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Kindergarten: Unmut über plötzlichen Umzug

Der private Montessori-Kindergarten Petrisberg zieht diese Woche in die ehemalige französische Vorschule (der TV berichtete). Obwohl der Betrieb am bisherigen Kindergartenstandort schon seit Februar 2010 lief, verhängte die Stadt kurzfristig ein Nutzungsverbot wegen mangelnder Fluchtwege. Von unserem Redakteur Marcus Hormes

Trier-Kürenz. Andrea Spitz ist sauer: "Ich fühle mich veräppelt", sagt die Elternausschuss-Vorsitzende des Montessori-Kindergartens Petrisberg. Seit gestern dürfen keine Kinder mehr im Dachgeschoss des sogenannten Telekom-Gebäudes am Wissenschaftspark betreut werden. Grund: Der Brandschutz reicht für den Betrieb als Kindergarten nicht aus.

"Genau diese Bedenken hatten wir schon lange vor dem Einzug vorgetragen. Laut Verwaltung sollte aber alles in Ordnung sein", erinnert sich Andrea Kreutzfeld, die damalige Elternausschuss-Vorsitzende.

Rückblende: Seit 2007 war der Kindergarten in der Max-Planck-Straße 23 untergebracht. Weil das Gebäude saniert werden sollte und auch von Sicherheitsmängeln die Rede war, musste auf die Schnelle ein Ausweichquartier her. Die drei Kindergartengruppen zogen im Februar 2010 ins Telekom-Gebäude, wo 2008/09 schon die Kita Trimmelter Hof mit vier Gruppen vorübergehend untergebracht war. Aus dieser Zeit lag eine Brandschutz-Genehmigung vor.

Die Sanierung in der Max-Planck-Straße 23 hat allerdings bis heute nicht begonnen, weil das Bau- und Finanzierungskonzept überarbeitet werden musste. Damit der Kindergarten noch länger im Ausweichquartier bleiben konnte, war eine sogenannte Nutzungsänderung nötig. Es kam zu einer erneuten Brandschutz-Prüfung am 20. November 2010.

Das Grundproblem: "Aus den einzelnen Räumen heraus besteht kein gesonderter zweiter baulicher Rettungsweg", erklärt die Verwaltung auf TV-Anfrage. Deshalb seien hohe Auflagen wie besondere Vorsichtsmaßnahmen nötig, die im Alltagsbetrieb eines Kindergartens nicht umzusetzen seien.

Abstimmungsgespräche ohne tragfähige Lösung



"In vielfachen Gesprächen zwischen den beiden zuständigen Dezernaten wurden Möglichkeiten der Nachbesserungen erörtert, die jedoch letztendlich zu keinem praktikablen Ergebnis führten", sagt Monika Tiemann, Vorsitzende des Trierer Arbeitskreises für Montessori-Pädagogik (Tam). Vermieter des Telekom-Gebäudes ist die Entwicklungsgesellschaft Petrisberg. Die Stadt als Mieter stellte die Räume dem Träger Tam zur Verfügung.

Am Donnerstag vergangener Woche erfuhr der Verein von der Umzugspflicht. Am Montag erließ die Stadt ein Nutzungsverbot. Das zwingt Eltern und Erzieherinnen zu kurzfristigen Umplanungen (siehe Extra). Andrea Spitz: "Manche Leute können sich nicht vorstellen, was es für Eltern von 75 Kindern heißt, so etwas von heute auf morgen zu organisieren."

Am Montagabend informierten Träger und Stadt die Eltern in nichtöffentlicher Runde. Nach dem Umzug soll der Kindergartenbetrieb am neuen Ausweichstandort Ecole Maternelle am Montag, 31. Januar, aufgenommen werden.

Meinung

Immer noch nichts gelernt

Die Trierer Stadtverwaltung hat in ihrem Krisenmanagement zur schimmelbelasteten städtischen Kita Trimmelter Hof viele Fehler gemacht. Eltern wurden im Ungewissen gelassen, dann hinter verschlossenen Türen informiert und schließlich immer wieder vertröstet auf neue Termine zum Wiedereinzug ins Stammgebäude. Im Fall Montessori scheinen die Stadt als Mieter und der Trägerverein an die schlechte Praxis anzuknüpfen. Eine dürre, wachsweiche Pressemitteilung aus dem Nichts, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Eine Versammlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und offizielle Aussagen, die keine Spur von Verantwortungsbewusstsein für eigene Versäumnisse enthalten. Der Verein verschwieg den Eltern das Brandschutzproblem. Die Stadt korrigierte erst ihre lange gültige Einschätzung beim Brandschutz und untersagte zwei Monate später ganz plötzlich die weitere Nutzung. So lässt sich keine Vertrauensbasis aufbauen, auch angesichts der leidvollen Vorgeschichten. Wie so oft sind es weniger die inhaltlichen Zwänge einer Krise, sondern es ist der Umgang mit ihnen, der an der Kompetenz zweifeln lässt. Die Stadt muss endlich für dauerhaft ordnungsgemäße Rahmenbedingungen sorgen, damit der freie Träger seine Aufgabe der Kinderbetreuung erfüllen kann, bei der ansonsten die Stadt am Brett wäre. m.hormes@volksfreund.deEXTRA

So geht es weiter: Für 25 Kinder wurde in der ehemaligen französischen Vorschule eine Notgruppe eingerichtet, weil die übrigen Erzieherinnen den Umzug vorbereiten und noch nicht mehr Räume zur Verfügung stehen. Am Donnerstag betreuen Eltern dort 15 Kinder. (cus)