach Luft schnappend hoben sie ihren Kopf aus dem Wasser, kringelten und wanden sich, züngelten bedrohlich mit ihren gespaltenen Zungen. So stellt man es sich vor.

Voll Angst und Schrecken rannten die Kinder sofort nach Hause. Anfangs, so heißt es weiter, glaubten die Eltern ihren Kindern nicht so recht, wusste man doch von den blühenden Phantasien. Doch die Erzählungen klangen so ernst, dass die Erwachsenen sich selbst vergewisserten. Und tatsächlich, in dem Tümpel entdeckten sie Kreuzottern, die den Kindern hätten gefährlich werden können, sowie eine Ansammlung von Aalen und Blindschleichen.

Laut Überlieferung hielten die die Eltern daraufhin ihre Kinder einige Tage aus der Schule fern, bis sie sicher waren, dass alle Kreuzottern sich wieder verzogen hatten. Und an jener Stelle am Wegesrand stellten die Eltern ein Kreuz auf - aus Dankbarkeit, dass die Schutzengel ihre Kinder vor Schlangenbissen behütet hatten.