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Der Glaube zwischen Kosten und Nutzen

Der Glaube zwischen Kosten und Nutzen

Nichts ist umsonst. Und auch der Tod kostet die Hinterbliebenen in der Regel viel Geld. Aus Kostengründen entscheiden sich deshalb immer mehr Menschen für eine Urnen-Beisetzung. Doch längst nicht jede Feuerbestattung hat finanzielle Beweggründe, sondern ist in vielen Fällen eine Sache des Glaubens und der Einstellung. Genau wie die Sarg-Bestattung.

Bitburg-Prüm/Daun/Gerolstein. Was das betrifft, so ist er sich absolut sicher: "Wir werden nie wieder Platzprobleme auf den Friedhöfen haben", sagt Ralf Cullmann, Betreiber eines Beerdigungsinstituts in Traben-Trarbach. Und Grund für diese Entwicklung ist ausnahmsweise nicht der demografische, sondern vielmehr der gesellschaftliche Wandel. Denn die Bestattungskultur befindet sich seit einigen Jahren in einem grundlegenden Umbruch, und Cullmann verfolgt diesen Wandel, der für immer mehr Menschen in einer Urne endet.

"Hier bei uns sind mittlerweile 70 Prozent der Beisetzungen Feuerbestattungen", sagt er, allerdings liege das daran, dass Traben-Trarbach evangelisch geprägt sei. Und unter den Protestanten sei der Anteil der Urnenbeisetzungen generell höher. "Anders ist es natürlich im erzkatholischen Kröv", wo höchstens jeder fünfte Verstorbene in einer Urne beigesetzt werde, erklärt der Bestatter.

Ähnlich wie in Kröv ist es nach wie vor auch in vielen Orten der Eifel, wo Christoph Trösch für das Bitburger Bestattungsunternehmen Leuschen tätig ist. "Hier ist der Glaube noch sehr stark ausgeprägt", sagt er. Und wesentlicher Bestandteil dieser christlichen Überzeugung sei eben auch der Glaube an die Auferstehung, der bei einer Feuerbestattung und anschließender Beisetzung der menschlichen Überreste in einer Urne bei vielen Menschen auf eine harte Probe gestellt werde. Auch wenn die Urnenbeisetzung zweifelsohne die kostengünstigere Variante sei.

"Bei der Urnenbestattung spielt eher der Nutzen als die Überzeugung eine Rolle", meint Trösch. Zwar sei die Einäscherung und anschließende Beisetzung in der Regel nicht billiger als eine Sargbestattung, doch dafür seien die Folgekosten weitaus geringer - egal, ob die Asche in einer Urnenwand, in einem Rasengrab oder im bereits vorhandenen Familiengrab beigesetzt werde. Der Pflegeaufwand ist geringer, und die Neueinfassung eines Grabs oder das Errichten eins Grabsteins entfällt in den meisten Fällen komplett.

"Für viele läuft das auf der Schiene ab: Hauptsache billig", sagt Andreas Melchisedech aus Gerolstein, der als Betreiber eines Steinmetzbetriebs für Grabmalkunst diese Entwicklung ebenfalls mitbekommt. "Natürlich ist es günstiger", räumt auch der Steinmetz ein. "Ich glaube allerdings nicht, dass viele der Verstorbenen es zu Lebzeiten gewollt hätten, in einer Urne beigesetzt zu werden."

Doch nicht nur die Tradition der Bestattungsform wird - aus welchen Gründen auch immer - zunehmend in Frage gestellt, sondern auch der Ort. Jedoch sei der Anteil an Naturbestattungen, also beispielsweise die Beisetzung von Urnen in dafür vorgesehenen Wäldern, bislang eher gering, sagen die Bestatter aus Bitburg und Traben-Trabach. Allerdings sei mit der Möglichkeit der Waldbeisetzung das Interesse an Seebestattungen zurück gegangen, sagt Cullmann.

In Luxemburg erlaubt, in Deutschland jedoch verboten ist das Verstreuen der Asche, ebenso wie das Transportieren der Urne von einem Ort zum anderen. Das darf nur der Bestatter - worüber Christoph Trösch auch froh ist. "Ich halte nichts von diesem Urnentourismus, bei dem die Asche in den Weltraum geschickt oder zu einem Diamanten gepresst wird", sagt er, "oder aber zu Hause auf dem Kamin steht und beim Umzug im Karton transportiert wird."

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