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Abfall
Gute Güte: Jetzt kommt die Biotüte

So sehen sie aus, die Eimerchen mit den Tüten: Peter Hillen von der Verbandsgemeinde Prüm präsentiert uns das sogenannte Starterset.
So sehen sie aus, die Eimerchen mit den Tüten: Peter Hillen von der Verbandsgemeinde Prüm präsentiert uns das sogenannte Starterset. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV
Prüm/Bitburg/Bleialf. Die aktuelle Abfallfibel für die Region ist verteilt und bietet, nach den zornigen Reaktionen vieler Bürger auf die Vorjahresbroschüre, einige Besserungen. Neuen Ärger bringt aber der Entsorgungsmodus für organische Reste. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Das Werk hat eine höhere Auflage als vermutlich 95 Prozent aller Bücher, die übers Jahr so veröffentlicht werden: 298 000 Stück – so viele Exemplare seiner „Abfallfibel“ hat der A.R.T. zum Jahresende wieder unter die Leute gebracht.

A.R.T., das steht für den Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier. Und der hatte im vorigen Jahr aus allen Ecken der Region einiges um die Ohren bekommen, nachdem die Fibel erschienen war. Die Vorwürfe der Bürger: Abholtermine nicht lesbar, weil viel zu klein. Das ganze unübersichtlich, ein herrischer Ton, dazu allerhand Fehler.

Auch wir im TV griffen das Thema auf, unter anderem mit unserer ironischen Geschichte an Heiligabend 2016, in der unsere Leserin Anna Peters aus Bleialf eine tragende Rolle spielte.

Jetzt ist die neue Fibel da. Und Anna Peters hat sich wieder gemeldet. Nicht als einzige Leserin. Auch aus Prüm kam Post. Aber, halt: Zuerst das Gute: Der Zweckverband geht im Vorwort dankenswerterweise auf die Kritik vom vorigen Jahr ein: Die Fibel habe „Irritationen und Unverständnis“ ausgelöst, die Defizite habe man behoben „und die Verbesserungsvorschläge bei der Neuauflage einfließen lassen“.

Und tatsächlich: Der Ton ist geschmeidiger. Und man findet seine Termine jetzt leichter. Im Vulkaneifelkreis sogar noch ein bisschen schneller als im Eifelkreis Bitburg-Prüm – weil dort alle Abfuhrtermine für jeden Ort einzeln aufgeführt sind.

Im Eifelkreis, der allerdings auch größer ist, sind hingegen nicht alle Abfuhrtermine pro Dorf und Stadt abgedruckt. Dort steht zunächst dann nur in der Leiste ganz oben: „Restabfälle alle 2 Wochen“, unterteilt in „G“ und „U“ für gerade und ungerade Wochen.

Bei Papier und gelben Säcken ist es noch etwas komplizierter: Dort findet man oben nur die Angabe: „Alle 4 Wochen.“ Und zum Beispiel für Dahnen in der Verbandsgemeinde Arzfeld: „Fr. U KW 3“. Soll heißen: Erste Abholung ist am Freitag in der ungeraden, dritten Kalenderwoche. Das tatsächliche Datum muss man sich dann im hoffentlich irgendwo bereitliegenden Jahreskalender suchen. Danach geht es in diesem Rhythmus alle zwei Wochen weiter.

Puh. Man kann es kapieren. Aber es ist Arbeit. Und wer denkt schon in Kalenderwochen? Zudem ist immer noch alles sehr klein gedruckt. Rettung bringen da die Amtsblätter: Denn darin soll noch einmal jeder Termin extra angekündigt werden.

Im Eifelkreis kommt außerdem noch etwas Neues hinzu: Die Biotüte. Die es in der Vulkaneifel nicht gibt, weil dort die Bürger diese Abfälle in die braune Tonne werfen und die dann an die Straße rollen können. Die Tonne aber wiederum haben die anderen Kreise nicht. Daher: Tüte.

Tja. Da hat sich dann Anna Peters noch einmal beim TV gemeldet. „Bis die voll ist“ sagt sie über die Biotüte, „haben die Maden schon ihr Werk getan.“ Und nicht nur Anna Peters findet das komisch, sondern auch Ursula Rogers aus Prüm. Die dann auch gleich ein paar feine Vorschläge zum Thema Tüte schickt.

Erst aber haben wir in der Verbandsgemeinde (VG) angerufen: Denn dort erhält man laut Abfallfibel sein sogenanntes Starterset – nach Vorlage des Coupons, der in der Fibel abgedruckt ist. Dann kriegt man zehn Tüten. Und einen Eimer. „Der ist dafür da, die Biotüten reinzustellen“, sagt Alexander Platt von der Abteilung Bürgerdienste. Und habe eine Klappe, damit es nicht aus dem Eimer rausriecht. „Wir haben 300 Eimer hier“, sagt Platt. „Plus Tüten.“ Also 3000 Stück. Eine Hand voll Bürger seien schon dagewesen, um die Tüten-Eimer einzusacken.

Das Problem: Die Eimer, beziehungsweise die Tüten, werden, sobald voll, nicht abgeholt. Man muss sie zur nächsten Annahmestelle bringen. Und die ist, von Prüm aus, in Weinsheim. Ursula Rogers hat aber kein Auto. Und deshalb ein paar Ideen geschickt: „Erste Möglichkeit: Einrichtung eines Shuttlebusses nach Weinsheim.“ Denn „so ein Zehn-Liter-Eimer ist schnell voll, wenn noch das Unkraut aus dem Garten, das sich nicht kompostieren lässt – Quecke, Vogelmiere, Giersch – dazu kommt.“ Ihr Rat: „Am besten mehrmals täglich fahren.“

Zweiter Vorschlag: „Eine Eimerkette bis Weinsheim bilden. Dann müsste niemand die ganze Strecke laufen. Vielleicht unterwegs einige Buden mit Getränken und Verpflegung aufstellen. Und Toilettenhäuschen. Für alle Fälle.“

Und schließlich: „Eine regelmäßige Wallfahrt Gleichgesinnter von Prüm nach Weinsheim. Menschen aus anderen Orten könnten sich anschließen, unterwegs fröhliche Lieder singen, sodass die Zeit wie im Fluge vergehen würde.“

Ideen, die auch Anna Peters gut findet. Den Rest aber nicht: In diesem Jahr werde sie 85, sagt sie. Aber so etwas wie diese ganze Abfallsache habe sie noch nicht erlebt: „Das ist doch nicht zu fassen.“

So sehen sie aus, die Eimerchen mit den Tüten: Peter Hillen von der Verbandsgemeinde Prüm präsentiert uns das sogenannte Starterset.
So sehen sie aus, die Eimerchen mit den Tüten: Peter Hillen von der Verbandsgemeinde Prüm präsentiert uns das sogenannte Starterset. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV
Anna Peters und die Abfallfibel vom Vorjahr.
Anna Peters und die Abfallfibel vom Vorjahr. FOTO: Fritz-Peter Linden / e_pruem <e_pruem@volksfreund.de>