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Kräftiger Denkzettel für Katrin Werner

Kräftiger Denkzettel für Katrin Werner

Die rheinland-pfälzischen Linken haben eine neue Führungsspitze, die teils die alte ist. Von einem Quartett, dem auch der Eifeler Wolfgang Ferner angehörte, ist nur das Duo Katrin Werner und Alexander Ulrich übrig geblieben. Beide beschwören einen Neubeginn der zerstrittenen Partei.

Trier. An einem nasskalten Morgen herrscht Betrieb in der Halle der KG Trier-Süd am Bach. In der Heimstatt der Narren treffen sich 134 Delegierte der Landes-Linken, um den jahrelangen Streit zu begraben und einen neuen Landesvorstand zu wählen. Rund 70 Delegierte wie Wolfgang Ferner sind lieber zu Hause geblieben. Sie haben wohl keine Lust auf närrisches Treiben.Wer eine Fortsetzung des parteiinternen Gezänks erwartet hat, sieht sich getäuscht. Die Kritiker sind entweder nicht da, schweigen lieber - oder ihnen wird das Wort abgeschnitten. Sitzungsleiter Jörg Lobach greift rigoros ein, wenn jemand ansetzt, seinem Ärger Ausdruck zu verleihen.Das geschieht dann vor der Tür. Während drinnen die Wahl der Landesvorsitzenden beginnt, macht sich draußen eine kleine Truppe um die zurückgetretene Landesvorsitzende Alexandra Erikson abmarschbereit. Der Trierer Weihnachtsmarkt ruft.Roger Mallmemm, Kreisvorsitzender Rhein-Hunsrück, qualmt eine Zigarette und murmelt, es habe ja doch alles keinen Sinn. Warum nicht? Mallmemm holt Luft und attackiert dann die Landesvorsitzende Katrin Werner, die sich zur Wiederwahl stellt. Sie häufe Ämter an, die sie gar nicht alle ausfüllen könne. "Alles machen wollen, aber nichts wirklich richtig machen können", zürnt Mallmemm. "Das können Sie ruhig zitieren."Im Saal halten Katrin Werner und Alexander Ulrich derweil ihre Bewerbungsreden und beschwören die Delegierten. "Wir müssen heute etwas abschneiden und nach vorne blicken", fordert Ulrich. Werner verspricht, die Kreisverbände "besser zu vernetzen und besser einzubinden".Ulrich verweist auf das gute Ergebnis der Bundestagswahl (5,4 Prozent in Rheinland-Pfalz) und folgert, es gebe "gar keinen Grund für Rücktritte". Die sind allerdings längst erfolgt. Neun von 15 Landesvorständlern haben Anfang November ihre Ämter niedergelegt. Sie fühlten sich von Ulrich und Werner gegängelt.Auf die Frage, warum die Kritiker in Trier nicht zu Wort kommen, lächelt Katrin Werner und zuckt die Achseln. Der Sonderparteitag liegt auf Linie des Bundesgeschäftsführers Matthias Höhne - bloß kein Streit mehr. Dessen flammender Appell, "sich zusammenzureißen" und "nicht mehr über solchen Mist zu reden", stößt auf fruchtbaren Boden.Bei der Wahl zeigt sich aber dann doch, dass nicht alles rosig ist. Die beiden Bundestagsabgeordneten werden zwar wieder zu Landesvorsitzenden gewählt, aber kräftig abgewatscht. Ulrich bekommt 70,8 Prozent Zustimmung, Werner sogar nur 61,3 Prozent.Die vordringlichste Aufgabe der neuen Führungsspitze, in die als Stellvertreter Wolfgang Förster aus Speyer-Germersheim (78,4 Prozent) und Brigitte Freihold aus Pirmasens (65,6 Prozent) neu einziehen: den Landesverband finanziell und organisatorisch stabilisieren und fit machen für die anstehenden Kommunal- und Europawahlen.Finanziell haben die Linken große Probleme und ordentlich Schulden beim Bundesverband angehäuft. Schatzmeister Sebastian Knopp schlägt deshalb vor, weniger Delegierte zu den Parteitagen einzuladen, um kleinere Hallen zu mieten und Kosten zu sparen. Sein Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen.Meinung

Die Linke lähmt sich selbstParteiinterne Kritiker motzen in kleinen Runden vor sich hin und ziehen frustriert von dannen, weil sie nicht zu Wort kommen - sieht so ein Neubeginn aus, wie ihn die rheinland-pfälzische Linke beschwört? Wohl kaum. Die Wahrheit ist: Viele kochen in diesem Landesverband ihr eigenes Süppchen, anstatt dem Wähler ein schmackhaftes Menü zu servieren. Daran hat der Sonderparteitag in Trier nichts geändert, und daran kann auch der neue Landesvorstand nichts ändern. Was hätte die Linke für politische Chancen, wenn sie sich mit Inhalten statt mit sich selbst beschäftigen würde. Die sich abzeichnende große Koalition in Berlin provoziert geradezu Widerspruch. Gerade im sozialen Bereich, dem Kerngebiet der Linken. Sie könnten sich zum Beispiel die Frage stellen, wie die von ihnen verlangten Wohltaten zu bezahlen wären. Doch die Frage, wer welche Ämter bekleidet, interessiert die Partei immer noch mehr als Realpolitik für die Menschen. Womit sie sich selbst lähmt. f.giarra@volksfreund.de