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Gesundheit
Auf die Grundeinstellung kommt es an

Der blista-Referent Bernd Wilhelm (Zweiter von rechts) gibt Erika Spindler (vorne) und Olga Volz (links) und Inge Hay (Zweite von links) Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt.
Der blista-Referent Bernd Wilhelm (Zweiter von rechts) gibt Erika Spindler (vorne) und Olga Volz (links) und Inge Hay (Zweite von links) Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt. FOTO: Brigitte Bettscheider
Uersfeld/Daun. Auf Initiative von Roswitha Karst, die 2017 für die Vulkaneifel eine Selbsthilfegruppe (SHG) für Menschen mit Netzhauterkrankungen gründete, hat Bernd Wilhelm einen Kurs „Kochgenuss bei Sehverlust“ gehalten.

Mit dem „Sehmobil“ ist Bernd Wilhelm von der blista mit Sitz im hessischen Marburg an das Pfarrheim Uersfeld als Tagungsort gekommen. Er lädt nun kistenweise aus, was er zur Schulung benötigt.

Die farbigen Platzsets und Servietten („Der Kontrast zum hellen Tisch und zum weißen Geschirr ist wichtig“, erklärt er); die Füllstandsanzeiger für Flüssigkeiten, die am Tassen- oder Glasrand befestigt werden und bei einer bestimmten Menge ein akustisches Signal geben oder vibrieren; die Küchenwaage, die auf Knopfdruck sagt: „Ich bin bereit“ und  exemplarisch auf das Auflegen des Sparschälers mit der Ansage reagiert: „53 Gramm“; den faltbaren Blindenlangstock und die so genannte Begleitkordel für Spaziergänge zu zweit und was sonst noch alles.

Roswitha Karst als die Initiatorin und Ansprechpartnerin der SHG (siehe Info) hat die Lebensmittel besorgt – für das Frühstück zu Beginn und für das spätere Mittagessen.

   „Heute ist eine absolute Premiere“, erklärt der Referent. Sei doch die Schulung ursprünglich als Vor-Ort-Veranstaltung bei der blista in Marburg konzipiert. „Doch uns hat die Idee von Roswitha Karst gefallen, mit dem Angebot aufs Land zu kommen“, sagt Bernd Wilhelm. Die Resonanz sei erfreulich. Der Kurs ist mit acht Frauen voll belegt. Sieben sind Betroffene, eine ist Begleiterin; eine ist aus Butzweiler bei Trier, die anderen stammen aus dem Landkreis Vulkaneifel.

   Festen Honig flüssigem vorziehen (statt aus Angst, sich zu bekleckern, darauf zu verzichten), die Butter immer von der Mitte der Brotscheibe oder der Brötchenhälfte her aufstreichen, den Belag fächerförmig anrichten – so lauten einige von Wilhelms praktischen Alltagstricks zum Frühstück.

Er ermuntert, eine Brosche mit dem Blindenzeichen (drei schwarze Punkte auf gelbem Grund) zu tragen und einen Blindenstock zu verwenden.

Und er sagt: „Schauen Sie auch auf all das Erreichte und Erlebte, bevor sie sehbehindert oder blind wurden.“ Oder wie die SHG-erfahrene Rosa Ballmann (siehe Extra) es auf den Punkt bringt: „Schlagen wir immer wieder das Buch der schönen Erinnerungen auf.“

   Auf die Grundeinstellung, mit dem Sehverlust umzugehen, komme es an, betont der Referent. Und stellt der munteren Runde Schalen mit Messern und Sparschälern, Schneidbretter, Schüsseln und Kochtöpfe auf den Tisch. Denn zu Mittag gibt es heute Kartoffeln, Karotten und Schnitzel und zum Nachtisch Obstsalat. Alles selbst zubereitet und mit Tipps von Bernd Wilhelm gewürzt.

Angebote wie „Kochgenuss bei Sehverlust“ werden von der AOK Rheinland-Pfalz im Rahmen der kostenindividuellen Förderung finanziell unterstützt.

 Das nächste Treffen der Dauner Außenstelle der Regionalgruppe Trier der Pro Retina Deutschland für Betroffene von Netzhauterkrankungen sowie Angehörige und weitere Interessierte ist am Mittwoch, 18. April, um 14 Uhr im Wirtshaus „Zu den Maaren“ in Daun-Gemünden.

Dabei hält Gudrun Werner vom Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer einen Vortrag über die Vorsorgevollmacht.

 Kontakt und Info: Roswitha Karst, Uersfeld, Telefon 02657/616, E-Mail: pro.retina.karst@gmail.com

Der blista-Referent Bernd Wilhelm gibt Rosa Ballmann Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt. Foto: Brigitte Bettscheider
Der blista-Referent Bernd Wilhelm gibt Rosa Ballmann Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt. Foto: Brigitte Bettscheider FOTO: Brigitte Bettscheider
Der blista-Referent Bernd Wilhelm (Zweiter von links) gibt Evi Maria Jungen (vorne) sowie Irene Lafos (rechts) und Rosa Ballmann (Zweite von rechts) Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt. Foto: Brigitte Bettscheider
Der blista-Referent Bernd Wilhelm (Zweiter von links) gibt Evi Maria Jungen (vorne) sowie Irene Lafos (rechts) und Rosa Ballmann (Zweite von rechts) Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt. Foto: Brigitte Bettscheider FOTO: Brigitte Bettscheider
Der blista-Referent Bernd Wilhelm (Mitte) gibt Rosa Ballmann (links) und Irene Lafos (rechts) Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt. Foto: Brigitte Bettscheider
Der blista-Referent Bernd Wilhelm (Mitte) gibt Rosa Ballmann (links) und Irene Lafos (rechts) Tipps zum sehbehindertengerechten Arbeiten im Haushalt. Foto: Brigitte Bettscheider FOTO: Brigitte Bettscheider