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Arbeitsmarkt ohne Grenzen

Arbeitsmarkt ohne Grenzen

In Lothringen und Belgien ist die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch. In der Region Trier gibt es dagegen derzeit mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Auf einer Tagung in Trier haben Vertreter der Arbeitsverwaltungen der Saar-Lor-Lux-Region über Strategien gesprochen, mit denen sie auf regionale Probleme gemeinsam reagieren wollen.

Wo mangelt es an Bewerbern oder Stellen, wo gibt es passende Kapazitäten, und wie lässt sich ein grenzüberschreitender Ausgleich schaffen? Das sind die Fragen, mit denen sich Vertreter der Arbeitsverwaltungen der Saar-Lor-Lux-Region bei der Tagung beschäftigt haben.

In der Region Trier beispielsweise gibt es derzeit mehr Lehrstellen als Bewerber (der TV berichtete). Die Jugendarbeitslosigkeitsquote liegt gerade einmal bei 3,8 Prozent, wogegen Luxemburg eine Quote von 16,5 Prozent vermelden muss. Im französischen Lothringen sowie in Belgien ist sogar etwa jeder fünfte Jugendliche ohne Arbeit. Eine mögliche Erklärung für Frankreich: Das Land kennt das Problem des demografischen Wandels nicht, die Geburtenrate steigt.

Fremdsprache ist ein Problem



Die erste Reaktion liegt nahe: Arbeitslose Jugendliche aus benachbarten Regionen könnten sich auf freie Ausbildungsplätze im Großraum Trier bewerben. Bei diesem Szenario tritt dann jedoch das Sprachproblem in den Vordergrund. Ein Problem, dem sich auch die Mitarbeiter von Eures widmen. Eures steht für European Employment Services, ein Arbeitsmarktnetzwerk der Europäischen Kommission, das die Mobilität des Arbeitsmarkts über Grenzen hinweg fördert.

Es gebe viele Möglichkeiten und Angebote, etwas gegen das Sprachproblem zu unternehmen - auch für Arbeitgeber, erklärt der Trierer Agenturchef Wolfram Leibe. Diese aber seien sehr komplex, müssten erklärt und vermittelt werden. Diese Beratung ist ebenfalls eine Aufgabe von Eures. Das Netzwerk steht mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden in engem Kontakt.

In Belgien beispielsweise gebe es bereits einige Betriebe, die Deutschkurse anbieten und dabei auch den fachspezifischen Wortschatz vermitteln, berichtet Robert Nelles, Leiter des Arbeitsamtes der deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens (ADG).

Auch scheinbar nebensächliche Unterschiede in den Grenzregionen können zu erheblichen Komplikationen führen. So werden in der deutschsprachigen Gemeinschaft die Abiturzeugnisse nach anderen Kriterien ausgestellt.

Für Bewerbungen beispielsweise in Deutschland erhalten die Absolventen deshalb noch ein gesondertes Zertifikat von ihren Schulen.

Und schließlich unterscheiden sich auch die EDV-Systeme der einzelnen Arbeitsverwaltungen, in denen die Lehrstellen- und Bewerberdaten geführt werden. "Da muss man schon mal mit USB-Stick und Laptop über die Grenze fahren", erzählt eine Eures-Mitarbeiterin lächelnd.

Trier war in diesem Jahr erstmals Gastgeber für die seit 1996 jährlich ausgerichtete Tagung. Zwei Tage lang tauschten sich die Teilnehmer in der Europäischen Rechtsakademie aus.

Eines der nächsten gemeinsamen Projekte ist die zweite interregionale Jobmesse der Großregion - auch Ausbildung und Praktika spielen dort eine Rolle. Am 26. Mai präsentieren sich 80 Arbeitgeber aus unterschiedlichen Branchen von 9 bis 18 Uhr auf dem Messegelände in Saarbrücken. 60 Aussteller kommen aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz, zehn aus Lothringen und zehn aus Luxemburg und aus Belgien.

moovijob.com/saarbruecken

EXTRA

QUOTEN



Mit einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent (Rheinland-Pfalz: 5,7 Prozent) ist die Region Trier im Vergleich zu ihren Nachbarn derzeit Spitzenreiter - im positiven Sinne. Im Saarland liegt die Quote bei 7,3 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 8,5. Luxemburg nennt für Februar eine Quote von 6,3 Prozent, Belgien kommt auf 11,2 Prozent. In der belgischen Region Wallonie waren im Februar sogar 15,9 Prozent ohne Arbeit. Nicht mitgerechnet ist dabei die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG). Dort lag die Quote im Februar bei acht Prozent. Da es in Frankreich ein anderes System der Arbeitslosenstatistik gibt, liegen dem TV keine aktuellen Zahlen speziell für Lothringen vor. In Frankreich insgesamt lag die Quote im Februar bei 9,6 Prozent. arn