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Am Festtag mit der Kutsche durch Kernscheid

Am Festtag mit der Kutsche durch Kernscheid

Eigentlich fährt Erwin Morgen sonst mit seinem Traktor durch Kernscheid. Den hat er mit einer schicken Kutsche getauscht, denn mit seiner Frau Theresia (82) hatte er Grund zum Feiern: Ihre Liebe hält nun schon mehr als 60 Jahre, besiegelt haben sie sie 1952.

Trier-Kernscheid. Erwin Morgen (86) stammt eigentlich aus Filsch. Aber die Liebe hat ihn zum Kernscheider gemacht. Denn 1952 hat er seine Resi (Theresia) geheiratet. Erwin Morgen musste zum Teil abenteuerliche Wege auf sich nehmen, um seine Resi zu treffen, denn damals gab es von Filsch beziehungsweise der Irscher Mühle aus noch keine richtige Straße, und der Grundbach an der Irscher Mühle musste mit einem waghalsigen Sprung überquert werden.
Beide Eheleute stammen von alteingesessenen Bauernhöfen und besuchten die Volksschule: Erwin Morgen zu Fuß allmorgendlich in Irsch, Resi Morgen in der damals noch existierenden eigenen Schule in Kernscheid. Erwin Morgen war zeitlebens Landwirt. Auch heute noch fährt er - ohne Erlaubnis seiner Frau - mit dem Traktor zu seinen Feldern. Theresia Morgen erweiterte ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse eine Zeit lang in der dezentralen landwirtschaftlichen Berufsschule in Irsch.
Erwin Morgen musste als 17-Jähriger 1943 in den Krieg ziehen, geriet 1944 in Italien in amerikanische Kriegsgefangenschaft und musste in der Hitze Kaliforniens auf den Baumwollfeldern arbeiten. Aus dieser Zeit stammt sein Markenzeichen, das ihm den Spitznamen "Taschentuch-Morgen" eingebracht hat: ein an vier Ecken geknotetes Taschentuch, das ihn damals vor der sengenden Sonne schützte. 1948 kehrte er nach Hause zurück.
Nach der Hochzeit 1952 zog das Ehepaar in den Kernscheider Ortsteil In der Kerz ein. Nach vollbrachter Arbeit liebten es beide, dort Viez und ein kräftigendes Essen zu genießen, von dem sie wussten, woher es kam: vom eigenen Boden und aus eigener Herstellung. Erwin und Resi Morgen haben drei Kinder und die Enkel Anna Lena und Maximilian.
Tochter Waltraud ist als Apothekerin tätig, Sohn Berni führt zusammen mit seinem Bruder Rudi die Landwirtschaft und Viehhaltung weiter. Rudi pflegt außerdem zusammen mit dem Jagdpächter Wald und Tier. red