Fast schon ein eigenes Genre

Fast schon ein eigenes Genre

Alle haben sie die Eifel erobert - oder die Eifel sie: Die Künstler der Düsseldorfer Schule entdeckten die Landschaft für die Malerei, nun gibt eine neue Ausstellung im Kunstkabinett der Dr.-Axe-Stiftung in Kronenburg in der Nordeifel einen Überblick über ihr Schaffen.

Kronenburg/Bonn. Er verliebte sich als Erster: Carl Friedrich Lessing, Großneffe des Dichters Gotthold Ephraim Lessing, zog bereits im Jahr 1832 mit Pinsel und Palette durch die Eifel. Viele taten es ihm später nach, der Bekannteste unter ihnen: Fritz von Wille. Aber auch Künstler wie Wilhelm Degode und Eugène Dücker, Caspar Scheuren, Carl Dahl, Eugen Kampf, Maximilian Klein von Diepold und Hans Richard von Volkmann malten die Burgruinen und bizarren Felsformationen, die Vulkanseen und Maare und Krater. Es waren die Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule, die die Eifel für die Kunst entdeckten. Gekommen waren sie über das Ahrtal, entdeckt hatten sie eine eigene kleine Welt, die sie so schnell nicht mehr loslassen sollte: "Sie waren fasziniert von der abwechslungsreichen Landschaft, von der Mystik und dem Kargen, Einsamen, Menschenleeren. Es war eine unberührte Natur, die sich ihnen offenbarte", sagt Kunsthistorikerin Christiane Pickartz, die seit sechs Jahren die Ausstellungen zur Düsseldorfer Malschule im Kunstkabinett der Dr.-Axe-Stftung in Kronenburg im Oberen Kylltal organisiert - und sich nun auf die mittlerweile sechste besonders freut, denn die, erzählt sie, sei etwas ganz Besonderes: "So etwas hat es noch nicht gegeben."
Unter dem Titel "Die Eifel im Bild - Düsseldorfer Malerschule" werden mehr als 70 Werke von 29 Künstlern gezeigt. Der Anspruch: Sie sollen die ganze Palette, ja, die Entwicklung der Eifel-Bilder zeigen.
Die Kunstgeschichte habe in den vergangenen Jahren vieles zur Düsseldorfer Malerschule aufgearbeitet, und mit dieser Ausstellung wolle man dazu nun einen weiteren Beitrag liefern, sagt die Kuratorin: "Wir stellen die Frage: Welche Künstler eroberten die Eifel? Welche Motive haben sie dort vorgefunden? Und welche haben sie in die Düsseldorfer Malerei hineingebracht?"
Daher bestehe diese Ausstellung auch nicht nur aus Bildern aus dem Bestand der Dr.-Axe-Sammlung - die heute auf insgesamt 460 Arbeiten angewachsen ist -, sondern werde durch Leihgaben ergänzt: aus dem Museum Zitadelle, Jülich, dem Mittelrhein-Museum, Koblenz und der Sammlung RheinRomantik, Bonn. Auch Bilder privater Sammler sind zu sehen. "Wir möchten die Entwicklung vollständig abdecken", sagt Christiane Pickartz. So lasse sich der Weg der Eifel-Kunst nachvollziehen: von Ideallandschaften mit phantastischen Schlossanlagen in der Zeit der Spätromantik über den Realismus und Impressionismus bis zu den Anfängen der Moderne.
Auch der Wandel der Landschaft selbst lasse sich in den Eifel-Bildern entdecken: "Früher war die Eifel viel bewaldeter." Und damit macht die Ausstellung auch die Region selbst zum Thema. Das möchten die Menschen auch sehen, sagt die Kunsthistorikerin: "Sie sind begeistert von der Malerei, die so naturverbunden ist. Die Eifel hat zu allen Zeiten ihre Freunde gehabt." Damals - und heute.
"Die Eifel im Bild - Düsseldorfer Malerschule", Ausstellung im Kunstkabinett der Dr.-Axe-Stiftung, Gerichtsstraße 12, Kronenburg/Dahlem, bis 11. Juni 2017, Mittwoch bis Sonntag: 12 bis 17 Uhr, öffentliche Führung an jedem ersten Sonntag im Monat, um 15 Uhr, Eintritt und Führungen sind kostenfrei. Zur Ausstellung wird, herausgegeben von Ekkehard Mai, ein 208 Seiten umfassender Katalog im Imhof Verlag erscheinen und im Buchhandel für 29,95 Euro erhältlich sein. Weitere Informationen unter: 06557/9019872 und <%LINK auto="true" href="http://www.axe-stiftung.de" text="www.axe-stiftung.de" class="more"%>
Extra

Foto: Barbara Frommann (e_bit )
Foto: (e_bit )

Die Dr.-Axe-Stiftung wurde 1997 von Hans Günther Axe ins Leben gerufen und hat ihren Sitz in Bonn. Seit 2009 baut sie eine Sammlung mit Gemälden der Düsseldorfer Malerschule auf, die in wechselnden Präsentationen in ihrem Kunstkabinett in Kronenburg, das 2011 eröffnet wurde, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Den Standort des Kunstkabinetts hat der Stifter noch selbst ausgewählt, bevor er 2008 im Alter von 87 Jahren starb. Neben der Förderung von Kunst und Kultur widmet sich die Stiftung der Opfer- und Altenhilfe sowie dem Tierschutz. eib

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