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Kreisklinik in Saarburg: Falscher Notarzt auf der Intensivstation

Kreisklinik in Saarburg: Falscher Notarzt auf der Intensivstation

Warum ist ein 27-jähriger Saarländer nachts auf der Intensivstation aufgetaucht, hat sich als Notarzt ausgegeben und wollte eine Patientin abholen? Dieser Frage geht derzeit die Saarbrücker Staatsanwaltschaft nach. Sie hat Vorermittlungen gegen den Mann eingeleitet - wegen Titelmissbrauchs und wegen gefährlicher Körperverletzung.

Saarburg/Saarbrücken. Zweimal tauchte der Mann an einem Wochenende im Juni mitten in der Nacht auf der Intensivstation des Saarburger Krankenhauses auf. Er gab an, Notarzt zu sein und eine Patientin in die Uni-Klinik ins saarländische Homburg verlegen zu wollen. Beim ersten Mal, in der Nacht zum 11. Juni, hat sich das Personal auf der Intensivstation womöglich noch gedacht, es handele sich um einen Irrtum, weil ihnen der Namen der Patientin nicht bekannt war.
Als dann der Mann einen Abend später erneut in Arztmontur auf der Station erschien, um die offensichtlich nicht existierende Patientin abzuholen, wurden Pfleger und Ärzte des Saarburger Krankenhauses misstrauisch. Sie baten den vermeintlichen Notarzt, im Schwesternzimmer zu warten. Man werde nach der Patientin schauen, sagten sie ihm. Tatsächlich aber erkundigten sie sich bei der Uni-Klinik in Homburg, ob man dort einen Notarzt damit beauftragt habe, eine Frau auf der Saarburger Intensivstation abzuholen. Als das verneint wurde, wurde die Polizei in Saarburg informiert.
"Durch das umsichtige Verhalten der Kollegen der Intensivstation und der sehr guten Zusammenarbeit mit der Saarburger Polizeidienststelle sowie der Uniklinik Homburg wurde die Person in Gewahrsam genommen", sagt Krankenhaussprecherin Ute Bertram. Bei dem Mann handelt es sich um einen 27-jährigen Krankenpfleger aus dem Saarland, wie Viktoria Hänel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Es gebe Vorermittlungen gegen ihn. Der Mann ist laut Ute Bertram nicht im Saarburger Krankenhaus beschäftigt. Wegen des Auftretens als falscher Notarzt steht der 27-Jährige im Verdacht des Titelmissbrauchs. Warum er sich als Arzt ausgab, ist unklar. Auch warum er im Saarburger Krankenhaus aufgetaucht ist.
Neben dem Vorwurf des Titelmissbrauchs prüft die Saarbrücker Staatsanwaltschaft aber auch, ob sich der Mann der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben könnte. Es soll Hinweise geben, dass er Schlaftabletten in hoher Konzentration an Patienten verabreicht haben soll. Diese mutmaßlichen Vorfälle hätten sich jedoch nicht im Saarburger Krankenhaus ereignet, stellt Sprecherin Bertram auf Anfrage klar. Wo und ob der Mann als Krankenpfleger arbeitet, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.
Der Mann, der nach Recherchen des Saarländischen Rundfunks "äußerst häufig den Arbeitsplatz" gewechselt haben soll, streitet offenbar den Vorwurf der Medikamentengabe ab. Daher ist derzeit unklar, ob Patienten zu Schaden gekommen sind.
Im Saarburger Krankenhaus hat der falsche Notarzt auf jeden Fall Hausverbot, wie Klinik-Sprecherin Bertram mitteilt.