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Omikron wirft bisherige Maßstäbe über den Haufen

Fünfte Corona-Welle : Omikron wirft bisherige Maßstäbe über den Haufen

Die hochansteckende Virusvariante bricht alle bisher gekannten Rekorde, die 100.000er-Marke der täglichen Neuinfektionen wurde erstmals überschritten. Doch der Höhepunkt der fünften Welle ist noch nicht erreicht. Das wirft Fragen nach ausreichenden Testkapazitäten auf und auch die Umsetzung der Impfpflicht ist weiterhin offen.

Es sind Zahlen, die in den bald zwei Jahren der Pandemie bisher kaum vorstellbar waren. Doch Omikron sorgt inzwischen täglich für neue Höchststände. So hat die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden erstmals die Marke von 100.000 gerissen und lag am Mittwoch bei 112.323. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 584,4.

Mit welcher Entwicklung ist zu rechnen?

Der Höhepunkt der laufenden Omikron-Welle ist noch nicht erreicht. Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen rechnet mit weiter steigenden Fallzahlen in den kommenden Wochen. „Der Höhepunkt der Omikron-Wand wird wohl erst im Laufe des Februars erreicht“, sagte Dahmen unserer Redaktion. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet mit dem Höhepunkt der rollenden Welle erst Mitte Februar. Zudem geht Lauterbach von einer hohen Dunkelziffer aus. Damit läge die tatsächliche Inzidenz deutlich über dem offiziell ausgewiesenen Wert. „Ob es Tausend sind, wissen wir nicht genau, aber wir werden noch höhere Fallzahlen bekommen“, sagte Lauterbach bereits am Dienstagabend.

Wie ist die Lage auf den Intensivstationen?

Dort ist die Zahl der Covid-19-Patienten bisher weiter rückläufig. Laut der Intensivmedizinier-Vereinigung DIVI ist deren Zahl wieder unter die Marke von 3000 gefallen. Mit einem raschen Anstieg der Covid-Patienten rechnen die Intensivmediziner derzeit  nicht. Aber: „Es besteht ein Risiko auch bei Omikron, insbesondere für Menschen ohne Impfung“, sagte Christian Karagiannidis, Leiter des DIVI-Intensivregisters. Und Grünen-Gesundheitspolitiker Dahmen warnt: „In den Krankenhäusern wird die Omikron-Wand frühestens in zwei Wochen ankommen.“

Wie sieht es mit den Testkapazitäten aus?

Die PCR-Tests und die Labor-Kapazitäten werden knapp. Viele Labore seien „am Limit“, sagte Grünen-Gesundheitsexperte Dahmen. Daher sollen PCR-Tests nun priorisiert werden. Beschäftigte in sensiblen Gesundheitseinrichtungen sollen bei der Laborauswertung bevorzugt zum Zuge kommen. Nach einem Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sollen Labore verpflichtet werden, Proben von Beschäftigten in Kliniken, Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und jeweiligen ambulanten Diensten vorrangig zu untersuchen. Dies hatte Gesundheitsminister Lauterbach zuvor bereits angekündigt. Dahmen sagte: „PCR-Testkapazitäten sollten als erstes zur Sicherung der kritischen Infrastruktur und Erkennung von Infektionen bei symptomatischen Personen eingesetzt werden. Lehrkräfte gehören zum Personal der kritischen Infrastruktur und sollten damit ebenfalls prioritär PCR-Testkapazitäten nutzen können.“

Wie geht es weiter bei der Impfpflicht?

Nach Willen von Gesundheitsminister Lauterbach soll es schnell gehen. Erstmals nannte er einen konkreten Zeitplan und sprach sich für eine Umsetzung bis April oder Mai aus. Zuvor muss allerdings der Bundestag über die allgemeine Impfpflicht entscheiden. Konkrete Gruppenanträge liegen dazu allerdings noch nicht vor. Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Linie, keinen eigenen Antrag vorzulegen.

Wie positionieren sich die Hausärzte zur Impfpflicht?

 Sie sehen darin eine politische Entscheidung. „Wenn die Politik sich dazu entscheiden sollte, dann muss sie natürlich auch klar regeln, wie diese konkret umgesetzt werden soll“, sagte der Chef des Hausärzteverbandes Ulrich Weigeldt. Jeder, der sich impfen lassen wolle, werde von den Hausärzten auch geimpft. Selbstverständlich würden Hausärzte ihren Patienten auch Informationsgespräche anbieten, so Weigeldt. „Sollte eine Impfpflicht kommen, dann muss die Politik auch festlegen, welche Sanktionen Menschen zu erwarten haben, die sich dennoch nicht impfen lassen möchten und wie diese durchgesetzt werden sollen. Das ist nicht die Aufgabe der Hausärztinnen und Hausärzte“, betonte er. „Klar ist, dass die Hausärztinnen und Hausärzte niemanden gegen ihren ausdrücklichen Willen impfen können und werden.“

Was sagen die Städte zur Umsetzung vor Ort?

 „Wenn eine allgemeine Impflicht kommt, rechnen wir damit, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen. Wer impfpflichtig sein wird und keine Impfung nachweisen kann, wird mit einem Bußgeld rechnen müssen“, sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, unserer Redaktion. Zahlreiche Impfangebote bestünden derzeit weiter sowohl bei Ärzten als auch in kommunalen Impfstellen. „Bund und Länder müssen jetzt für Klarheit sorgen, in welchem Umfang kommunale Impfkapazitäten bis Ende des Jahres und darüber hinaus vorgehalten werden sollen und die Kosten dafür übernehmen“, sagte Dedy. Die Impfkampagne laufe derzeit auf Hochtouren.