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Bauausschuss legt zweiten Abschnitt des Kyllumbaus in Gerolstein fest

Bauausschuss legt zweiten Abschnitt des Kyllumbaus in Gerolstein fest

Im nächsten Jahr wird der Bereich der Kyll vor dem Bahnhof umgebaut - samt Bahnhofsvorplatz und einem Mitfahrerparkplatz hinter dem Postgebäude. Erst danach soll der Kyll-Bogen in Richtung Lissingen zum Überschwemmungsgebiet ausgebaut werden. Das hat der Bauausschuss der Stadt Gerolstein einstimmig beschlossen. Es zeichnet sich ab, dass der gesamte Kyll-Umbau deutlich teurer wird als bislang veranschlagt.

Nach dem Park am Rathaus als erstem Bauabschnitt für 1,25 Millionen Euro stehen vier weitere Areale zur Auswahl, in denen die Kyll im Rahmen des Gewässer-Renaturierungsprogramms Blau plus in Gerolstein ausgebaut werden soll: im Kyll-Bogen bei Lissingen, an den Kirmesparkplätzen bei der Hoch- und der Postbrücke, auf der anderen Flussseite vor dem Bahnhof sowie entlang des Gerolsteiner Brunnengeländes. Die Vorhaben werden zu 90 Prozent vom Land gefördert.Ausschuss setzt Prioritäten

Nach vorläufiger Schätzung des Planungsbüros Reihsner aus Wittlich wird alles zusammen mindestens weitere 4,25 Millionen Euro kosten. Bislang war für die weiteren Bauabschnitte von 1,75 Millionen Euro ausgegangen worden, da das Gesamtvorhaben drei Millionen Euro nicht übersteigen sollte.

Da gilt es umso mehr, Prioritäten zu setzen. Das hat der Bauausschuss der Stadt nun gemacht. Einstimmig votierte er dafür, dass der zweite Bauabschnitt im kommenden Jahr vor dem Bahnhof Gerolstein realisiert wird.
Ausschussmitglied Heinz Weber (FWG) fasste mit seinem Beitrag die übereinstimmende Auffassung des Ausschusses zusammen: "Wir sollten die erste Priorität auf das Bahnhofsumfeld legen, denn der Bahnhof ist ein wichtiger Eingang zur Stadt. Den Kyll-Bogen bei Lissingen können wir auch ein Jahr später noch realisieren." Auf den dortigen Umbau drängt laut Verwaltung aber das Ministerium, da dadurch eine deutliche Verbesserung des Hochwasserschutzes erhofft wird.

Letztlich lief die Entscheidung ohnehin auf eine Auswahl zwischen diesen beiden Bereichen hinaus. Denn: Ein zeitnaher Ausbau des Uferbereiches an den Kirmesparkplätzen (vor allem an der Hochbrücke) kommt nicht infrage, weil der Platz beim Abriss und Neubau der Hochbrücke als Baustellenlager benötigt wird. Das Großprojekt soll laut Verwaltung nun zwar erst 2020, und nicht bereits ab 2018, realisiert werden. Eine vorherige Erneuerung macht aber keinen Sinn, da der Platz durch die Bautätigkeit wieder in Mitleidenschaft gezogen würde.

Überraschend war zudem die Neuigkeit, dass der Bereich des Gerolsteiner Brunnens vermutlich aus der Betrachtung herausfällt. Laut Planer Sebastian Reihsner überlegt das Sprudelunternehmen, das Areal nun selbst zu entwickeln - wenngleich die Stadt Gerolstein in die Planungen einbezogen werden muss.

