| 19:14 Uhr

Rente zu niedrig, Schulden zu hoch: Altersarmut nimmt dramatisch zu

Trier. Wenn die Rente nicht zum Leben reicht: Immer mehr Menschen sind im Alter arm. Die Schuldnerberatungen aus der Region berichten von steigenden Beratungszahlen und warnen vor einer wachsenden Armutsfalle bei Senioren. Sabine Schwadorf

Eine neue Brille, mehr und teurere Medikamente, der Tod des Ehepartners und damit auch der Wegfall der einkommenssichernden Rente: Gründe für eine Überschuldung im Alter gibt es viele. Die Zahl der Betroffenen hat sich in den vergangenen beiden Jahren dramatisch erhöht: plus 35 Prozent bei den über 70-Jährigen und plus 12 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform festgestellt hat.

Wer mehr Fixkosten hat, als er mit seinen monatlichen Einkünften schultern kann, gilt allgemein als überschuldet. Bundesweit gibt es 6,7 Millionen Deutsche mit nachhaltigen Zahlungsstörungen.

Ein Trend, den die Schuldnerberatungen in der Region Trier bestätigen. "Die Altersarmut hat sich in den vergangenen beiden Jahren auffällig erhöht", sagt Eva-Maria Schmitt von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes in Trier. Trotz gleichgebliebener Wartezeiten auf eine Beratung von bis zu drei Monaten habe gerade die Zahl Älterer zugenommen. "Die meisten Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, wie gering ihre Rente ist."

Ähnlich beschreibt es Anne Bereths-Weber von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes Trier: "Viele sind überzeugt, mit einer winzigen Rente auskommen zu können. In den meisten Fällen gibt es auch nichts mehr zu pfänden", hat sie festgestellt. Und für eine Privatinsolvenz, die zu einer Schuldenfreiheit nach sechs Jahren führt, sei es für alte Menschen häufig zu spät. Man versuche dann zu retten, was zu retten sei, und suche den Kontakt zu Gläubigern und späteren Erben. "Eine sehr zeitintensive Beratung!"

Bis die Rentner den Weg zur Schuldnerberatung finden, haben sie häufig an allen Ecken gespart, auf vieles verzichtet - bis es nicht mehr ging. Etwas, das sich künftig noch verstärken könnte, wie die Schuldnerberatungen befürchten.
Herbert Eberhard, Geschäftsführer von Creditreform Trier und Luxemburg, hält fest: "Der Trend zur Altersarmut hat sich verfestigt. Auch wenn er in der Region noch nicht ganz so stark ist wie bundesweit, in fünf bis zehn Jahren wird dies ein Megatrend werden", ist er überzeugt. Denn zwischen sinkendem Rentenniveau und Altersarmut gebe es eine klare Verbindung. Schon heute liegt das Rentenniveau bei rund 50 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Mehr zum Thema

In der Region sind weniger Menschen überschuldet als im Bundesvergleich - Aber die Zahl älterer Schuldner steigt