| 21:26 Uhr

Petersberger Dialog
Merkel fordert mehr Klimaschutz

Berlin. Die Kanzlerin beklagt Versäumnisse. Umweltschützer vermissen aber klare Ziele.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat größere Anstrengungen im Klimaschutz angemahnt. „Wir in Deutschland müssen zugeben, dass wir besser werden müssen wieder“, sagte Merkel gestern in Berlin beim Petersberger Klimadialog vor Vertretern aus mehr als 30 Ländern. Das Land habe sich „sehr ambitionierte Ziele“ gesetzt, sagte sie mit Blick auf das Klimaschutzziel 2020, das Deutschland wohl deutlich verpassen wird. „Deshalb haben wir jetzt auch alle Hände voll zu tun, dass wir die Lücke, die sich jetzt ergibt, noch wirklich schließen können.“

Deswegen sei die Kommission für die Vorbereitung des Kohleausstiegs so wichtig, die kommende Woche ihre Arbeit aufnimmt. Auch in anderen Bereichen sieht Merkel Nachholbedarf, etwa im Verkehr - oder der Landwirtschaft.

Die Kanzlerin warnte vor hohen Kosten, die Versäumnisse im Klimaschutz weltweit hätten. Globale Probleme ließen sich nur gemeinsam lösen. „Sehr bedauerlich“ sei, dass sich die USA unter Präsident Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen wollten, sagte Merkel. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte zum Abschluss, der US-Vertreter habe die Position seiner Regierung „sehr deutlich“ gemacht.

Den jährlichen Petersberger Klimadialog hat Merkel im Jahr 2010 selbst ins Leben gerufen. Er dient der Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels. Im Dezember kommen die UN-Klimadiplomaten im polnischen Kattowitz zusammen, um unter anderem Regeln für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu beschließen.

Fast alle Staaten haben sich 2015 in Paris vorgenommen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Mit den aktuellen nationalen Zielen gelten aber rund drei Grad oder mehr als wahrscheinlich.

Merkels Forderung nach mehr Klimaschutz beeindruckte Umweltschützer wenig. „Visionen oder konkrete Pläne hat sie keine geliefert“, kritisierte etwa Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Der Deutsche Naturschutzring und die Klima-Allianz forderten Merkel auf, enger mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zusammenzuarbeiten.