Das hätte positive Folgen für die Stadt, wie der Planer erklärte: "Wenn es so kommt, wird der Kreis Aufgabenträger, da er für die Gewässerunterhaltung zuständig ist. Dann müsste er auch die zehn Prozent Eigenanteil übernehmen."Stadt spart Geld

Der wegen der inzwischen deutlich höher veranschlagten Gesamtkosten stark eingeengte finanzielle Spielraum bekäme dadurch wieder etwas mehr Luft. Reihsner: "Die Stadt spart dieses Geld für andere Maßnahmen."
Eine wäre der Bau eines Park&Ride-Parkplatzes hinter dem Postgebäude, worauf besonders Bauausschussmitglied Tim Steen (Bündnis 90/Die Grünen) intensiv drängte: "Wenn der Kirmesplatz wegfällt, bekommen wir ein Parkplatzproblem in Gerolstein. Deswegen sollte der Parkplatz hinter dem Postgebäude realisiert werden." Das hielt auch Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) für einen "berechtigten Einwand".

Laut Verwaltung kann dafür aber nicht mit einem 90-prozentigen Zuschuss aus dem Programm Blau plus gerechnet werden, da dieses Vorhaben mit Gewässerschutz nichts zu tun hat. Vielmehr wird eine 70-prozentige Förderung erwartet. Dennoch wurde der Parkplatzbau ebenfalls einstimmig beschlossen.Meinung

Kühlen Kopf bewahrenDie Entscheidung, als Nächstes das Kyll-Areal vor dem Bahnhof umzubauen, ist richtig. Es ist der zentrale Bereich des gesamten Vorhabens mit dem höchsten Publikumsverkehr. Er kann zur Visitenkarte Gerolsteins werden. Der Zugreisende, der am Bahnhof aussteigt, kann - wenn der Kyll-Umbau gut gemacht wird - sogleich einen tollen ersten Eindruck der Brunnenstadt erhalten. Ein Effekt, der gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Spätestens jetzt müsste bei aller Euphorie aber auch Nüchternheit einkehren und trotz aller so schönen Pläne ein kühler Kopf bewahrt werden. Denn die erstmals vorgelegten Kostenschätzungen für die weiteren Ausbaupläne der Kyll zeigen auf, was Kritiker schon lange befürchtet haben - und dafür von der Stadtspitze viel gescholten wurden: Die stets als Obergrenze benannten drei Millionen Euro fürs Gesamtprojekt werden deutlich überschritten. Derzeit wird von weiteren 4,25 Millionen Euro ausgegangen. Zusammen mit den 1,25 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt macht das Gesamtkosten von 5,5 Millionen Euro aus. Das ist fast doppelt so viel wie bislang stets angenommen. Daher müssen die verantwortlichen Stadtpolitiker bei jedem einzelnen Vorhaben exakt prüfen, ob alles sinnvoll und notwendig ist und die Stadt sich das leisten kann. Komplett neue Beläge für die Kirmesparkplätze, für die eine Million Euro angesetzt sind, gehören mit Sicherheit nicht dazu. m.huebner@volksfreund.deExtra

Bauvorhaben: Der zweite Abschnitt des Umbaus der Kyll in Gerolstein umfasst das Areal vor dem Bahnhof. Vom Taxigebäude bis zur Postbrücke sollen mehrere Reihen Sitzblockstufen einen Zugang zum Wasser ermöglichen. Im Abschnitt zwischen Postbrücke und Postgebäude sollen nur zwei bis drei Reihen Sitzblockstufen im oberen Bereich entstehen. Zudem soll die Fläche vor dem Bahnhof erhöht werden, sodass eine Ebene bis zur Bahnsteigkante entsteht. Auch der Busbahnhof zwischen Bahnhofs- und Postgebäude soll erneuert werden. Geplante Gesamtkosten: 1,1 Millionen Euro; der Stadtanteil: 110 000 Euro. Die Kosten für den beschlossenen Bau eines Park&Ride-Parkplatzes hinter dem Postgebäude sind noch unklar.
Zeitplan: Bis 30. Juni müssen die beschlossenen Vorhaben beim Ministerium angemeldet werden. Bis Ende November muss dort die detaillierte Planung samt Kostenauflistung nachgereicht werden. Im Winter soll die Ausschreibung und im Frühjahr 2017 der Baustart erfolgen. Das Vorhaben soll im nächsten Jahr auch abgeschlossen werden. mh