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Kölner Kraftzwerg zum Kampfpreis

Kölner Kraftzwerg zum Kampfpreis

Der schnellste Fiesta aller Zeiten bringt 182 PS/134 kW Leistung mit, ist 220 km/h schnell und in 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h. Ford bietet den Dreitürer ab 19 990 Euro an.

Köln. Bei ersten Testfahrten mit dem neuen Ford Fiesta ST auf den Straßen oberhalb der Cote d\'Azur in den französischen Seealpen waren wir schier überwältigt von einem agilen Fahrwerk, einem kraftvollen Motor und Fahrspaß pur zum kleinen Preis. Der Wagen ist zwar spürbar hart abgestimmt, aber angesichts der enorm hohen Kurvengeschwindigkeiten ist das verschmerzbar.
Viel später als erwartet erreicht der Fiesta ST in schnellen Kurven den Grenzbereich der Boden haftung. Aber anstatt zu untersteuern, also als typischer Fronttriebler mit den Vorderrädern zum Kurvenäußeren hin zu schieben, wird der kleine Kölner am Heck leichter und beginnt zu übersteuern. Das ist mit Gegenlenken beherrschbar und zeugt von feinster Fahrwerkstechnik. Geänderter Sturz, neue Radträger und ein elektronischer Helfer namens Torque Vectoring Control (TVC) gehören ebenso zum Paket wie ein dreistufiger Schleuderschutz (ESP). Der lässt sich ganz ausschalten oder erlaubt im Sportmodus leichte Driftwinkel.
Aus der Doppelrohr-Auspuff anlage brüllt, kreischt und röhrt bei höheren Drehzahlen mark erschütternder Motorensound, beim Dahingleiten herrscht hingegen kultivierte Zurückhaltung. Sound Symposer nennt Ford den Ohrenschmaus, der akustisch zur astreinen Straßenlage und dem hervorragenden 1,6-Liter-Turbo benziner mit Direkteinspritzung passt. Der ST wird nicht mit einem Schlüssel, sondern per Knopfdruck gestartet. Er hat einen Overboost. Diese Einrichtung erhöht bei starker Beschleunigung vorübergehend den Ladedruck des Turbos über seinen üblichen Wert. So liegen kurzzeitig 200 PS/ 147 kW statt 182 PS/ 134 kW an, was den Spurt auf 100 km/h in 6,9 Sekunden ermöglicht. Das Drehmoment klettert dann für bis zu 15 Sekunden auf 290 Newtonmeter (Nm). Sonst liegen bereits imposante 240 Nm an, und zwar bei niedrigen Drehzahlen ab 1600 U/min. Kein Turboloch nervt den Fahrer. Der Normverbrauch von 5,9 Litern wirkt aber sehr optimistisch, denn der ST genehmigt sich bei flotter Fahrt schnell mal 8,4 Liter.
Der Innenraum hält, was das Äußere des um 15 Millimeter tiefergelegten Fiesta mit Spoilerwerk rundum, großem Frontgrill und Heckdiffusor verspricht. Recaro-Sitze umgeben die Passagiere wie maßgeschneidert, edles Leder wertet Lenkrad, Schaltknauf und Handbrems hebel auf. Geht es zügig durch die Kurven, fehlen dem Beifahrer große Haltegriffe.
Den attraktiv gestylten Fiesta ST bietet Ford in drei exklusiven Farben an: zwei Rottöne und Performance-Blau. Zur umfangreichen Serienausstattung zählen 17-Zoll-Felgen, Recaro-Sitze und Klimaanlage. Die gehobene Variante ST mit Leder-Sportpaket, Sony-Audiosystem sowie Zwei zonen-Heizung für Sitzfläche und Rückenlehne liegt für 20 990 Euro immer noch auf niedrigem Niveau im Vergleich zur Rennsemmel-Konkurrenz von Seat, VW, Renault, Citroën, Mini, Opel oder Renault.