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Kletterer stören Uhus beim Brüten

Kletterer stören Uhus beim Brüten

Auf einschlägigen Internetseiten wird der stillgelegte Steinbruch in Hohenfels-Essingen unter den Top-10-Regionen für Fans des Klettersports geführt. Dabei sind die Felsformationen nicht für diese Aktivitäten freigegeben. Der Steinbruch liegt mitten im Vogelschutzgebiet. Die Hobbysportler stören den besonders geschützten Uhu bei der Brut.

Hohenfels-Essingen. Silbern glänzen die Kletterhaken in der Sonne an der Felswand im alten Basaltbruch am Mühlenberg. Sechs Kletterbahnen sind deutlich an der Steilwand zu erkennen. Sie stammen von illegalen Kletterern, denn der Basaltbruch ist nicht für diesen Sport freigegeben. Hans-Peter Felten, Mitglied in der Naturschutzbund (Nabu)-Gruppe Vulkaneifel und der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen, treiben sie Zornesfalten ins Gesicht: "Die illegale Kletterei scheint nicht in den Griff zu kriegen zu sein. Dabei ist hier ein ausgewiesenes Vogelschutzgebiet. Uhus beispielsweise werden bei der Brut gestört." Uhus, die größte Eulenart, steht seit 1936 unter Naturschutz. Felten schätzt, dass sich im Landkreis Vulkaneifel rund 20 Paare angesiedelt haben. Das war nicht immer so. "1982 hat in diesem Bruch der Uhu erstmals seit Jahrzehnten wieder gebrütet. Es war die erste in unserem Landkreis", sagt Felten. Doch Hohenfels-Essingen ist kein Einzelfall. Bereits im Vorjahr wurden im Rockeskyller Bruch Haken der Sportler, die illegal klettern, entfernt. Mit viel Aufwand, weil die Stahlhaken nur mit einer Flex abzukriegen sind. Felten berichtet, dass die Kommunen meist überrascht auf das illegale Tun der Hobbysportler reagierten. Dabei sind nicht nur die Kletterer ein Problem. Viele bouldern auch. Mit Bouldern (englisch boulder, Felsblock) bezeichnet man das Klettern ohne Seil oder Gurt an Felswänden. Die Boulderer klettern so hoch sie ohne technische Hilfe kommen, aber noch abspringen können. Vorher legen sie so genannte Bouldermatten (Crashpads) auf dem Boden aus, damit der Sprung abgefedert wird und beim Aufprall keine Verletzungen durch spitze Steine entstehen können. Otmar Eul, Ortsbürgermeister von Hohenfels-Essingen, erklärt: "Das ist ein Verein aus Düsseldorf. Das sind wohl die, die auch in Rockeskyll waren. Sie hatten angefragt, und es sollte ein Treffen mit dem Grubenbetreiber und dem Jagdpächter vereinbart werden, was bis heute nicht stattgefunden hat." Seit eineinhalb Jahren habe er nichts mehr gehört. Eul: "Bei den Felsen unterhalb der Grotten würden wir mit uns reden lassen." Felten verweist die Kletterer auf die eigens von der Aufsichtsbehörde ausgewiesenen Kletterfelsen an der Hustley bei Gerolstein. "Da können sie organisiert ihrem Vergnügen nachgehen", sagt Eul. Spaziergänger würden den Uhu bei der Brut und Aufzucht nicht stören. Eher schon die Paläontologen, die "auch wie die Gemsen durch die Brüche klettern". Die Grubenbetreiber ständen auf Seite des Vogelschutzes. Oft legten sie auf sein Bitten hin spezielle Brutnischen in den Brüchen an, bevor sie diese stilllegten. Hintergrund Vogelschutzgebiet Vulkaneifel: Das Vogelschutzgebiet (VSG) Vulkaneifel umfasst nicht, wie der Name vermuten lässt, den gesamten Landkreis. Lediglich 706 der insgesamt 91097 Hektar Gesamtkreisfläche machen das VSG aus. Die Uhu-Bestände waren der Hauptgrund für die Ausweisung des VSGes nach EU-Richtlinien. Das VSG Vulkaneifel setzt sich aus folgenden 14 Einzelarealen zusammen: Goosberg bei Daun-Steinborn, Oberstadtfeld bis Nerother Kopf, Asseberg bei Daun-Waldkönigen, Mühlenberg bei Hohenfels-Essingen, Gerolsteiner Dolomiten, Rother Kopf, Rockeskyller Kopf, Goßberg bei Walsdorf, Arensberg bei Walsdorf, Meerbusch bei Kerpen, Weinberg zwischen Berndorf und Kerpen, Aufschluss Nähe Üxheim, Luhwald und Rudderbüsch bei Oberbettingen. (vog)