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Warum der Kunstrasen teurer ist

 Der Kunstrasenplatz im Stadion Ost in Bitburg ist rund 27 000 Euro teurer als ursprünglich geplant. TV-Foto: Dagmar Schommer
Der Kunstrasenplatz im Stadion Ost in Bitburg ist rund 27 000 Euro teurer als ursprünglich geplant. TV-Foto: Dagmar Schommer
Die Schlussrechnung der Firma für den Kunstrasenplatz im Bitburger Stadion lag rund 27 000 Euro über dem angebotenen Preis von rund 575 000 Euro. Zur Frage, ob solche Auftragsüberschreitungen normal sind, haben die Fraktions-Chefs unterschiedliche Meinungen. Von unserer Redakteurin Dagmar Schommer

Bitburg. "Baukostenüberschreitungen sind bei öffentlichen Bauvorhaben unerfreuliche Normalität", sagt Stefan Winkel vom Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz. Für die Stadt Bitburg sagt Berthold Steffes vom Tiefbauamt: "Auftragsüberschreitungen sind nicht die Regel." Wohl auch deshalb hat die Auftragsüberschreitung beim Projekt Kunstrasenplatz im Stadion Ost in Höhe von 4,7 Prozent (siehe Korrektur) für Gesprächsstoff gesorgt.

Wie es zu den Mehrkosten von rund 27 000 Euro beim Bau des Kunstrasenplatzes im Stadion Ost gekommen ist, erklärt Tiefbauamt-Chef Steffes. Hintergrund sind zum einen drei Positionen, die zunächst nicht eingeplant waren, sowie ein Posten, der zu knapp kalkuliert war:

Gitterzaun: Rund 6000 Euro zusätzliche Kosten hat ein zwei Meter hoher Gitterzaun verursacht, der zwischen Kunstrasenplatz und Hauptrasenplatz gesetzt wurde. "Dieser Zaun war ursprünglich nicht geplant und war deshalb auch nicht mitausgeschrieben worden", sagt Steffes. Der Zaun sei aber für sinnvoll erachtet worden, da sonst die Bälle von einem auf den anderen Platz rollen würden.

Gabionen: Rund 5200 Euro hat eine Reihe von Gabionen, das sind in Draht gebundene Steinkörbe, gekostet, die auf einer Länge von 30 Metern entgegen der ursprünglichen Planung angebracht wurde. Grund: "Diese zusätzlichen Gabionen erleichtern die spätere Pflege und Unterhaltung der Außenanlage", sagt Steffes.

Pflegegerät: Ausgeschrieben war ein Kunstrasen-Pflegegerät, das an einen vorhandenen Schlepper angehängt werden sollte. Der Stadt wurde dann ein Gerät angeboten, das zwar teurer ist, aber dafür mit einem eigenen Schlepper ausgerüstet war, der sich im Vergleich zu dem vorhandenen Schlepper durch ein neueres und den Kunstrasen schonenderes Antriebssystem auszeichnet. "Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile haben wir uns für die neue Gerätekombination entschieden", sagt Steffes. Zusatzkosten: 3100 Euro.

Lava: Der dickste Posten bei den Mehrkosten ist mit rund 12 500 Euro die Lava, die entgegen der ursprünglichen Berechnung der Stadt zusätzlich zum Profilausgleich benötigt wurde. Der Profilausgleich sei unterschätzt worden, sagt Steffes und erklärt: "Bei einer Fläche von fast 10 000 Quadratmetern führen schon wenige Zentimeter Abweichung im Profil zu erheblichen Massenmehrungen."

Hinzu kommt: 15 000 Euro der Mehrkosten hat der FC Bitburg mit Geld aus einer Spendenaktion abgedeckt. Bürgermeister Joachim Kandels hebt hervor, dass durch die zusätzlichen auch Kosten ein Mehrwert entstanden sei: "Alles in allem ist das ein vorbildliches Projekt, das die Stadt und die beteiligten Vereine gemeinsam auf die Beine gestellt haben."UMFRAGE Stimmen zum Thema: Die Fraktions-Chefs des Bitburger Stadtrats sind verschiedener Meinungen zur Auftragsüberschreitung beim Projekt Kunstrasenplatz: Peter Wagner (CDU): "Die Herstellung eines Erdplanums in fast ebener Fläche gehört zu den einfachsten Aufgaben eines Tiefbauers. Es kann nicht sein, dass die ausführende Firma den Lava-Verbrauch nicht überprüft hat." Rudolf Rinnen (Liste Streit): "Die Rasenplätze in den Ortsteilen können über den Winter regenerieren, was für Vereine und Stadt die Pflegearbeiten reduziert. Das Projekt ist nachhaltig und einer Sportstadt würdig." Manfred Böttel (FBL): "Leider interessiert sich die Presse nicht, wenn Kosten unterschritten werden. Oft kommt es zu unvorhersehbaren Arbeiten. Auftrags-Über- oder Unterschreitungen von fünf Prozent sind die Regel." Johannes Roß-Klein (Grüne): "Bei dem angespannten Haushalt schmerzt eine Auftragsüberschreitung von 27 000 Euro schon sehr. Damit könnten wir den Stadtsäckel entlasten und beginnen, Schulden zurückzuzahlen." Marie-Luise Niewodniczanska (FDP): "Eine Überschreitung der Baukosten um fünf Prozent ist kein Ruhmesblatt. Nirgendwo sind so oft solche erhöhten Zahlen zu finden wie bei öffentlichen Aufträgen der Gemeinden." Stephan Garçon (SPD): "Die Experten im Bauausschuss checken jede Auftragsüberschreitung ganz genau. In diesem Fall war die Überschreitung von 4,69 Prozent absolut im Rahmen, korrekt abgerechnet und seriös."