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Kirchenstifterin und Pilgerin

Eine der wenigen Straßen, deren Name auf eine Frau hinweist: die Helenenstraße. Foto: Birgit Pfaus-Ravida
Eine der wenigen Straßen, deren Name auf eine Frau hinweist: die Helenenstraße. Foto: Birgit Pfaus-Ravida
TRIER. (bir) Die Helenenstraße im Trierer Stadtteil Gartenfeld verweist auf Helena, die Mutter Kaiser Konstantins. Sie ist damit eine der wenigen Straßen Triers, die ihren Namen einer berühmten Frauenpersönlichkeit verdankt.

Die Helenenstraße, ein schmuckes kleines Sträßchen, ruhige Wohnlage im Gartenfeld, nah am Zentrum. Ihre Namengeberin Helena war eine große Kaiserin und Heilige. Um 255 geboren, ist schon ihre Herkunft von Legenden umrankt: Trier, Aquitanien, England? Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass Helena in Drepanom, dem späteren Helenopolis, in der heutigen Türkei, geboren wurde. In der Nähe von Nikomedia, der Hauptstadt des römischen Ostreiches, war sie Gastwirtin in einer Herberge. Der Offizier Constantius verliebte sich in die junge Frau und nahm sie zur Geliebten, zur Konkubine. Als er im Jahr 293 zum Kaiser des römischen Westreiches ernannt wurde, verstieß er Helena wegen ihres niedrigen Standes, obwohl sie ihm schon einen Sohn geschenkt hatte, den späteren Kaiser Konstantin. Konstantin holte seine Mutter im Jahr 306 nach Trier. Was Helena in der Zeit dazwischen geschah, ist nicht überliefert. Sie wurde Verwalterin der Finanzen von nicht weniger Provinzen als Britannien, den germanischen, gallischen, belgischen und hispanischen Provinzen sowie dem westlichen Teil von Nordafrika. Viel Geld floss durch Helenas Hände, viel spendete sie für gemeinnützige Zwecke. Um das Jahr 312 herum wurde sie zur Christin. Als Pilgerin veranlasste sie im hohen Alter unter anderem den Bau der Kreuzeskirche in Jerusalem, der Kirche am Ölberg, und der Geburtskirche Christi in Bethlehem. Im "heiligen Land" tauschte sie ihre kaiserlichen Gewänder wieder mit den einfachen Kleidern einer Schankwirtin und kümmerte sich um Alte, Arme und Kranke. Sie soll auch das Kreuz Christi aufgefunden haben. Außerdem war Helena der Sage nach an der Überführung des "Heiligen Rocks" Christi sowie der Gebeine des Apostels Matthias nach Trier beteiligt. Eine starke Frau also, die viel bewegt hat - auch, wenn einiges davon wohl ins Reich der Legenden gehört.