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Watutinki
Was tun, Herr Löw?

Bundestrainer Joachim Löw wird sein Team gegen Schweden vermutlich umstellen.
Bundestrainer Joachim Löw wird sein Team gegen Schweden vermutlich umstellen. FOTO: dpa / Matthias Schrader
Watutinki. Der Bundestrainer und seine Spieler sind in Russland früh gefordert. Gegen Italien-Schreck Schweden steht am Samstagabend das erste Endspiel an.

(dpa) Der Sieg der Schweden gegen Südkorea hat die Situation von Fußball-Weltmeister Deutschland bei der WM in Russland weiter zugespitzt.

Schon nach dem zweiten Gruppenspiel am Samstag (20 Uhr) in Sotschi könnte es heißen: Titelverteidigung adé!

Für Bundestrainer Joachim Löw gilt es, mit seiner Mannschaft Antworten zu finden auf „eine für uns absolut ungewohnte Situation“. Etwa auf diese Fragen.

Wie prekär ist die Ausgangslage vor dem Spiel gegen Schweden?

Sehr prekär. Und sie würde noch extremer, wenn die Mexikaner wenige Stunden vor dem deutschen Spiel auch gegen die Koreaner punkten sollten. Dann würde eine Pleite gegen Schweden bereits am 2. Spieltag der Gruppe F das Aus für Löws Team bedeuten. Ein Aus der DFB-Auswahl in der Vorrunde wäre historisch: Das gab es bei 18 WM-Teilnahmen nicht. Löw versprach nach dem 0:1 gegen Mexiko den Fans: „Uns wird es nicht passieren! Wir werden es schaffen!“

Wie stark sind die Schweden?

Eine Warnung muss genügen: Italien! Die Skandinavier sorgten in den Playoffs dafür, dass die Italiener – übrigens wie Deutschland viermaliger Weltmeister – in Russland fehlen. In der Qualifikation hatten sie die Niederländer hinter sich gelassen. Und die Schweden sind heiß auf den Weltmeister nach ihrem 1:0 gegen Südkorea: „Es ist etwas ganz Spezielles. Geiles Spiel, großes Spiel“, sagte Offensivmann Emil Forsberg von RB Leipzig. Trainer Janne Andersson sagte selbstbewusst: „Deutschland ist der nächste Gegner, den wir schlagen wollen.“

Stecken auch Chancen für das deutsche Team im Schweden-Spiel?

Ja. „Wir haben es im ersten Spiel verbockt, aber haben es selbst noch in der Hand“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Ein Sieg in Sotschi – und das Achtelfinale ist sofort wieder in Reichweite. Da könnte es durchaus zu einem frühen Duell mit Rekordchampion Brasilien kommen. „Das ist mir jetzt völlig egal, wer dann der Gegner ist“, sagte Löw. „Wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben machen und das nächste Spiel gewinnen.“ Aber die erfolgreiche Bewältigung einer frühen Krisensituation könnte einen positiven Turnierschub auslösen.

Ist dem Bundestrainer die Lösung der aktuellen Situation zuzutrauen? Eindeutig ja. Löw hat das Nationalteam bislang bei jedem seiner sechs Turniere als Chefcoach mindestens ins Halbfinale geführt. Von 37 Turnierspielen hat er 26 gewonnen und nur sieben verloren. „In einem Turnier gibt es Widerstände. Die muss man annehmen“, sagte er nach dem Fehlstart. Der 58-Jährige hat auch schon bewiesen, dass er ein Krisenmanager sein kann. Bei der WM 2014 in Brasilien stellte er nach dem 2:1-Zittersieg nach Verlängerung gegen Algerien im Achtelfinale personell um: Philipp Lahm rückte aus dem Mittelfeld zurück auf die rechte Verteidigerposition. Per Mertesacker flog aus der Startelf. Miroslav Klose kam für Mario Götze neu in die Offensive. Danach lief es: 1:0 gegen Frankreich, 7:1 gegen Brasilien und im Finale gegen Argentinien schoss Götze als Joker in der Verlängerung das 1:0.

Welche personellen Möglichkeiten hat Löw gegen Schweden?

Das Mexiko-Spiel verlangt geradezu Veränderungen. Erste Option ist Marco Reus, der in Sotschi von Beginn an auflaufen dürfte. Offensiv wird mehr Tempo und Torgefahr benötigt. Auch ein robuster Brecher wie Mario Gomez könnte eine Alternative im Angriff sein. Jonas Hector soll nach einem grippalem Infekt wieder links verteidigen.

Setzt Löw zu sehr auf die in die Jahre gekommenen 2014-Weltmeister?

Ja und nein. Die große Frage ist: Opfert er einen oder mehrere 2014-Champions nach nur einem Spiel? Thomas Müller, Sami Khedira, Mesut Özil – einige Leistungsträger waren zum Turnierstart schwach. Ilkay Gündogan oder Leon Goretzka könnten Khedira ersetzen. Reus könnte auch für Müller ins Team kommen – oder für Özil. 

Welche taktischen Möglichkeiten hat der Bundestrainer?

Löw könnte auf eine Dreierkette umstellen, um defensiv mehr Stabilität zu erzielen. Es war das Erfolgssystem beim Gewinn des Confed Cups 2017. Beim Viertelfinalerfolg gegen Italien bei der EM 2016 setzte Löw auch schon mal im Ernstfall auf drei zentrale Verteidiger.