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Aus dem Archiv (Februar 2016): Er hält die ganze Stadt sauber

Aus dem Archiv (Februar 2016) : Er hält die ganze Stadt sauber

Er hat jetzt noch mehr zu tun: Gerade erst hat die Stadt das Gebiet der gebührenpflichtigen Straßenreinigung erweitert. Jeden Tag fährt Bauhof-Mitarbeiter Manfred Gillen mit der Kehrmaschine raus, um in Bitburg aufzuräumen. Der TV hat ihn begleitet.

Manfred Gillen fährt jeden Tag mit einem großen Staubsauger durch Bitburg. Die Kehrmaschine der Stadt funktioniert im Prinzip wie das Reinigungsgerät, das auch in jedem Haushalt steht - nur ist sie eben ein bisschen größer: maximal 40 Kilometer schnell, 170.000 Euro teuer, fünfeinhalb Tonnen schwer - mit Inhalt eher das Doppelte. Und Bauhof-Mitarbeiter Manfred Gillen fuhrwerkt damit auch nicht durch's Wohnzimmer, sondern befreit Bitburgs Straßen von Unrat und Schmutz.

Weil das alte Gerät nach mehr als elf Dienstjahren Mitte 2014 seinen Geist aufgab, hat die Stadt die neue Maschine angeschafft - und im vergangenen Sommer noch eine kleinere für 75.000 Euro dazu, da die wendiger durch die Fußgängerzone wischt.

Denn es soll ordentlich aussehen in Bitburg. Deshalb hat die Stadt jüngst auch das Gebiet der gebührenpflichtigen Straßenreinigung erweitert (siehe Extra). "Es haben sich bislang nur ein paar Bürger bei uns gemeldet", erzählt Ralf Mayeres von der Stadtverwaltung. "Manche mit der Frage: Könnt ihr bei uns nicht auch kehren? Andere meinten: Aber bei mir hat es doch immer gut ausgesehen."

Der Stadt geht's aber nicht darum, alle Straßen selbst zu reinigen, nur eben alle viel befahrenen, weil dies für die Bürger auch gefährlich werden könne - und auch wenn die Anlieger dafür zahlen müssen, "verdient jetzt die Stadt nichts dabei", sagt Mayeres. Noch ist das Ganze in der Testphase: "Wir schauen jetzt, ob wir mit dem Aufwand hinkommen und die Kalkulation stimmt." Die ersten Bescheide werde man dann Mitte des Jahres verschicken können. "Und die Stadt ist wirklich sauberer." Damit sie das auch bleibt, ist Manfred Gillen den ganzen Tag lang unterwegs - je nach Reinigungszone mal am Bedaplatz, mal in der Trierer Straße, mal in Matzen. "Ich fahre schon seit mehr als 20 Jahren", erzählt er. "Erst auf dem Kehrwagen, jetzt die Maschine - ich hab alles mitgemacht." Auskennen muss er sich - mit den vielen Knöpfen und Schaltknüppeln. "Der Rest ist Übung."

Und Gelassenheit braucht es auch, wie sich herausstellt: "Es gibt Autofahrer, die Verständnis haben - und Autofahrer, die meinen, sie wären allein auf der Welt."

Mit einer Vorgängermaschine hatte Manfred Gillen auch mal einen Unfall: "Ich war im Rückwärtsgang, ein Auto war mir aber viel zu dicht aufgefahren - und dann hab ich dem auf dem Kühler gesessen." Besonders im Kreisverkehr wird seine Arbeit immer wieder mal spannend. "Jeder, der eine Arbeitsmaschine fährt, kennt das: Man kann sich eben nicht in Luft auflösen."

Der Dreck löst sich auch nicht in Luft auf, er verschwindet nur komprimiert im Innern der Maschine: Dort ist Platz für ein Volumen von 4500 Litern. "Ja, das ist schon eine Menge", sagt Manfred Gillen. "Man findet da wirklich alles." Und das bringt er zurück zur Sammelstelle auf den städtischen Bauhof, wo es entsorgt wird.

Und da man nie weiß: Kommt ihm "irgendetwas Unvorhergesehenes" zwischen die Räder, hat Manfred Gillen einen roten Stopp-Knopf. Im Sommer hat er außerdem noch bis zu 450 Liter Wasser dabei, das über Sprühdüsen auf den Boden gespritzt wird: "Damit es nicht so sehr staubt, wenn es trocken ist."

Das braucht er heute nicht - es regnet. Und der Sturm hat etliche Äste auf die Fahrbahn geweht. Die saugt jetzt seine Maschine auf. Manfred Gillen fährt in jede Parklücke - denn auch die muss sauber werden. Nur den Schmutz unter den geparkten Autos, den kann er nicht wegzaubern.

Die vielleicht wichtigste Arbeit leisten die Besen - zwei an der Seite, ein dritter vorne. "Sie müssen etwa alle drei Wochen ausgetauscht werden. Viel länger machen sie es nicht. "Aber da haben die auch etliche Kilometer hinter sich", sagt Manfred Gillen. Nämlich mehr als 300 Kilometer: So viel kehrt Manfred Gillen in drei Wochen.Extra

Die Erweiterung der gebührenpflichtigen Straßenreinigung - um 61,2 Kilometer auf 115,8 Kilometer in der Woche - hat der Stadtrat einstimmig im November beschlossen. Die entsprechende Satzung ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Die Fußgängerzone wird täglich gereinigt, alle weiteren Straßen einmal pro Woche. Die Reinigung der Gehwege obliegt weiterhin den jeweiligen Anliegern, auch umfasst die Straßenreinigung durch die Stadt nicht den Winterdienst. Nach der bisherigen Kalkulation der Verwaltung müssen alle betroffenen Anlieger mit einem Betrag von 1,40 Euro pro laufendem Meter im Jahr rechnen. Eine Beispielrechnung: Für ein Grundstück mit einer angrenzenden Straßenlänge von 20 Metern bei durchschnittlichen 45 Kehrgängen im Jahr fällt für den Anlieger eine jährliche Gebühr von 27,90 Euro an (Anteil der Stadt: 12,15 Euro).