Diese Geschichte hat soooo einen Bart ...

Diese Geschichte hat soooo einen Bart ...

Er ist Maskottchen, Kult-Masseur und gute Seele in Personalunion: Axel Mock (52), von allen nur Aggy genannt, ist seit 1985 untrennbar mit dem Trierer Basketball verbunden. Warum er als einziger Deutscher 1993 Vize-Europameister wurde, erzählt er dem TV-Reporter.

Trier. Bei wie vielen Bundesliga-Spielen der Trierer Basketballer er so dabei war, seit dem Aufstieg 1990, über den Daumen gepeilt? "Mann, dumme Frage!", mag sich Axel Mock denken. Der TV-Reporter hat gerade bei ihm im Wohnzimmer Platz genommen. Aggy steht lieber - und findet die Antwort auf die Frage auf einem kleinen Zettel. Moment gerade. 1992, da habe er bei zwei Spielen gefehlt. Damals hatte der Club nichts gezahlt ("Das ist aber seit 1995 nicht mehr vorgekommen"). Einmal lag er flach, Krankenhaus statt Sporthalle. Einmal konnte er nicht, weil er als Masseur des deutschen Teams bei der Baseball-Europameisterschaft im Einsatz war. Und in den letzten 13 Bundesliga-Jahren fehlte er nur bei einem einzigen Bundesliga-Spiel - als seine Mutter starb. "Ich habe also fünf Spiele verpasst seit 1990", sagt er. "Plus die eine komplette Saison, in der ich 1994/95 bei der Eintracht war."
Kult-Figur, das ist ein totgerittener Begriff, inflationär benutzt. Aber wenn es im Trierer Sport jemanden gibt, der sich das K-Wort verdient hat, dann Mock. 1985 kam er zu den Basketballern, das war anfangs nur eins von mehreren Engagements für den Masseur. Die TVG spielte damals noch in der dritten Liga, noch auf dem Wolfsberg, 50 Zuschauer galt damals als üppige Kulisse. Vorher machte er bei der Eintracht II die Muskeln locker, war beim Eishockey (Gründungsmitglied beim ESV Trier). Aber für die meisten ist Mock der Mann auf und hinter dem Parkett. Markenzeichen: Der lange Bart in ZZ-Top-Dimension, der obligatorische Trainingsanzug, die Brille, dazu die Flickflacks, die er bei den BBL-Spielen über Jahre hinweg übers Parkett geschwungen hatte. "Damit habe ich aufgehört, als das Maskottchen kam", sagt Mock: "Das kann jemand Jüngeres übernehmen. Zumal das ja auch einiges an Training braucht." Das war 2007. Während in der Liga kleine Drachen oder plüschige Albatrosse den Fans zuwinkten, setzte die TBB auf die Plüsch-Version von Aggy. Die Ähnlichkeit zwischen Original-Aggy und Maskottchen hatte zuletzt abgenommen, als sich Mock für den Karnevalsauftakt die Haare und den Bart weiß färben ließ. Weiter weg will er optisch nicht mehr: "Ich hatte mir ja den Bart nach den Pokalsiegen 1998 und 2001 abrasieren lassen. Das mache ich nur noch, wenn wir Meister werden", sagt er mit einem Lächeln. "Der wächst im Alter ja nicht mehr so schnell." Mock hat die exklusivste Erinnerung an die Trierer Titel: In seiner Glasvitrine bewahrt er die original Replika-Pokale von 1998 und 2001 auf. Es sind die einzigen in Trier - der Club habe keine machen lassen, "weil es ihnen zu teuer war". Mocks Sammlung ist auch darüber hinaus einzigartig: Der 52-Jährige hat alle (!) Fan-Artikel, die jemals vom Club angefertigt wurden. "Die habe ich alle selbst gekauft", sagt Mock. Alle Schals und Trikots wurden vom ihm Folie eingeschweißt. "Irgendwann geht\'s ja doch wieder an den Club zurück", sagt er.Extra

Aggy Mock ... ... ist durch und durch Trie rer, lebt im Maarviertel ("Ich liebe die Stadt heiß und innig"). ... braucht keinen Urlaub ("Wenn mir jemand eine Weltreise schenken will, sag ich: Lass es!"). ... wird als Masseur und Sportphysiotherapeut auch für die Luxemburger Nationalmannschaft bei der EM-Quali im Einsatz sein (u.a. gegen Deutschland). ... hat - dank der TBB - sein eigenes Konterfei auf dem Auto (das "Aggy-Mobil", ein Kleintransporter mit Motorradmotor). ... ist kein Fan irgendeines Teams ("Ich respektiere alle Sportler"). ... ist der einzige Deutsche, der 1993 Vize-Europameister im Basketball wurde. Damals war er Masseur der russischen Nationalmannschaft - und die verlor im Finale überraschend gegen Deutschland. ... feiert am Samstag seine 8. Teilnahme beim Allstar-Day in Ludwigsburg - als Teil von Henrik Rödls Team. AF

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