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Wo ein Krupp in der Eifel starb

Ein Gedenkstein erinnert an die Absturzstelle des Krupp-Nachkommens Claus von Bohlen und Halbach bei Metterich. TV-Foto: Gereon Schlossmacher
Ein Gedenkstein erinnert an die Absturzstelle des Krupp-Nachkommens Claus von Bohlen und Halbach bei Metterich. TV-Foto: Gereon Schlossmacher
Im Januar 1940 stürzte Leutnant Claus von Bohlen und Halbach mit dem Flugzeug bei Metterich ab. An ihn und all die anderen Gefallenen der Weltkriege erinnern heute eine kleine Kapelle und ein Gedenkstein im Wald bei Metterich. Von unserem Mitarbeiter Gereon Schlossmacher

Metterich. "Wir hatten Unterricht und saßen in der Schule. Auf einmal gab es dann einen furchtbaren Krach, und wir schreckten alle auf. Dann rannten wir in den Wald, wo das Flugzeug abgestürzt war."

Mit diesen Erinnerungen denkt die heute 81-jährige Irmgard Busch aus Metterich an den Vormittag des 10. Januar 1940. An den Tag, an dem Leutnant Claus von Bohlen und Halbach mit seinem Kampfflieger in den Wald bei Metterich stürzte.

Der Leutnant wurde am 18. September 1910 als zweiter Sohn von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und seiner Frau Bertha Krupp von Bohlen und Halbach geboren. Sein Studium, unter anderem in Berlin und Oxford, schloss er 1935 als Diplom-Ingenieur ab, und schon 1938 leitete er eine Metallfabrik des Krupp-Imperiums in Österreich. Im gleichen Jahr heiratete er.

1939, nach der Geburt seines Sohns, nahm er als Leutnant am Polen-Feldzug teil. Am 10. Januar 1940 verunglückte Claus von Bohlen und Halbach dann mit seiner Messerschmidt Me 109 bei einer Übung über der Eifel. Laut Protokoll der Luftwaffe war die Sauerstoff-Anlage der Maschine vereist. Von Bohlen und Halbach wurde nach dem Unglück in Essen beigesetzt.

Heute erinnert eine Kapelle an die vielen Opfer der beiden Weltkriege. Und nur ein paar Schritte daneben steht ein Gedenkstein für den jungen Soldaten. Genau an der Stelle, an der Claus von Bohlen und Halbach so tragisch ums Leben kam. Die Kapelle und der Gedenkstein wurden 1957 errichtet. Einen großen Teil der Kosten übernahm die Firma Krupp. Aber auch die Mettericher bemühten sich sehr um das Mahnmal im Wald. So wurde der Gedenkstein für Claus von Bohlen und Halbach beispielsweise von einem Mettericher Bildhauer geschaffen. Auch wenn die Krieger-Gedenkkapelle seit mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnten bei Metterich steht, kümmert sich der Ort, auch neben der jährlichen Gefallenenehrung, beständig um seine Kapelle. Bürgermeister Rainer Wirtz ist darauf stolz: "Besonderer Dank gilt der freiwilligen Feuerwehr und dem Backverein, die sich um viele Renovierungsarbeiten kümmern."

69 Jahre sind seit dem Absturz vergangen, und das ZDF hat die Familiengeschichte der Krupps kürzlich aufwendig in Szene gesetzt. Unvergleichbar authentischer sind aber die Bilder, die Irmgard Busch noch heute vor Augen hat, wenn sie sich an den Morgen des 10. Januar 1940 erinnert. Ein wenig davon kann man spüren, wenn man selber vor dem Gedenkstein bei Metterich steht und sich das Geschehene einmal vor Augen führt.