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Das Spiel mit dem Feuer

Beim Zirkus Flic Flac verbindet Hubertus Wawra Feuerkunststücke mit Comedy. Foto: Markus Garscha
Beim Zirkus Flic Flac verbindet Hubertus Wawra Feuerkunststücke mit Comedy. Foto: Markus Garscha FOTO: (g_kultur
Trier. Hubertus Wawra (40) verbindet Feuerkunst und Komik, als "Master of Hellfire" reist er mit dem Zirkus Flic Flac durch ganz Deutschland. Ab dem 2. Juli schlägt der Zirkus, der 25-jähriges Bestehen feiert, sein Zelt in Trier auf. Für Wawra ist das Zirkusleben ein "ganz normaler Job" - auch wenn dabei so einiges passieren kann. Stefanie Braun

Trier. Die Milch ist sauer. So fängt der Tag gar nicht gut an. Es ist zehn Uhr morgens, Hubertus Wawras Stimme klingt noch belegt. Das könnten die Folgen einer langen Nacht sein oder Nebenwirkungen seines Berufs. Der 40-Jährige ist Pyrotechniker und Feuerkünstler im Zirkus Flic Flac.

Milch im Kaffee beruhigt die heisere Stimme. Doch heute gibt es keine. Sie sei wohl schlecht geworden, weil er sie gestern zu lang habe draußen stehen lassen. Dabei habe er einen Kühlschrank. Hubertus Wawra lebt in einem Wohnwagen, seit Januar bis zum Ende der Saison. Aktuell steht er im Trierer Messepark.

Zuvor stand er einen ganzen Monat lang in Köln, für Zirkusleute wie Wawra ist das fast ein Luxus. "Andere Zirkusse bleiben höchstens eine Woche an einem Ort." Romantisch nennen manche dieses Leben. Unvorstellbar, finden es andere. "Manche fangen an zu träumen, von einem Ausreißerleben. Aber das ist es auch nicht, es ist eigentlich ein ganz normaler Job." Und Wawras Traumjob, für den er einiges in Kauf genommen hat. Wie jeder Artist hat er sich schon verletzt. Brandblasen, verbrannte Haare und Augenbrauen zähle er schon gar nicht mehr, sagt er. Aber den Unfall im Jahr 2009 musste er zählen. Damals verbrannte er sich bei einer Weihnachtsdinnershow, gleich bei der Premiere. Sein Vertrag ging über 30 Tage, er wollte die Shows unbedingt durchziehen, also habe er durchgehalten. "So macht man das eben."

Erst nach der letzten Show ging der Feuerkünstler zum Arzt. Die Diagnose: eine Verbrennung dritten Grades, zehn Prozent der Haut mussten transplantiert werden. Wo genau, das verrät er lieber nicht. Nur soviel: "An den Beinen musste was gemacht werden."

Eben doch kein ganz normaler Job, gesteht er, man habe eine völlig andere Verbindung zu dem, was man tue. "Man beschließt ja nicht morgens, dass man gerne Artist werden möchte und abends hat man den ersten Auftritt, sondern man arbeitet jahrelang darauf hin. Nimmt Rückschläge und Verletzungen in Kauf. Da haut einen so etwas nicht mehr um."

Wenn Wawra aus dem Fenster guckt, sschaut er auf den nächsten Wohnwagen. Tür an Tür mit den Kollegen, irgendjemand ist immer draußen und redet oder lacht. 100 bis 120 Menschen arbeiten bei Flic Flac. "Praktisch wohnt man mit den Leuten, mit denen man arbeitet, auch zusammen."

Ob in seinen Adern Zirkusblut fließt? "Nein", sagt er, "aber definitiv Showbusinessblut." Um Zirkusblut in sich zu haben, müsse man im Zirkuswagen geboren sein, das habe fast etwas Aristokratisches. Die 100 Kollegen seien wie eine große Wohngemeinschaft, nur, dass jeder seinen eigenen Kühlschrank habe. Mit eigener Milch.

Flic-Flac-Premiere ist am Donnerstag, 2. Juli, 20 Uhr, im Trie-rer Messepark. Bis 12. Juli gibt es täglich Vorstellungen (wochentags 20 Uhr, samstags 16 und 20 Uhr, sonntags 15 und 19 Uhr). Karten: TV-Service-Center Trier, Hotline 0651/7199-996, www.volksfreund.de/tickets .Extra

Mit acht Jahren entdeckt Hubertus Wawra seine Faszination fürs Feuer, damals brennt er aus Versehen fast das Haus seiner Eltern ab. Mit elf Jahren schnuppert er erstmals Zirkusluft: Sein Vater ist mit einem Zirkusdirektor befreundet. Der Sohn darf in den Ferien mit dem Zirkus mitreisen. Danach beginnt er zunächst eine Ausbildung als Hotelfachmann, bis er mehr will und in London eine Zirkusschule besucht. Beim Jonglieren fehlt ihm die Geduld zum Üben. Um das zu überspielen, zündet er die Bälle an. Seine Kunststücke bringt er sich selbst bei, zu Hause in einem Raum mit hohen Decken. Weil er sonst mit den Flammen "hängen bleibt". Schnell hat er erste Auftritte, baut später auch komödiantische Elemente in seine Shows ein. In der zirkusfreien Zeit, lebt er in einem Dorf in seiner Heimat Thüringen. sbra